Bei grauem Wetter haben sechs Politiker und sachkundige Bürger der FDP das Nußbaumer Feld abgeschritten. Die Bürgerinitiative hatte ins Freie geladen. So konnten sich die Fraktionsmitglieder ein Bild machen, warum sie eine Bebauung der Freifläche nicht befürworten sollen.

Die Zuwegung rund ums Feld ist so eng, dass keine Straße eine Erschließung ermöglicht. Die FDP gab der Initiative auch Recht, dass zusätzlicher Verkehr in Nußbaum zum Infarkt führen würde. Nußbaum leidet schon jetzt darunter, dass tausende PKWs täglich den kleinen Stadtteil durchqueren, um nach Paffrath oder Schildgen zu gelangen.

Somit hätte eine zusätzliche Bebauung hier massive negative Auswirkungen auch auf alle Stadtgebiete bis zu den jeweiligen Autobahn-Anschlüssen in Köln und Leverkusen. Die selbst gesetzten Grenzwerte der Stadt sind heute bereits im Grenzbereich, nachts werden sie sogar deutlich überschritten.

Nußbaumer leiden unter Durchgangsverkehr – Grenzwerte überschritten

Bei den anderen Schutzgründen zeigte sich, dass innerhalb der FDP-Fraktion unterschiedliche Auffassungen vorherrschen. Traditionell orientiert sich die FDP häufig eher an ökonomischen als an ökologischen Themen. Trotzdem verwiesen die Anwohner auf die städteplanerische Aufgabe der Bezirksregierung, die Nußbaumer Wiese als Kaltluftschneise für das Kölner Stadtgebiet freizuhalten.

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Zwei Wochen zuvor hatten die Nußbaumer die FDP-Fraktion besucht und wussten dort zahlreiche Argumente vorzutragen. Der Austausch war lebhaft und kritisch, was sich für beide Seiten zur konstruktiven Auseinandersetzung entwickelte. Letztlich blieben die Nußbaumer im Ungewissen, ob die FDP den aufgezeigten Nutzen der Wiese für die Freizeit, die Landwirtschaft, den Natur – und Klimaschutz hinreichend gewichten wird.

Der Bürgerinitiative ist vor allem unklar, warum die Stadtverwaltung sich nicht an die Empfehlungen der Regierungspräsidentin hält. Die Bezirksregierung Köln hatte im Oktober 2015 Zuwanderungs- und Wachstumsprognosen erstellt, die einen Flächenbedarf, wie im FNP-Entwurf angenommen, nicht erkennen lässt. Siehe in diesem Bericht ab Seite 50 (pdf).

Der 1. FNP-Vorentwurf übersteigt die geforderte Anzahl an geplanten Bauplätzen um ein Vielfaches. Ebenfalls werden derzeit die bereits zusätzlich gefundenen Lösungen im Innenstadt-Bereich nicht ausreichend gewichtet. Alleine hierdurch müsste es möglich sein, den Wünschen der Bergisch Gladbacher Bürger nach Naherholung und Freizeitgestaltung auf der Wiese nun Rechnung zu tragen. Insbesondere da die Flächen ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete sind.

Für das Engagement und das offene Ohr möchten sich die Bürgerinitiative bei den Teilnehmern der Fraktion FDP unter der Leitung von Herrn Krell sowie der FDP Landtagskandidatin Frau Rick-Blunck bedanken. Die Bürger hoffen weiter auf einen vernünftigen Umgang mit den immer weniger werdenden Ressourcen im Stadtgebiet.

