Video-Produktion: motivfilm

Der zweite politische Stammtisch des Bürgerportals in diesem Jahr hat eine heftig umstrittene Frage zum Debattenthema gemacht: „Wieviel Gewerbe(-fläche) braucht die Stadt?” Zu Gast war Fred Arnulf Busen, Chef den Unternehmens Polytron Kunststofftechnik und Sprecher der Industrieakzeptanzinitiative.

Für Busen ist die Frage keine Frage, sondern eine klare Forderung: 50 Hektar Gewerbefläche, wie im Vor-Entwurf für den Flächennutzungsplan (FNP) vorgesehen, reichten nicht aus, sagte er in seinem Eingangsstatement. 

Um den bestehenden Unternehmen Raum für Wachstum zu geben und Neuansiedlungen zu ermöglichen, seien 80 oder mehr notwendig. Davon profitiere die ganze Stadt, in Form von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuern. Ohne diese Reserveflächen würden Unternehmen abwandern. 

Fred Arnulf Busen und Moderator Georg Watzlawek

Bei den Bürgerinitiativen löst das Widerspruch aus. Sie bemängeln, dass kein Leitbild für  GL entwickelt worden sei. Es sei gar nicht klar, wohin die Stadt eigentlich wolle: Leben im Grünen oder Standort für Industrie und Gewerbe?

Außerdem bezweifeln sie, dass die Unternehmen überhaupt zusätzliche Flächen brauchen. 50 Hektar seien auf jeden Fall viel zu viel. Die größten Gewerbesteuerzahler seien Banken, die benötigten überhaupt kein Gewerbegebiet. Es gehe darum, moderne Dienstleistungsunternehmen anzusiedeln. 

Für jeden Hektar neuer Gewerbefläche falle ein Hektar Grünfläche weg. Das sei genau der Vorteil, den Bergisch Gladbach im Standortwettbewerb zu bieten habe – und der jetzt in Gefahr gerate. Für Unternehmen mit großem Flächenbedarf gebe es viel bessere Landstriche, auf der anderen Seite des Rheins.

FDP-Fraktionschef Jörg Krell

Busen, aber auch Vertreter von SPD, CDU und FDP widersprechen: Historisch gesehen sei Bergisch Gladbach eine Industriestadt – und müsse auch in Zukunft Raum für Gewerbe bieten. Und seinen Bürgern Arbeitsplätze hier vor Ort. 

Die neuen Gewerbegebiete würde Busen am liebsten in Autobahnnähe sehen. Noch mehr Verkehr könne die Stadt nicht verkraften. 

Immerhin, in diesem einen Punkt sind sich die 40 Teilnehmer des Stammtischs einig: die Lösung der Verkehrsprobleme ist ein Schlüsselthema beim Flächennutzungsplan – und noch lange nicht ausdiskutiert.

SPD-Ortsvereinschef Andreas Ebert

In allen anderen Punkten bleiben die Gegensätze bestehen. Aber es sei Fortschritt, endlich Auge in Auge über die Kritikpunkte reden zu können.

Der nächste Stammtisch des Bürgerportals findet am 29. März im Gaffel statt. Das Thema ist noch offen – aber auf jeden Fall lokal. Wenn Sie einen Vorschlag haben – melden Sie sich bitte. Unten im Kommentarfeld oder per Mail: info@in-gl.de

Lesen Sie mehr: Alle Beiträge zum Thema Flächennutzungsplan
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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Zunächst möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Fred Arnulf Busen bedanken, dass er sich die Zeit genommen hat, sich der FNP-Diskussion öffentlich zu stellen.

    Es hat schon was, wenn man im persönlichen Gespräch die Argumente austauschen kann. Ganz besonders dann, wenn man wie ich davon überzeugt ist, dass durch äußerst ungeschicktes agieren in einem nicht ausreichend moderierten Prozesses zum FNP immer wieder Gegensätze dargestellt werden, die es nach meiner Überzeugung nicht gibt, die auch durch ständiges Wiederholen nicht richtiger werden.

    Die Firma Polytron Kunststofftechnik, deren Chef Herr Busen seit fast 20 Jahren ist, ist seit 1969 in Bergisch Gladbach angesiedelt, fast 50 Jahre. Das Gelände ist ca. 10 000 m² groß, wo die Firma an der Zinkhütte seit dieser Zeit mit heute fast 90 Mitarbeitern wirtschaftet. Die Entwicklung des Unternehmens ist in den letzten Jahren sehr erfolgreich, wobei sogar Firmenteile von einem anderen Standort nach Bergisch Gladbach verlegt wurden. Trotzdem hat die Firma auf ihrem Gelände heute noch ca. 1500 m² Flächenreserve, wobei auch die Parkplatzfläche noch anders genutzt werden könnte.

    Dieses Unternehmen steht für viele erfolgreiche Unternehmen in der Region, die sich seit vielen Jahren an ihrem Standort auf ihrem Gelände gut entwickelt haben, ein moderates Wachstum erzielt haben, sichere Arbeitsplätze bieten und auch am Standort Gewerbesteuer bezahlen. Die vorhandenen Flächenreserven sind zwar nicht üppig, aber wie die Entwicklung der Firma gezeigt hat, sind ausreichend Flächenreserven vorhanden für die überschaubare Geschäftsentwicklung.

