Kornelia Eng-Huniar übernimmt die Leitung des THEAS Theater und Theaterschule von Claudia Timpner. Fotos: Philipp J. Bösel

In der Corona-Zeit war Claudia Timpner Intendantin THEAS in der Jakobstraße geworden und hatte es mit vielen Ideen durch die harte Zeit geführt. Gut vier Jahre später nimmt das kleine Theater mit Schauspielschule einen großen Platz in der Kultur der Stadt ein – und Timpner reicht die Leitung an Kornelia Eng-Huniar weiter. Die ist zwar schon sehr lange im Haus, bringt aber neue Projekte mit.

Claudia Timpner hat viele Berufe, im THEAS hat sie in den vergangenen Jahren (mindestens) drei ausgeübt, als Schauspielerin, Dozentin und Intendantin. Die dritte Aufgabe gibt sie zum Start der neuen Spielzeit am 1. August ab, um wieder mehr Zeit für eigene kreative Arbeit zu haben, berichtete sie jetzt in einem Pressegespräch. Mit ihren Bühnen-Talenten bleibe sie dem Theater aber erhalten.

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Ihre Nachfolgerin Kornelia Eng-Huniar ist für die Aufgabe ähnlich breit aufgestellt. Die Opern-Sopranistin singt und spielt seit ihrer Kinderzeit auf der Bühne, ist seit 15 Jahren Mitglied des THEAS-Ensembles und hat Timpner in den vergangenen gut drei Jahren in der Verwaltung unterstützt. Nun setzt sie sich den Hut der Leitung auf – und sei zuversichtlich, die Doppelrolle gut zu meistern, sagte Eng-Huniar. Denn auch sie wolle natürlich weiterhin auf der Bühne stehen.

Zur Person: Kornelia Eng-Huniar …
Kornelia Eng-Huniar

ist in der Schweiz aufgewachsen und hat an der Hochschule für Musik Karlsruhe studiert und war langjähriges Ensemblemitglied als Solistin am Badischen Staatstheater Karlsruhe.

Ihr Lebenslauf führt Konzertreisen, Gast- und Festspiele in ganz Europa auf, u.a. am Opernhaus Zürich, Festspielhaus Baden-Baden und der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf.

Seit dem Umzug in die Kölner Region arbeitet sie freischaffend und ist bereits seit 2011 Teil des THEAS Ensembles.

Ihr Leitspruch für die kommende Zeit sei „erhalten, ausbauen und ergänzen“, so die neue Intendantin. Ähnlich war Timpner vorgegangen, als sie das Theater 2022 vom Gründungsintendanten David Heitmann übernommen und mit viel Elan voran gebracht hatte.

Nun hinterlasse sie ein ausgezeichnet bestelltes Feld, lobt Christoph Overbeck, der Vorsitzende des THEAS-Fördervereins. Timpner habe es geschafft, dass das Theater in allen Bereichen deutlich gewachsen und inzwischen in der Stadt als Kulturbetrieb deutlich sichtbar geworden ist.

Kornelia Eng-Huniar, Christoph Overbeck und Claudia Timpner. Foto: Philipp J. Bösel

Gut 3500 Zuschauer:innen besuchen das Theater „hinter dem Bahnhof“ pro Jahr in 60 bis 70 Vorstellungen, berichtet Overbeck. Hinzu kommen rund 300 Personen aus allen Altersgruppen, die an den 20 Kursen der Theaterschule teilnehmen.

Nach den wackligen Anfangsjahren habe sich die finanzielle Situation stabilisiert. Es bleibe aber „ein enormer Kampf“, am Ende des Jahres eine schwarze Null zu erreichen. Rund ein Drittel der Einnahmen – neben den Ticketverkäufen, Vermietungen und Mitgliedsbeiträgen – kamen bislang von Sponsoren und aus Förderungen, doch würden die Mittel dafür überall gekürzt.

Dennoch halte das THEAS an seinem gesellschaftlichen Anspruch fest, baue die Angebote für Kinder und Jugendliche aus und erprobe neue Wege der Inklusion.

Theater (auch) für Blinde

Das zeigt sich auch bei dem Stück, mit dem das THEAS unter der Leitung von Eng-Huniar nach der Sommerpause neu startet: Die Wiederaufnahme des Stücks „Bitte (nicht!) einsteigen“ zeigt das eigene Ensemble in einer Fassung, die auch Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung ein echtes Theater-Erlebnis ermöglicht.

Dafür gibt es eine sogenannte Audiodeskription: Ein Sprecher beschreibt in Dialogpausen sehr genau die Handlung, aber auch Mimik, Gestik, Kostüme und Bühnenbilder. Per Kopfhörer können die Menschen mit einer Sehbehinderung der Aufführung folgen. Anderes als sonst üblich soll der „Übersetzer“ bei dieser Inszenierung im THEAS nicht unsichtbar bleiben, sondern mit auf der Bühne stehen und ins Stück integriert werden.

Zur Sache: Finanzierung gesucht

Drei- bis viermal im Jahr will das THEAS in Kooperation mit dem Blindenverein bei seinen Stücken eine Audiodeskription anbieten, die ersten Probeläufe gab es bereits. Für den dauerhaften Betrieb muss jedoch einiges an Technik angeschafft werden, damit bis zu 20 Besucher:innen mit den entsprechenden Kopfhörern ausgestattet werden können. Dafür sucht der Förderverein noch Sponsoren. Kontakt: vorstand@theas.de.

Auch die anderen Zuschauer:innen können der Übertragung folgen. „Wer dann mal die Augen zumacht kann sich in die Lage der Menschen hinein versetzen, die nicht sehen können,“ schlägt Overbeck vor.

Schief gehen kann dabei eigentlich nichts – denn es stehen zwei bewährte Kräfte auf der Bühne: Claudia Timpner und Cornelia Eng-Huniar spielen als Mitglieder des THEAS-Ensemble mit.

Ein paar Fotos aus dem Archiv. Foto: Philipp J. Bösel, Thomas Merkenich

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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