Bei der Wahl am Sonntag hat Hermann-Josef Tebroke (CDU) gute Chancen auf das Direktmandat, Christian Lindner zieht als Spitzenkandidat der FDP in den Bundestag. Und dann gibt es auf dem Ticket der AfD noch einen Dritten in RheinBerg, den kaum jemand kennt und der dennoch ziemlich sicher ein Mandat bekommt. 

Harald Weyel ist beamteter Professor an der Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften an der TH Köln und stellvertretender Sprecher des AfD-Kreisverbandes Rhein-Berg. Dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in den Bundestag kommt, entschied sich bereits am 25. Februar: da stellte der AfD-Landesverband in Essen die Landesliste für die Bundestagswahl auf – und Weyel erhielt den dritten Platz. 

Nach aktuellen Prognosen kann die AfD 60 bis 80 Mandate im Bundestag bekommen. Die werden über die Landeslisten verteilt. Wenn die AfD nicht doch an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, wird Weyel daher Bundestagsabgeordneter für den Rheinisch-Bergischen Kreis. 

Der AfD-Direktkandidat in Rhein-Berg, Roland Hartwig, hat den Listenplatz 14 in NRW. Und auch er hat damit eine Chance auf den Bundestag – wenn die AfD (in NRW) über elf Prozent kommt. In den Umfragen liegt sie derzeit bundesweit zwar zwischen neun und zwölf Prozent, in NRW aber unter zehn Prozent

Der „kantige Nationalkosmopolit”

In RheinBerg ist Weyel nur wenig aufgetreten, auch innerhalb der AfD war er bis zu seiner Nominierung kaum bekannt – doch die Bild-Zeitung nennt ich bereits den „neuer starker Mann aus NRW” innnerhalb der AfD. Bei einer Veranstaltung im Bergischen Löwen am 6. September trat er mit Hartwig und Martin Renner, dem NRW-Spitzenkandidaten vom rechten Rand der AfD auf.

Dort wie in fast jeder Rede kokettierte Weyel mit seiner Herkunft: zwar sei sein Vater ein schwarzer US-Amerikaner, aber für einen Migrantenstatus qualifiziere er sich damit nicht. Er sei „mehr Deutscher als sonst was”,  mit „preussisch-hessisch-amerikanischem Familienhintergrund”.

Oder: „ein kantiger Nationalkosmopolit”, wie er sich auf seiner Website nennt. Jemand, der „stets deutsche Interessen vertritt”.

Weyel kam nach eigenen Angaben 2009 über die Freien Wähler und die Euro-Kritik zur Politik, schloss sich dann Ende 2013 der AfD an – und übernahm deren Duktus: „Die AfD ist m.E. die erste und letzte flächendeckende Basis gut bürgerlichen Widerstands gegen alte wie neue (inter)nationale Übergriffe! Mit und in ihr streite ich gegen die Fortsetzungen falscher „Politik“ all der Alt/Block/System/Kartell-Parteien und ihrer medialen und sonstigen Helfershelfer,” schreibt er auf der Website des AfD-Kreisverbandes.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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