    Ein „Möglichkeitsmacher“ (FNP-E) ist für diese ortsansässigen seit Jahren erfolgreichen Unternehmen nicht erforderlich. Neuansiedlungen von Unternehmen mit großem Flächenverbrauch sind nicht wirklich unterzubringen bei der Topographie des Bergischen Landes, sodass es um Flächen geht, für moderates Wachstum der ortsansässigen Industrie ohne Flächenreserven und ggf. Neuansiedlungen, die mit den örtlichen Gegebenheiten umgehen (Verkehrsinfarkt auf längere Zeit). Dabei sind die im Laufe des Verfahrens neu bereitstehenden Flächen u.a. Zanders in angemessenem Umfang einzubeziehen. Auch sind Maßnahmen zur besseren Nutzung der vorhandenen Gewerbeflächen durch die Unternehmen aufzuzeigen.

    https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltiges_wirtschaften_sustainable_business_n_1498.htm

    Bensberg mit der A 4 bietet keine Möglichkeiten, jetzt nicht und auch in Zukunft nicht, so wie z.B. Langenfeld mit der A 3, also die Autobahn als Bestandteil des Gewerbegebietes zu nutzen.

    Der „Möglichkeitsmacher“ würde wie „all you can eat“ wirken und der Flächenverbrauch würde auch sehr schnell stattfinden – eben wie geplant – ohne Hemmnis. Genau das ist der Unterschied, die BI’s wollen nur das, was für moderates Wachstum überschaubar erforderlich ist und bei Verwaltung, dem Bürgermeister und der IHK, wenn man mal von der Meinungsäußerung des Immobilienmaklers absieht, da geht es um „all you can eat“. Das genau wollen die Menschen nicht, auch wenn sie es offensichtlich erst am Wahltag entscheiden können.

    Darauf zu verzichten ist also vor allem der besseren Einsicht, man darf ruhig schlauer werden und den Menschen geschuldet die am Ausgang der Kölner Bucht wohnen, derzeit noch ohne Leitbild aber im Grünen. Das Leitbild für Bergisch Gladbach ist der nächste Schritt und dem folgt der FNP und nicht umgekehrt, das führt aus meiner Sicht zu diesem unsäglichen Aufwand. Morgen mal sehen, ob Politik wirklich schlauer werden kann.

  2. Bei korreker empirischer Erfassung würde festgestellt wieviel gewerblich zu nutzende Immobilien und Flächen in Bergisch Gladbach “brach” liegen. Diese zu realisieren,würde eine starke Minderung des derzeitigen Bedarfs ergeben. Seit wann ist Bergisch Gladbach Industrie-Stadt? Wenn ich die Kataloge so durchblättere, da wird uns Natur pur versprochen. In Deutschland gibt es sehr viel gewerblich zu nutzendes Land, was seit vielen Jahren brach liegt. Auch mit guter Bindung an Autobahnen. Hier wäre (ist) es in jeder Weise sinnvoll tätig zu werden. Das Bestreben Bergisch Gladbach gewerblich und industriell außerordentlich zu erweitern ist unverständlich; es sei denn, da wäre der Wunsch, dass aus unserem Bürgermeister ein Oberbürgermeister wird.

  3. Leider konnte ich krankheitsbedingt am 2. Stammtisch nicht teilnehmen. Hat jemand Herrn Busen gefargt, ob 80 ha mit oder ohne Zanders etc. gerechnet sind? Hat man ihm mal unterstellt, dass eine Forderung von 80 Hoffnung auf eine Realisierung von 50 macht? Weiß Herr Busen, dass viele Zukunftsbranchen keine großen Flächen brauchen und nicht im produzierenden Gewerbe die Zukunft liegt, schon gar nicht in Bergisch Gladbach? Weiß er von der “Digitalen Stadt”? Haben sich Herr Busen und Genossen Gedanken geamacht, was 80 ha für Bergisch Gladbach in umweltlicher, gesundheitlicher und verkehrstechnischer Hinsicht bedeuten? Der Hinweis auf die industrielle Vergangenheit Bergsich Gladbachs kann nur von ewig Gestrigen kommen nach dem Motto: “Hammer immer su jemaht” oder, anderherum: ” Hammer noch nie jemaht”! Werden diese Scenarien denn nie aufhören, und wer will ensrhaft behaupten, “früher war alles besser?”

    Genau hier sind wir an der Stelle, die wie eine sehr große Wunde in der Zukunft unserer Stadt schwärt: Keine Visionen, keine zukunftsgerichteten Pläne, einseitige Interessenverfolgung, keine Bürgernähe, starrköpfige Verteidigung überalteter Pläne und Verkehrsprobleme werden ja traditionell ignoriert. Dafür dann z.B. der Unsinn mit einer Linie 1 als Zahnradbahn, denn anders kommt die trotz gegenteiliger Behauptungen einiger und Versicherung der meisten Fachleute den Berg nicht rauf. Das ganze postfaktische Gerede von Verwaltung, einigen Politikern, Industriellen und Lobbyisten wird lansam aber sicher auch in den Köpfen der breiten Öffentlichkeit ad absurdum geführt. Das ist ein versprechen!