Hanseatischer Habitus, kariertes Jacket: Jürgen Mumdey zieht sich vom Amt des Stadtkämmerers zurück

Karges Ambiente, kariertes Jacket: Jürgen Mumdey zieht sich vom Amt des Stadtkämmerers zurück

Wenn es sein muss, dann setzt sich Jürgen Mumdey auch gegen Bürgermeister Lutz Urbach durch. Als  der Baum vor seinem Bürofenster auf dem Konrad-Adenauer-Platz gefällt werden sollte drohte Mumdey, sich dort anzuketten. Nicht, weil der Mann mit dem hanseatischen Habitus ein radikaler Baumfreund ist. Sondern Pragmatiker: Der Baum kühlt im Sommer das Büro – und schafft etwas Distanz zwischen dem Dienstgebäude des Kämmerers und dem Rathaus gegenüber. 

Elf Jahre hat Mumdey, der SPD-Mitglied ist und aus seiner Kritik an manchen Positionen des CDU-Bürgermeisters nie einen Hehl gemacht hat, als Kämmerer die Finanzen der Stadt Bergisch Gladbach geführt. Die Amtszeit des auf acht Jahren gewählten Beamten dauert noch bis 2022. Doch schon bei der  einstimmigen Wiederwahl 2014 war klar, dass er dies zweite Periode nicht bis zum Ende führen wird. 

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das Zepter in andere Hände zu geben.”

„Das Zepter in andere Hände geben”

Jetzt sei „die Zeit gekommen, das Zepter in andere Hände zu geben”, sagte Mumdey in einem Gespräch mit den lokalen Medien am Mittwoch. Der 62-Jährige führt detailliert gesundheitliche Gründe an, die in der Summe dafür verantwortlich seien, dass er sein Amt nicht mehr so aufführen könne, wie es sein eigener Anspruch verlange.

Daher bittet Mumdey den Stadtrat um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrags. Dafür ist eine Zweidrittel-Mehrheit im Stadtrat notwendig, die ohne Zweifel zustande kommt. Die  Chefs der großen Fraktionen CDU und SPD sagten dem Bürgerportal bereits, dass sie diesen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen akzeptieren. 

SPD hat das Vorschlagsrecht für den Nachfolger

Mumdey würde seinen Vertrag gerne zum 31. August auflösen; dann seien die inhaltlichen Arbeiten am kommenden Etat 2018 abgeschlossen – und sein Nachfolger bekomme genügend Zeit, sich auf die Präsentation dieses Zahlenwerks in den Fraktionen und im Stadtrat vorzubereiten. 

Das Vorschlagsrecht für das Amt des Stadtkämmerers haben einer Absprache von CDU und SPD innerhalb der Großen Kooperation der beiden Parteien zufolge weiterhin die Sozialdemokraten; das bestätigt auch CDU-Fraktionschef Michael Metten. Wenn es soweit ist, werde man die Stelle ausschreiben, sagt sein SPD-Kollege Klaus Waldschmidt.

Projekt Kulturstrolche in Bergisch Gladbach

2014 wasr Mumdey nebenbei auch Fachbereichsleiter Kultur – und für das Projekt Kulturstrolche zuständig

Wer muss dran glauben? NCG, Villa Zanders oder OGS?

Mumdey präsentiert sich stets als Mann der klaren Entscheidungen, sein Vorbild ist dabei Helmut Schmidt. So habe er kurz nach dem Amtsantritt von Lutz Urbach, als kurzfristig eine Million Euro eingespart werden musste, drei Optionen vorgelegt: Ein Schulzentrum schließen, oder die Villa Zanders schließen oder die freiwilligen Leistungen zur Offenen Ganztagsschulen einstellen. 

So hart ist es dann nicht gekommen, es fanden sich noch Reserven. Das NCG residiert immer noch an der Reuterstraße und wird saniert, die Villa Zanders feiert ihren 25. Geburtstag und die OGS arbeitet weiter.

Das gehört zu den Konstanten der elfjährigen Arbeit von Mumdey in Bergisch Gladbach: am Ende hat sich immer eine Lösung gefunden. Auf die Frage, was denn der härteste Einschnitt gewesen ist findet Mumdey daher gar keine Antwort. Keine einzige Maßnahme habe „die Betroffenen im Mark getroffen” – und das sei auch gut so. 

Beate Schlich, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, verteidigt den hohen Betreuungsstandard

Jürgen Mumdey gemeinsam mit Beate Schlich, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, bei einem der vielen Gespräche zum Thema Flüchtlingsunterbringung

Mulmig sei es ihm nur in der Flüchtlingskrise geworden; Ende 2015 habe er kaum noch einen Weg gesehen, an einer Steuererhöhung vorbei zu kommen, berichtet Mumdey. Doch dann seien die Gewerbesteuern plötzlich auf Rekordhöhe gesprungen, der Zustrom versiegte – und der Haushalt kam mit ein paar Nachbesserungen davon.

