Harald Flügge soll Technischer Beigeordneter in Bergisch Gladbach werden

Auf der Suche nach einem Nachfolger für Stephan Schmickler ist die CDU im kleinen Heiligenhaus fündig geworden und hat den dortigen Technischen Beigeordneten Harald Flügge überzeugt, in der gleichen Position nach Bergisch Gladbach zu wechseln. Der 51-Jährige ist ausgewiesener Stadtplaner und hat viele Themen bereits bearbeitet, die auch hier anstehen und zum Teil hoch umstritten sind. Zum Beispiel die Entwicklung neuer Wohn- und Gewerbeflächen oder die Zukunft des Zanders-Gelände.

Die CDU-Fraktion hat Flügge einstimmig zum Kandidaten für das Amt bestimmt, der Rat soll am 3. Juli abstimmen. An einer Mehrheit im Rat besteht kein Zweifel, da auch die SPD-Fraktion den Mann aus Heiligenhaus für den Bestqualifizierten hält, bestätigte Fraktionschef Klaus Waldschmidt.

Damit könne Flügge die Nachfolge von Stephan Schmickler, der heute seinen letzten offiziellen Arbeitstag hat, bereits am 1. August sein neues Amt antreten. Das habe er mit dem Bürgermeister von Heiligenhaus bereits geklärt, sagte Bürgermeister Lutz Urbach.

Breites Aufgabenfeld kann noch breiter werden

Als Technischer Beigeordneter ist Flügge für die Bereiche Stadtentwicklung, Grundstücksnutzung sowie Umwelt und Technik zuständig. Allerdings ist sein zukünftiger Aufgabenbereich noch nicht ganz klar – er können durchaus auch Aufgaben im Bereich der Stadtentwicklungsgesellschaft (Immobilien) und einer künftigen städtischen Wohnungsbaugesellschaft spielen, erläuterte Bürgermeister Lutz Urbach.

Diese Themen seien aber noch nicht entschieden, in Sachen Wohnungsbaugesellschaft soll sich die Lage aber bis zur Sommerpause klären. Die Führungsposition des SEB ist vakant, seit Bernd Martmann zum Ko-Dezernenten aufgestiegen ist.

„Eine Stadt muss nach innen wachsen, nicht nach außen”

Flügge bringt für diese Aufgaben eine Menge einschlägiger Erfahrung mit. Vor allem aber hat er bereits Themen bearbeitet, die für Bergisch Gladbach in den nächsten Jahren anstehen. Vom Flächennutzungsplan mit der Bereitstellung von Flächen für Wohnen und Gewerbe über den Standort Zanders bis hin zu einer Neupositionierung der gesamten Stadt.

Dabei bezieht der neue Mann eindeutig Stellung: „Eine Stadt muss im Innenraum wachsen, jede Expansion nach außen muss man kritisch hinterfragen.” In Heiligenhaus, einer Stadt mit 26.000 Einwohnern im Umland im Einzugsbereich von Essen und Düsseldorf habe er mit seinem Team dafür gesorgt, dass aus einer „Durchfahrtsstadt” ein Ort „mit Aufenthaltsqualität” geworden ist. Das Stadtmarketing, für das Flügge ebenfalls zuständig war, wirbt für den Ort als  „Stadt im Grünen” bzw. als „Werkstatt im Grünen”.

Der Lebenslauf im Detail
Harald Flügge wurde 1964 im Sauerland geboren und hat zwei Töchter im Alter von 11 und 13 Jahren. Die Familie wohnt in Heiligenhaus, stellt sich aber auf einen Umzug nach Bergisch Gladbach ein. Seine beruflichen Stationen: Seit Mai 2001 Technischer Beigeordneter der Stadt Heiligenhaus (Kreis Mettmann) Seit Juni 2005 zusätzlich Geschäftsführer der Stadt- und Bodenentwicklungsgesellschaft Heiligenhaus GmbH Berufsbegleitend 2008-2010 Studium Real Estate Management, EBZ Bochum 1996-2001 Leiter Amt für Stadtplanung, Umwelt- und Bauberatung, Hennef 1993-1995 Städtebaureferendariat, Ausbildungskommune Bochum 1987-1993 Studium der Raum- und Umweltplanung, Universität Kaiserslautern

Sein erster Eindruck von Bergisch Gladbach, das er nur von einigen beruflichen Stippvisiten kannte, sei gemischt: „Hier liegt vieles nahe beieinander, Gräßlichkeiten wie einige Verkehrsflächen neben Nettigkeiten wie den Marktplatz oder der Strundepark.”

