Stephan Santelmann, Kandidat der CDU für den Landrat

Aktualisierung: Beim ersten Wahlgang kam Stephan Santelmann auf 45 Prozent der Stimmen, daher muss er am 8. Oktober in einer Stichwahl gegen Tülay Durdu (SPD) antreten. Alle Infos zum Wahlverfahren finden Sie hier. 

Für die CDU ist schon alles klar: „Stephan Santelmann. Unser neuer Landrat”, heißt es knapp auf der Internetseite der Partei. Noch ist Santelmann Leiter des Kölner Amtes für Soziales und Senioren, doch angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Rheinisch Bergischen Kreis hat er gute Chancen, am Sonntag oder spätestens bei der Stichwahl zwei Wochen später tatsächlich zum neuen Landrat gewählt zu werden.

Der Bewerber strebt aus der etwas größeren Behörde der Metropole in den Landkreis – doch ihn reize der thematisch weiter gefasste Aufgabenbereich, sagte der 51-Jährige bei seiner Vorstellung vor einigen Monaten. Als wichtigste Themen nennt er Digitalisierung, Verkehr, Mobilität und Infrastruktur; aber auch Integration, Senioren und „die Grundfrage: wo wollen wir leben und arbeiten, bei welchem Verkehr?”

Der Rheinisch-Bergische Kreis sei zwar sehr gut aufgestellt, bringe als wachsende Region aber viele Herausforderungen mit, denen er sich „mit Optimismus und Humor” stellen wolle.

Was ist ein Landrat, was macht er, was verdient er?
Der Landrat wird direkt gewählt, wie ein Bürgermeister. Als „hauptamtlicher kommunaler Leitungsbeamter“ verdient er rund 100 000 Euro brutto plus etwas mehr als 30.000 Euro für zusätzlich wahrgenommene Ämter (abzüglich der an den Kreis abzuführenden Gelder).

Der Landrat muss aber nicht nur ein erprobter Verwaltungsfachmann, sondern auch ein gewieften Politiker sein. Denn er hat viele Job und Aufgaben – die die Bürger ziemlich direkt betreffen.

Er ist Chef der Kreisbehörde, die mehr als 1000 Menschen beschäftigt, in so beliebten Einrichtungen wie etwa dem Kraftfahrzeugamt.

Er ist Chef der Kreispolizeibehörde – und damit oberster Polizist des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Er ist Vorsitzender des Kreistag, dessen Sitzungen er leitet. Der Landrat hat im Kreistag normales Stimmrecht – wie jedes andere Mitglied.

Er beaufsichtigt die Gemeinden – und ist in den Zeiten der kommunalen Finanznot dadurch ein sehr wichtiger Mann geworden, denn er beaufsichtigt in erster Instanz die Nothaushalte der Kommunen – und schreitet ein, wenn die Vorgaben nicht erfüllt oder gar getrickst wird.

Er ist der lokale Verbindungsmann der Landesregierung – und muss sie über alles landespolitisch Relevante in seinem Landkreis informieren.

Man merkt, der Landrat führt ein Doppelleben, als Beamter und Politiker. Daraus ergeben sich auch seine unterschiedlichen formalen Kompetenzen. Im Bereich der Aufgaben des Landkreises ist er die Beschlüsse des Kreistages und seiner Ausschüsse gebunden, als Chef des staatlichen Landratsamtes aber an die Weisungen der staatlichen Mittel- und Oberbehörden. In diesem Bereich hat der Kreistag nichts zu sagen.

Warum muss jetzt ein neuer Landrat gewählt werden? Wie? Für wie lange?
Der amtierende Landrat Hermann-Josef Tebroke (CDU) kandidiert für seine Partei für den Bundestag. Daher hat er sein Amt zur Verfügung gestellt, der Nachfolger wird parallel zur Bundestagswahl am 24.9. gewählt. Gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten gibt es am 8. Oktober eine Stichwahl.

Normalerweise dauert die Amtszeit des Landrats sechs Jahre – in diesem Fall sind es aber ausnahmsweise acht Jahre: NRW hatte 2007 die Amtszeit der Bürgermeister und Landräte von 5 auf 6 Jahre verlängert. Damit erfolgte eine Entkopplung von den allgemeinen Kommunalwahlen. 2013 wurde dies wieder rückgängig gemacht. Künftige Wahlen sollten dann wieder zeitgleich mit den Kommunalwahlen stattfinden. Um dieses landeseinheitlich zu erreichen, hat der Gesetzgeber Übergangsregelungen getroffen.

In den Fällen, in denen die Amtszeit innerhalb der ersten drei Jahre der laufenden Wahlperiode des Rates bzw. Kreistags endet (bis 31.05.2017), werden die neuen Amtsinhaber bis zum Ablauf der Wahlperiode (30.10.2020) gewählt. Endet die Amtszeit jedoch nach dem 31.05.2017 und dies ist im Rheinisch-Bergischen Kreis der Fall, wird die/der Neugewählte bis zum Ende der dann folgenden Wahlperiode und somit bis zum Jahr 2025 gewählt.

Wer darf den Landrat wählen?
Wahlberechtigt für die Wahl ist derjenige, der am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet hat, Deutscher ist oder die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft besitzt, seit mindestens dem 16. Tag vor der Wahl im Wahlgebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises seine Wohnung, bei mehreren Wohnungen seine Hauptwohnung hat und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist.

