Vor dem Rathaus stellte das BBI seine Resolution vor, in den Fraktionsräumen kommt es zu tieferen Gesprächen

Nachdem am 30.06.2017 das geforderte Rederecht des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI-GL) vor den Ausschüssen Flächennutzungsplan und Stadtplanung verwehrt wurde, bemühte sich Dr. Benno Nuding um einen Termin bei der CDU-Fraktion, wenigstens diesem Kreis die stichhaltigen Fakten und Argumente der Bürgerinitiativen näher zu bringen. Am 21.08.2017 trugen im Ratssaal zu Bergisch Gladbach drei Referenten des BBI-GL zu den Themen „Verkehr“, „Gewerbe“ und „Wohnen“ in beeindruckender Weise vor, warum der jetzige FNP-E. nicht zur Abstimmung kommen darf.

Das Problem „Verkehr“ schilderte Lothar Eßer als ein schon immer vorhandenes Übel. Mit zusätzlichen, sehr großen Wohnzuzügen und ebensolchem Gewerbezuzug würde das mit Sicherheit nicht nur nicht kleiner. Schon dem jetzigen, stundenlangen, täglichen Stau und der immensen Luftverschmutzung begegnet die Stadt mit Unvermögen, etwas zu ändern. 105 ha zusätzliche Wohngebiete und 55 ha neues Gewerbe potenzieren das noch.

Eine solche Situation gerät völlig aus dem Ruder und kann auch nicht durch das Credo der Stadtverwaltung – neue Straßen – aufgefangen werden. Hier müssen Visionen her, um dem Moloch motorisierter Individualverkehr Herr zu werden. In vielen anderen Städten weltweit gibt es da sehr gute Ideen.

Beim Thema „Gewerbe“ stellte Albert Stodko klar, dass der FNP-E. sich nur an den Wünschen der Verwaltung orientiert, nicht aber an der Zukunft, wie sie von etlichen Landes- und Bundes-Prognose-Führern vorausgesagt wird. Die Entwicklung des produzierenden Gewerbes ist rückläufig und setzt diesen Abwärtstrend immer stärker fort. Das bedeutet weniger verfügbare Arbeitsplätze mit geringeren Flächenverbrauch der einzelnen Firmen.

Digitalisierung, Automation, E-Mobilität, Industrie 4.0 und Roboterisierung sind die Zukunft, die die Gewerbefläche nicht benötigt, die die Verwaltung zusätzlich plant, wofür bewaldete Flächen zum Opfer fallen sollen. 55 ha zusätzliche Gewerbefläche vor dem Hintergrund abnehmenden Bedarfs zu vermarkten, erscheint unwahrscheinlich. Geplant aber wird das.

Zum 3. Vortrag „Wohnen“ fragte Benno Nuding, warum das planenden Büro Post/Welters vier Prognose-Möglichkeiten für das Wohnen und den Zuzug in Bergisch Gladbach vorführte. Eine Prognose ist eine Prognose und kein Geburtstag, zu dem man sich was wünschen kann. Die Verwaltung konnte sich aussuchen, welche der vier Möglichkeiten ihr denn genehm sein. Gegen die meisten anderen Prognosen aus Land und Bund wurde ein Mittelding der beiden Versionen mit den höchsten prognostizierten Zuzügen angenommen.

Es soll auf Landschaftsschutzgebiet gebaut werden, in Bereichen, die die Verwaltung noch vor kurzem selbst als ungeeignet eingestufte, in Bereichen, die eminent wichtig sind für die verschiedensten Belange der Gesundheit, der Umwelt und der Luft. Dem selbst gewählten Werbe-Slogan „Grüne Stadt Bergisch Gladbach“ und dem stolz präsentierten Attribut „Drittgrünste Stadt Deutschlands“ wird damit die Bedeutung genommen.

Zwischenfazit: Es gibt keinen Plan

Allen drei Vorträgen liegt zugrunde, was man als das größte Versäumnis der Verwaltung bezeichnen kann: Es gibt keinen Plan! Seit vielen Jahrzehnten macht sich niemand Gedanken, wo Bergisch Gladbach hin soll, wie es mal aussehen könnte, wie man das erhält, wofür schon viele Menschen hierher gezogen sind: Das gesunde Verhältnis von Arbeit und Wohnen, die lebens- und liebenswerte Aura dieser Stadt in einem Umfeld, um das uns sehr viele Städte und Gemeinden beneiden.

Dies alles wird eine Verabschiedung des jetzigen FNP-E. vernichten. Und der ständige Hinweis, erst mit Bebauungsplänen würde Gesetzmäßiges geschaffen, ist so hohl, dass er schon lächerlich wirkt. Welcher Plan ist nicht darauf ausgerichtet, verwirklicht zu werden? Die Stadtverwaltung scheint Zahlen vorgegeben zu haben, die das Planungsbüro mit Argumenten versorgte, wohl aber dem Postfaktischen zugerechnet werden kann.

Wir, das BBI-GL, hoffen, der CDU-Fraktion die Ängste und Befürchtungen der Bevölkerung deutlich gemacht zu haben. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Metten will unsere Argumentationen aufnehmen und sich damit auseinandersetzen. Seine Fraktionskollegen folgten den Ausführungen unserer Redner mit steigendem Interesse.

CDU-Fraktion verspricht einen FNP „mit Augenmaß”

Bergisch Gladbach steht am Scheideweg. Wollen wir eine Gewerbeansiedlung mit angegliederten Wohnsilos oder soll der Charakter unserer Stadt erhalten bleiben? Der FNP-E. bedarf einer gründlichen Überarbeitung, an der die Bürger endlich einmal teilhaben sollten.

Wir möchten unseren Dank für den freundlichen Empfang der CDU-Fraktion ausdrücken und unserer starken Hoffnung Ausdruck verleihen, mit den von unseren Rednern vorgelegten Fakten unsere Volksvertreter der CDU von der Notwendigkeit der Reduzierung sämtlicher Flächenplanungen überzeugt zu haben.

Das überparteiliche Bündnis der Bürgerinitiativen in Bergisch Gladbach setzt sich für eine Stadtentwicklung mit Bürgerbeteiligung und Augenmaß ein und besteht aus Stadtteil- und Bürgerinitiativen und dem Bergischen Naturschutzverein, welche sich kritisch zum Flächennutzungsplan und dessen Umsetzung...

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