„Innenentwicklung bleibt der rote Faden meiner Laufbahn”

In Heiligenhaus habe er eine Industriebrache neben dem Stadtzentrum, das Gelände des Automobilzuliefers Kiekert, in eine Fläche für Wohnungsbau und eine Hochschule umgewandelt, berichtet Flügge.

Hintergrund: Hochschulstandort Kiekert
Das Betriebsgelände der Firma Kiekert in Heiligenhaus war Kernstandort eines ursprünglich mittelständischen Autozulieferunternehmens. Die Firma war mit 1.500 Arbeitsplätzen zu groß für den Standort in der Innenstadt geworden. Auf dem ehemaligen Industriegelände wurde in unmittelbarer Nähe zum Innenstadtkern mit Rathaus und Hauptgeschäftsstraße ein neuer Hochschulcampus der Fachhochschule Velbert-Heiligenhaus entwickelt, eingebettet in einen neuen Stadtteil mit Einzelhandelsflächen und hochwertigen Wohnungen. NRW.URBAN revitalisierte die Industriebrache im Rahmen ihrer Treuhänderschaft für den Grundstücksfonds NRW. Rund 500 Studenten sollen 2017 dort ihr Studium beginnen.

Ein Vergleich zu Zanders liegt nahe, dazu äußerte sich der neue Mann aber nur sehr zurückhaltend. Diese Frage müsse man gemeinsam mit dem Eigentümer Schritt für Schritt angehen und strategisch entwickeln. Die Innenentwicklung, so Flügge, sei der rote Faden seiner beruflichen Laufbahn und werde es auch in Zukunft bleiben.

Zufrieden mit dem Kandidaten: Klaus Waldschmidt (SPD), Elke Lehnert (CDU), Harald Flügge (CDU), Lutz Urbach (CDU), Michael Metten (CDU)

Verantwortung für Flächennutzungsplan liegt beim neuen Mann

Urbach, aber auch CDU-Vizefraktionschef Michael Metten und SPD-Mann Waldschmidt stellen klar, dass Flügge auch beim Thema Flächennutzungsplan die komplette Verantwortung trägt. Sein Vorgänger Stephan Schmickler werde die Aufstellung des F-Plans zwar als externer Berater begleiten, die Vorlagen für den Stadtrat schreibe aber der neue Mann. „Ein Punkt, der unserer Fraktion sehr wichtig war”, sagte Waldschmidt.

Hintergrund Stephan Schmickler
Stephan Schmickler war der Entscheidung im Stadtrat über eine dritte Amtszeit als Baurat und technischer Beigeordneter ausgewichen uns geht am heutigen Tag in den Ruhestand. Er arbeitet aber als externer Berater für die Stadt weiter – und betreut das Thema Flächennutzungsplan weiter.

Flügge hat in den vergangenen 15 Jahren als Technischer Beigeordneter in Heiligenhaus im Kreis Mettmann gearbeitet. Seit elf Jahren ist er dort zusätzlich Geschäftsführer der stadteigenen Stadtentwicklungsgesellschaft.

Er hatte Raum- und Umweltplanung an der Universität Kaiserslautern studiert, bei der Stadt Bochum sein Städtebaureferendariat absolviert und war anschließend Leiter des Stadtplanungsamtes in Hennef. Flügge, der ebenfalls Mitglied der CDU ist, verließ Hennef im gleichen Jahr, als dort Lutz Urbach als Beigeordneter  und Kämmerer (2001 bis 2009) anfing.

Bis zur Rente Bergisch Gladbach? Warum nicht?

In Heiligenhaus wurde Flügge bereits einmal als Beigeordneter wiedergewählt, einer dritten Amtszeit hätte wohl nichts entgegen gestanden.  Er machte deutlich, dass aus seiner Sicht nichts dagegen spricht, nach einer ersten Amtszeit von acht Jahren für eine Wiederwahl in Bergisch Gladbach zur Verfügung zu stehen.

Berufsbegleitend hat der Kandidat zudem ein Studium der Immobilienwirtschaft an der EBZ Business School in Bochum abgeschlossen. Auch das eine Kompetenz, die von der CDU und SPD in Bergisch Gladbach hoch geschätzt wird.  „Mit Herrn Flügge gewinnen wir einen hervorragenden neuen Technischen Beigeordneten, der genau die Erfahrung und Kenntnisse mitbringt, die wir uns wünschen, um Bergisch Gladbach weiter voranzubringen. Mit seinen Qualifikationen eröffnen sich für die Stadt und Ihre Töchter (SEB und geplante Wohnungsbaugesellschaft) neue strategische Möglichkeiten,“ sagte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Metten

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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