Nähere Informationen zum Thema finden sie hier:
E-Mail: Bi-Nussbaum@gmx.de
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Petition 

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3 Kommentare

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  1. Es ist zu begrüßen und es ist gut, sich vor Ort ein Bild zu machen, auch in jedem Einzelfall, allerdings geht es hier eher um etwas Prinzipielles und das kommt bei der Betrachtung des Einzelfalles dann zu kurz, die Nußbaumer werden es mir nachsehen. Der Einzelfall lenkt ab und führt auch im Ergebnis dazu, dass vielleicht partielle Interessen betroffen sind die im Zweifel dem Gemeinwohl unterzuordnen sind. Man verliert sich also im Detail, bevor man das „big picture“ gesehen hat, so kommt mir hier die FDP vor. Der FNP-E kann ja auch für die FDP nichts überraschendes sein, überraschend ist nur die Reaktion der Bürger. Es geht also mehr um etwas Grundsätzliches mit einer derzeitigen Zweidrittelmehrheit im Rat. Das gilt dem Vorgehen und dem Inhalt.
    Fast deckungsgleich zur BI Nußbaum gilt in allen BI-Einzelfällen, dass die bislang schon örtlich katastrophalen Verkehrsverhältnisse und das maßlose Ausweisen von Flächen, egal ob für Wohnbebauung oder Gewerbe, nicht zusammen passen. Auch gilt, dass die maßlose Ausweisung von Flächen im FNP-E von den Bürgern so nicht gewollt ist. Die Auswertung der Bürgereingaben lässt auf sich warten, da bin ich sehr auf die detaillierten Ergebnisse gespannt und wie diese behandelt werden.
    Was also als Handlungsanleitung für die FNP-Schreiber fehlt ist ganz offensichtlich ein Leitbild für Bergisch Gladbach. In welcher Stadt und wie wollen die Bürger hier leben, arbeiten und wohnen. Offensichtlich fehlt den Arbeiten zum FNP also eine wesentliche Grundlage.
    Die von den Bürgerbeteiligungen scheinbar völlig unbeeindruckten Protagonisten dieses Vorgehens zu einem neuen FNP und zum vorliegenden FNP-E als Möglichkeitsmacher, die sollten zur Kenntnis nehmen, ein moderates Wachstum setzt keinen Möglichkeitsmacher im 3XL- Format voraus. Erst Recht jetzt nicht, nachdem Bewegung bei vielen Flächen in Bergisch Gladbach eingetreten ist, die bislang als nicht verfügbare Flächen galten. Es gibt also die Handlungsnot für den FNP-E derzeit nicht mehr und es gibt auch genug zu tun.

    Das Vorgehen ohne Leitbild wirkt eher so, als ob es um die Rettung von Pfründen der Vergangenheit in die Zukunft ginge, bevor sich die nicht mehr ganz neue Einsicht und das neue Handeln durchsetzen, möglichst hohe Hürden vor neuem Flächenverbrauch zu haben und Verdichtung und bessere Ausnutzung der vorhandenen Flächen die absolute Priorität einzuräumen, die Ressource Fläche also zu schonen, z.B. im Sinne des Gemeinwohls. Wahrscheinlich bedarf es leider zunächst der Abstimmung bei den nächsten Wahlen.

  2. “verständnisvolles Zuhören”, das hört sich in diesem Zusammenhang nicht gerade danach an, dass die FDP die Bürger in diesem Fall wirklich ernst nimmt. Was Wohnflächen und Gewerbe angeht, so geht es hier um das gesunde Maß der Dinge, das wird auch die FDP hoffentlich bald verstehen und danach im Blick haben!

    Gabriele Kribus

  3. Schön, dass Ihnen unser Besuch ein Bericht wert war! – Es war und ist uns wichtig, uns ein umfassendes Bild von allen Fakten rund um den FNP zu machen – nicht nur, was die “Papierform” = Steckbriefe anbelangt, sondern auch durch persönliche Treffen und jeweils einen anschaulichen Eindruck vor Ort. Das haben wir auch bei vielen anderen Bürgerinitiativen so gehalten – einige weitere Zusammenkünfte haben wir noch vor uns. Eine endgültige Bewertung und unsere Prioritäten möchten wir jedoch erst am Ende unserer sorgfältigen Prüfung formulieren, das haben wir bei allen Treffen betont. Auch aus unserer Sicht sind alle Gespräche bisher durchaus konstruktiv verlaufen – wir haben uns dabei jedoch nicht nur auf das verständnisvolle Zuhören beschränkt, sondern umgekehrt auch dafür geworben, dass eine Stadt in einer Metropole-Region ohne zusätzliche Wohnflächen nicht auskommt und dass auch das Gewerbe seinen Platz haben muss.