Zur Person: Jürgen Mumdey
Der heute 62-jährige Spitzenbeamte führt das Finanzressort der Stadt Bergisch Gladbach seit dem 1. September 2006. Mumdey war nach Stationen beim Landschaftsverband Rheinland, als Rechtsamtsleiter in Hürth sowie als Sozialdezernent in der Ruhrgebietsstadt Datteln 1995 zum Oberkreisdirektor der Wesermarsch gewählt worden, wo er sich als Finanzsanierer bewährte.

Er wurde im rheinischen Meckenheim geboren und wuchs in Bonn auf. Nach Studium der Rechtswissenschaften in Bonn und Köln arbeitete er zunächst in einer Siegburger Anwaltskanzlei, bevor er in die öffentliche Verwaltung wechselte. Bei der Stadt Bergisch Gladbach war Mumdey für die Ressorts Allgemeine Finanzen, Recht/Sicherheit/Ordnung, Bildung/Kultur/Schule/Sport und Jugend/Soziales zuständig. 

In Niedersachen wohnt er auch heute noch – und pendelt für die Arbeitswoche mit der Bahn nach Bergisch Gladbach. Aufgewachsen ist Mumdey in Bonn, doch zieht es ihn nach der Pensionierung wahrscheinlich nach Niedersachen. Ganz typisch aus finanziellen Gründen: wenn er sein großes Haus dort verkaufen würde bekäme er dafür im Rheinland noch nicht einmal eine Eigentumswohnung. 

Auf Nachfrage räumt Mumdey auch ein, dass eine echte, harte Konsolidierung des Bergisch Gladbacher Haushaltes in seiner Amtszeit nie stattgefunden habe. Ende 2015, bei der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2016/2017 wäre er selbst lieber hart ran gegangen und hätte das bis 2021 laufende Haushaltssicherungskonzept gerne auf sicherer Füße gestellt – „aber das war mit der Politik nicht zu machen.” 

Jürgen Mumdey: „Kein ausreichendes Feedback”

Allerdings, das betont Mumdey, der in einigen Kreis- und Stadtverwaltungen gearbeitet hat, sei das Arbeitsklima zwischen ihm und dem Stadtrat immer sehr gut gewesen. Inhaltlich stimme man nicht immer überein, aber in großen Fragen wie dem Kauf der Zandersgrundstücke oder dem Belkaw-Einstieg habe man immer eng zusammen gearbeitet und zum Schluss an einem Strang gezogen

Jürgen Mumdey bei der Vorstellung des Etats im Bensberger Ratsaal

Lieber härter ran gegangen: Mumdey bei der Vorstellung des Etats 2016/2017

Zur Not bleibt immer noch der Ausweg Steuererhöhung

Das Haushaltssicherungskonzept, das einen Ausgleich bis 2021 vorsieht, hält Mumdey trotz der eher soften Sparpolitik nicht für eine Luftnummer. Bergisch Gladbach sei im Vergleich mit anderen Nothaushalt-Kommunen immer noch relativ gut aufgestellt. Sollte das Einsparpotenzial einmal nicht mehr reichen, blieben immer noch Steuererhöhungen – denn die Hebesätze seien hier im Vergleich zu anderen Städten relativ moderat. 

Daher werde es der Stadt auch gelingen, die aktuellen Großprojekte wie das Stadthaus oder die Verwertung der Zanders-Grundstücke auch stemmen können, da sie sich wirtschaftlich rechnen. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: dass die Zinsen so niedrig bleiben wie aktuell bzw. das die Verträge entsprechend vorausschauend abgeschlossen werden. Aktuell bezahlt Mumdey für Kassenkredit nichts, sondern bekommt noch von den Banken einen Negativzins von 0,1 Prozent ausgezahlt. 

Ein Bankräuber der besonderen Art: Kämmerer Jürgen Mumdey verdient für die Stadt Geld, wenn er Schulden macht. Die Deutsche Bank macht dabei allerdings nicht mit. Foto: Screenshot PlusMinus

Ein Bankräuber der besonderen Art: Mumdey in einer Filmszene, in der er erklärt, wie man für Kredite kein Geld bezahlt – sondern bekommt.  Foto: Screenshot PlusMinus

Schlafstadt – aber finanzwirtschaftlich optimal

Insgesamt, so Mumdey, besitze Bergisch Gladbach eine gute Grundstruktur: Die weitaus wichtigere Einkommensteuer bringe dank vieler gutverdienender Bürger hohe und stabile Einnahmen; die Gewerbesteuer sei dagegen volatil und „arg schwach auf der Brust” – überrasche dann aber doch immer mal wieder mit Rekordeinnahmen.

Die Steuermoral von Gewerbe und Industrie hier vor Ort sei gut, betont der Kämmerer – auch wenn Großunternehmen mit mehreren Standorten alle legalen Möglichkeiten der Steuerminimierung nutzten. Dann könne es schon mal vorkommen, dass eine Bank der größte Gewerbesteuerzahler ist. Details will Mumdey natürlich auch jetzt nicht nennen. 

Die Frage, ob Bergisch Gladbach da mit seiner Struktur als Schlafstadt im Grünen ganz gut fahre, will Mumdey nicht ohne weiteres mit Ja beantworten. Er drückt sich da nach Kämmerer-Art aus: „Finanzwirtschaftlich ist Bergisch Gladbach ein optimaler Standort”.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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