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Für ein beeindruckendes und abwechslungsreiches Kinderprojekt sucht die Stadt Bergisch Gladbach ab sofort Paten. Über 550 Bergisch Gladbacher Kulturstrolche erobern seit dem vergangenen Schuljahr die kulturellen Räume unserer Stadt – beteiligt sind 23 Klassen von sechs Grundschulen. Doch für eine Fortführung des einzigartigen Projektes werden noch weitere Förderer benötigt. Dabei geht es um relativ geringe Summen.

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In dem Projekt lernen Grundschulkinder ab der 2. Klasse kulturelle Räume wie Museen, Bibliotheken, Theater, Musikschulen u.a. forschend kennen. Somit erhalten sie frühzeitig einen Zugang zu Kunst und Kultur in ihren vielfältigen Facetten. Dabei sollen die Mädchen und Jungen Kunst und Kultur nicht nur rezeptiv erfassen können, sondern auch aktiv gestaltend zu „Kulturschaffenden“ werden.

Da die Grundschule alle Kinder erreicht, ist der Zugang zu Kunst und Kultur nicht mehr abhängig von der finanziellen Situation der Eltern beziehungsweise deren Interesse an gemeinsamen Theater- oder Museumsbesuchen.

21.000 Euro im Jahr

Um das umfangreiche Programm zu finanzieren sind die Träger jedoch auf Spenden angewiesen. Pro Jahr benötigt das städtische Kulturbüro 21.000 Euro. Einige Organisationen, Einrichtungen und Unternehmen konnten bereits als Paten für die Grundschulklassen gewonnen werden.

Bisher sind die VR Bank Bergisch Gladbach, der Verein „Bürger für uns Pänz“ sowie die „Initiative der Ordensträgerinnen“ engagiert.

Für das kommende Schuljahr 2016/17 ist die Finanzierung aber noch nicht sicher und es werden noch Klassen-Paten gesucht. Um Planungssicherheit zu erhalten, wäre ein längerfristiges Engagement wünschenswert.

Die Kosten für das Projekt betragen pro Schuljahr 600 Euro pro Klasse, das bedeutet, dass 1.800 Euro für alle drei Schuljahre notwendig sind.

Ausstellung in der Villa Zanders mit Arbeiten der Zweiklässler

Einen schönen Einblick in die Arbeit der Zweitklässler gibt eine aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum Villa Zanders. Der Kunstpädagoge und Fotokünstler Michael Wittasek hat mit den Mädchen und Jungen der Gemeinschaftsgrundschule An der Strunde Kunstwerke erstellt.

Wittasek hat für die Ausstellung auch ungewöhnliche Präsentationsformen gefunden. So schweben die Bücher-Kunstwerke im Raum und an den Wänden.

Die Klassen 2a, 2b und 2c hatten mit Wittassek nach der intensiven Betrachtung von Künstlerbüchern aus der städtischen Sammlung eigene Kunstwerke aus alten Büchern erstellt. Diese Ausstellung ist noch bis zum diesem Sonntag (15. Mai 2016) im Erdgeschoss der Villa Zanders zu sehen.

Zur Ausstellungseröffnung am Dienstag waren auch die Sponsoren eingeladen. Museumsleiterin Dr. Petra Oelschlägel begrüßte mit Sylvia Zanders die Vorsitzende des Vereins „Bürger für uns Pänz“. Für Zanders ist das Engagement ihres Vereins selbstverständlich: „Ich finde es sehr schön, dass die Grundschülerinnen und Grundschüler im Kunstmuseum Villa Zanders aber auch bei den anderen Angeboten einen unkomplizierten Einblick in das Kulturleben dieser Stadt erhalten und alle mitmachen können.“

Auch VR Bank-Hauptgeschäftsstellenleiter Marcel Drack begrüßte die kleinen Künstlerinnen und Künstler bei der Vernissage. „Wir finden das Kennenlernen der kulturellen Einrichtungen der Stadt auf diese Art und Weise für jedes Kind eine tolle Idee. Daher stehen wir gerne als Paten bereit“, erklärt Drack.

Besser als der Besuch einer Ausstellung: eine eigene Ausstellung

Oelschlägel ist immer wieder begeistert, was die Kulturstrolche alles bewegen. „Besser als mit der eigenen Ausstellung kann ein Kind nicht erleben, was der Besuch eines Museums bedeutet.“

Alle Akteure sind sich einig: Das Kulturstrolche-Projekt ist förderungswürdig. Petra Weymans von der zuständigen Kulturverwaltung ist Ansprechpartnerin für alle Interessenten, die sich finanziell beteiligen möchten. Privatpersonen, Firmen und Organisationen sind jederzeit willkommen.

Hintergrund: Das Kulturstrolche-Projekt in Bergisch Gladbach 

In Bergisch Gladbach nehmen sechs Schulen am Projekt „Kulturstrolche“ teil. Dies sind

  • GGS An der Strunde
  • GGS Moitzfeld
  • GGS Hand
  • GGS Gronau
  • KGS Hand
  • KGS Bensberg

Die Kinder entdecken vom Beginn der zweiten bis zum Ende der vierten Klasse über drei Schuljahre die kulturellen Einrichtungen. Somit gewinnen sie einen Einblick in sechs Kultur-Sparten – unabhängig vom Geldbeutel und den Interessen der Eltern. In jedem Schulhalbjahr sollen jeweils zwei Projekte durchgeführt werden. Das Kulturbüro und das Jugendamt haben mit Hilfe der teilnehmenden Kultureinrichtungen ein umfangreiches Programm entwickelt.

