Aude St-Pierre n der Refrather Franz Liszt Akademie Foto: Foto: Rudi Broichhaus

Wenn das Publikum nach dem 1. Satz von Beethovens „Waldsteinsonate“ klatscht, dann sitzen die Zuhörer entweder zum ersten Mal in einem Konzertsaal, oder aber sie sind so begeistert, dass sie einfach applaudieren müssen. Da das Konzert der jungen Pianistin Aude St-Pierre am letzten Samstag in der renommierten Refrather Franz Liszt Akademie stattfand, kann man ein unerfahrenes Publikum getrost ausschließen.

Die spontane Begeisterung über die 27-jährige Kanadierin, die in diesen Tagen in Köln an der Hochschule für Musik und Tanz ihr Masterstudium abschließt, sollte im Verlauf des Abends einer starken Bewunderung weichen. Aber der Reihe nach.

Keine Wiederholung gleich gespielt

Bereits der Blick ins Programmheft ließ die Kenner klassischer Musik aufhorchen. Während St-Pierre im ersten Teil des Abends mit Schuberts Klavierstück in Es-Dur und der besagten Sonate von Beethoven gängiges, aber auch sehr anspruchsvolles Klavierrepertoire darbot, sollten die etwa 50 Zuhörer später in den Genuss wahrer Raritäten der Klaviermusik kommen. Tonmalerischen Werken von Debussy, Granados und de Falla durfte das Publikum lauschen.

Ganz in der Tradition ihrer amerikanischen Lehrerin Nina Tichmann, niemals eine Wiederholung gleich zu spielen, interpretiert St-Pierre Schubert mit so faszinierenden Farbwechseln, dass es nicht einen einzigen Moment langweilig wird ihr dabei zuzuhören. Mit viel Empathie, aber an den ruhigen Stellen auch mit einer stoischer Ruhe und Gelassenheit, meistert sie eines der anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur scheinbar mühelos.

Interpretationen bieten bei Bekanntem immer wieder Neues

Etwas überraschend dann das furiose Anfangstempo im 1. Satz der C-Dur-Sonate von Ludwig van Beethoven. Wer weiß, wie technisch schwierig das „Allegro von brio“ im Mittelteil ist, dem konnte angst und bange werden. Nicht so der Pianistin, die mit höchster Konzentration und Präzision, gleich einer Nähmaschine, das bekannte Motiv in C-Dur im wahrsten Sinne des Wortes zum Besten gab.

Beeindruckend auch hier wieder, wie vielseitig ihre Interpretation und variabel ihr Spiel ist. Als Zuhörer hat man ständig das Gefühl Neues zu hören. Etwas auszuprobieren und zu verändern, das scheint ein wichtiger Aspekt für Aude St-Pierre zu sein. Nicht nur in der Musik. Das lässt auch ihr Werdegang vermuten.

Viel gereist, vielfach ausgezeichnet

Geboren in Montreal, erhielt sie ihren ersten Klavierunterricht im Alter von drei Jahren. Mit gerade einmal 13 Jahren gab sie ihr Orchesterdebüt. Es folgten verschiedene Studiengänge im Fach Klavier, die sie allesamt mit Bestnoten abschließen konnte. St-Pierre beschäftigt sich neben ihrem Solospiel aber auch mit historischen Tasteninstrumenten und der Instrumentalpädagogik.

Ihre Liebe zur Musik hat Aude St-Pierre es zu verdanken, dass sie von der Welt schon viel gesehen hat. Künstlerische Impulse erhielt die Pianistin auf Meisterkursen und Sommerakademien in Kanada, den USA, Frankreich, Deutschland, Polen und der Schweiz durch Pianisten wie Menahem Pressler, Jerome Rose und Arnaldo Cohen.

Die internationale Franz Liszt Akademie Refrath wurde von Pianist Bum-Suk Kim gegründet und bietet immer wieder hochkarätige Konzert. Sie finden sie in der Wilhelm-Klein Str. 18 in Refrath. Hier werden die aktuellen Veranstaltungen aufgeführt. 

Aude St-Pierre ist Preisträgerin vieler nationaler und internationaler Kammermusik- und Klavierwettbewerbe. So bekam sie beim Canadian Music Competition die Höchstpunktzahl in allen Kategorien und erreichte einen hervorragenden zweiten Platz im Finale. Als Solistin konzertierte sie schon in der Carnegie Hall in New York.
Ihre Zuhörer aber nahm sie an diesem Abend mit auf eine musikalische Reise durch das 20. Jahrhundert.

Werke von Debussy laden zum Kopfkino ein

Den Auftakt nach der Pause machte Claude Debussy. Seine 3 Estampes beziehen sich auf japanische Holzschnitte, von denen er sich inspirieren ließ. Mit „Pagoden“, „ein Abend in Granada“ und „Gärten im Regen“ überschrieb der französische Komponist die drei Sätze. So vielversprechend wie die Bezeichnungen, so farbenfroh der Vortrag.

Ob nun Regenfälle und Sturm in Paris, arabische Nomaden in Andalusien oder turmartige Tempelbauten einer orientalischen Siedlung, dem „Kopfkino“ konnte man sich nur schwer entziehen.

Zum Schluss des Klavierabends standen Werke von zwei spanischen Komponisten auf dem Programm, die die sympathische Künstlerin noch Mal so richtig forderte. Mit Goyescas von Enrique Granados und der Fantasia Beatica von Manuel de Fall konnte Aude St-Pierre erneut unter Beweis stellen, wie vielseitig und technisch vollkommen ihr Klavierspiel bereits in jungen Jahren ist.

Auch wenn Aude St-Pierre längst weltweit konzertiert, so bleibt doch zu hoffen, dass sie noch viele Konzerte in der Region geben wird.

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Weitere Veranstaltungen der Franz Liszt-Akademie:

  • 29. Oktober, 18 Uhr: Kammermusikabend mit dem Mori Trio; Werner von Schnitzler (Violine), Aiki Mori(Cello), Asa Mori (Klavier) spielen erke von: M. Ravel, L. v. Beethoven u.a. , Eintritt 15 Euro
  • 19. November, 18 Uhr: Klavierabend; Nika Afazel spielt Werke von J. Agrell, W. Stenhammar, E. Grieg u.a., Eintritt: 15 Euro
  • 10. Dezember, 18 Uhr: Klavierabend; Vitali Zhalnerovich spielt Werke von L. v. Beethoven, A. Skrjabin, F. Liszt. Eintritt 15 Euro

Kartenvorbestellung: 02204 481 065 oder 02204 653 36

Zbick

PR-Berater (Deutsche Akademie für Public Relations)

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