2. Schuljahr:
Städtische Max-Bruch-Musikschule: In der Musikschule können die Kinder im Instrumentenkarussell verschiedene Musik-instrumente ausprobieren, bei dem Besuch einer Musikpädagogin in der Schule werden Musikinstrumente gebastelt und ein Stück einstudiert und zum Abschluss besuchen die Kinder ein Kinderkonzert “Kinder spielen für Kinder”, wo sie u.a. ihr einstudiertes Stück vor den Eltern aufführen.

Kunstmuseum Villa Zanders: Hier lernen die Kinder das Museum und seine Aufgaben kennen und arbeiten im Atelier. Beim Besuch eines Kunstpädagogen in der Schule diskutieren die Kinder mit ihm über Kunst anhand eines aus der Museumssammlung mitgebrachten Kunstwerkes. Der dritte Termin findet wieder im Museum statt. Die von den Kindern angefertigten Kunstwerke werden ausgestellt: es gibt eine Vernissage, meist mit musikalischer Begleitung durch den Schulchor, Eröffnungsrede, Getränk. Eingeladen zu dieser Ausstellungseröffnung sind auch die Eltern. Die Kunstwerke bleiben eine Zeit hängen, so dass auch Eltern, die nicht an der Vernissage teilnehmen konnten, die Werke ihrer Kinder kostenlos besuchen können.

3. Schuljahr:
Theater: Gerd Pohl, Leiter des Theaters im Puppenpavillon erarbeitet mit den Kindern in der Schule die Aufgaben eines Theaters, die verschiedenen Genres und die verschiedenen Berufe im Theaterbereich und den Theater-„Knigge“. Danach besuchen die Kinder eine Kindertheatervorstellung im Bergischen Löwen (freier Eintritt für den Kulturstrolch und ein Elternteil). Beim dritten Termin besuchen die Kinder wieder den Bergischen Löwen und dürfen hinter die Kulissen schauen.

Tanz: Der Tanz wird den Kindern in einer Tanzschule von der Tanzpädagogin Monika Lengenfelder näher gebracht. Auch hier gibt es drei Termine: Die Schüler lernen verschiedene Tänze kennen. Neben Hip Hop auch Tänze wie Walzer oder Polka. Sie erhalten aber auch einen Einblick in das Unternehmen Tanzschule und führen Verkaufsgespräche, in denen sie den Eltern die Buchung eines Kindertanzkurses schmackhaft machen. Zur Abschlussveranstaltung sind die Familien eingeladen. Die kleinen Tänzerinnen und Tänzer präsentieren das Gelernte und fordern auch Mama oder Papa zum Tanz auf.

4. Schuljahr:
Stadtbücherei: Die Viertklässler besuchen die Stadtbücherei in der Stadtmitte und lernen, wie man mit Büchern umgeht und wie sie Bücher finden und ausleihen können. Beim Besuch einer Fachkraft in der Schule wird ihnen erklärt, wie Bücher entstehen. Dabei kann jedes Kind sein Lieblingsbuch vorstellen und dazu eine kleine Geschichte schreiben. Alle Geschichten einer Klasse werden jeweils in einem kleinen Heft zusammengefügt und dann für alle vervielfältigt. Als Abschlussveranstaltung gibt es eine szenische Lesung.

Medien: Beim Modul Medien wird den Kulturstrolchen „das Radio“ erklärt. Radiotexte werden geschrieben und dann im Ton- und Medienstudio im Q1 aufgenommen. Die Aufnahmen werden im Rahmen des Bürgerfunks über Radio Berg ausgestrahlt.

Ansprechpartnerin für Paten ist Petra Weymans im Kulturbüro der Stadt Bergisch Gladbach, Telefon: 02202 – 14 25 54, P.Weymans@stadt-gl.de

Weitere Informationen und Bilder finden Sie auf der Internetseite der Stadt Bergisch Gladbach

Noch mehr Hintergrund:

Die „Kulturstrolche“ sind ein Modellprojekt des Dezernates der Stadt Münster für Schule, Kultur und Sport. Die „Kulturstrolche“ wurden 2007 als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ und beim Wettbewerb der Kulturstiftung der Länder „Kinder zum Olymp“ ausgezeichnet. Mit Beginn des Schuljahres 2008/09 übernahm das Kultursekretariat NRW Gütersloh die Projektidee. Seit dem Schuljahr 2014/2015 sind insgesamt 873 Klassen aus 61 Städten und Städte-verbünden als Kulturstrolche unterwegs.

Was ist ein „Kulturstrolch“? Das zuständige Kultursekretariat NRW definiert den Kulturstrolch wie folgt: „Kulturstrolch zu sein, schafft Identität. Kinder, die ‚Kulturstrolche‘ sind, identifizieren sich mit ihrer Rolle und lernen nachhaltig, dass Kultur keine ferne Sache für Erwachsene ist. Ein Kulturstrolch soll neugierig und fragend Neues entdecken. Ein ‚Kulturstrolch‘ erfährt, was Kultur sein kann und was Menschen tun, die einen ‚Kulturberuf‘ haben. Ein ‚Kulturstrolch‘ ist nie nur Zuschauer. Wer Kultur früh kennen lernt, selbstverständlich Museen, Archive und Konzerte besucht, schärft die eigene Wahrnehmung für Untertöne, Harmonien und Dissonanzen, für Strukturen und Details, erlebt, dass jenseits von ‚falsch oder richtig‘ meist viele Perspektiven und Deutungen möglich sind, und sucht seinen eigenen Ausdruck.“

Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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