Santelmann wurde in Hamburg geboren, ist aber im Landkreis Harburg aufgewachsen und dort über die Junge Union in die Politik gekommen. Er  hat Politik, Geschichte und Verwaltungsrecht in Münster und Bonn studiert. Danach hat er von 1993 bsi 1999 für Familienministerin Hannelore Rönsch in Bonn gearbeitet, als Redenschreiber im Ministerium und später als Referent in der Unionsfraktion.

Als der Bundestag 1999 nach Berlin zog ist Santelmann mit seiner Frau (einer Bonnerin) im Rheinland geblieben. 

Beruflich wechselte er in die Kölner Stadtverwaltung: Er war zunächst Fachrefrerent für Oberbürgermeister Harry Blum gearbeitet, ebenso wie der heutige Bergisch Gladbacher Bürgermeister Lutz Urbach. Sein Themen schon damals: Soziales, Gesundheit, Jugend, Interkulturelles und Ehrenamt.

2003 wurde Santelmann Amtsleiter bei Blums Nachfolger Fritz Schramm und später Leiter des Kölner Amtes für Soziales und Senioren. Die hat immerhin 800 Stellen, wächst rasch und ist deutlich größer als die Kreisverwaltung mit rund 700 Stellen.

Politisch hatte sich Santelmann in der 90.000 Einwohner großen Stadt Ratingen engagiert. Dort trat er 2009 bei der Bürgermeisterwahl für die CDU und FDP an, verlor aber mit 30 Prozent deutlich gegen den Amtsinhaber, der von der lokalen Bürger-Union gestellt wurde. Dabei, so Santelmann, habe er viel Wahlkampferfahrung gesammelt und viel gelernt. 

Santelmann wohnt mit Frau und zwei Söhnen in Porz – nur „einen Steinwurf” von Bergisch Gladbach entfernt. Sollte er gewählt werden, das betont Santelmann, würde die Familie in den Kreis umziehen. Mit seinen beiden Söhnen sei er am Wochenende auf vielen Sportplätzen der Region unterwegs – daher wisse er, dass RheinBerg eine wunderschöne Region sei. 

Genug der Vorrede, los geht’s.

Wie starten Sie in den Tag?
Frühstück mit der Familie und Spaziergang mit dem Hund.

Was wollten Sie als Kind werden?
Mein erster Berufswunsch als Kind war Lokomotivführer.

Und was sind Sie geworden?
Politikwissenschaftler und Leiter einer großen Dienststelle der Stadt Köln mit über 800 Beschäftigten.

Wohin laden Sie Kollege am liebsten ein?
In Lokale in Nachbarschaft zu meinem Arbeitsplatz.

Wohin gehen Sie gerne mit Familie/Freunden?
Ins Brauhaus oder in ein italienisches Restaurant. Zu Hause ist es allerdings auch sehr schön.

Wohin gehen Sie, wenn Sie ganz für sich sein wollen?
Mit dem Hund raus in die Natur.

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?
Ein Tag, der wenig verplant ist und auch Zeit für die Familie lässt.

Tee oder Kaffee; Bier oder Wein?
Tee und Kaffee. Selten schwarzer Tee, eher Früchte oder Grün. Bier gerne im Lokal, Wein gerne zu Hause.

Was ist für Sie das größte Unglück?
Krieg und Terror.

Bitte ergänzen Sie: Rhein-Berg ist …
… ein starker Kreis mit starken Menschen. Dr. Herrmann-Josef Tebroke, Rainer Deppe und Holger Müller von der CDU zum Beispiel. Oder unser Innenminister Herbert Reul.

Was ist Rhein-Bergs größter Pluspunkt?
Die wunderschöne und günstige Lage in der Rheinschiene neben Köln, Bonn und Leverkusen und die Verbindung und die Zusammenarbeit mit den Nachbarkreisen Oberberg und Rhein-Sieg.

Was ist Rhein-Bergs größtes Problem?
Ich sehe einige Herausforderungen: Mobilität und Digitalisierung zu Motoren der Entwicklung des Kreises zu machen, die hervorragende wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung weiter zu stärken und die Zusammenarbeit in der Region zugunsten der Menschen im Bergischen weiter auszubauen, z.B. mit der Regionale 2025.

Wenn Sie drei Wünsche für RheinBerg frei hätten, würden ich mir wünschen, dass … 
… Bund und Land den ländlichen Raum stärken,
… die Region weiter erfolgreich und eng zusammenarbeitet,
… die Politik auf allen Ebenen dafür sorgt, dass das Ehrenamt – vor allem in Vereinen – gefördert und nicht behindert wird.

Wenn Sie einen persönlichen Wunsch frei hätten, würden Sie…
Mit Frau und Kindern ein Wochenende auf einem Reiterhof im Bergischen verbringen.

Was war Ihre größte Leistung?
Die Heirat mit meiner Frau und gemeinsam die Gründung unserer Familie mit unseren zwei Kindern und der Verbleib im Rheinland nach dem Umzug des Bundestages.

Was war Ihre größte Niederlage oder Ihr schlimmster Fehler?
Das Streichen meiner Wohnung.

Mein großes Ziel ist es, …
Lange und erfolgreich für den Rheinisch-Bergischen Kreis zu arbeiten.

Was ist Ihre Stärke?
Humor und Optimismus.

Was ist Ihre Schwäche?
Leckeres Essen vor allem mit Familie und Freunden und Eis.

Wie sind Sie als Chef?
In allen Themen drin, mitarbeiterorientiert, loyal, sehr engagiert.

… und was würden Ihre Mitarbeiter sagen?
Herr Santelmann kennt seine Dienststelle sehr gut und setzt sich stark für seine Beschäftigten ein.

Worüber können Sie sich richtig aufregen?
Pessimismus und Unfreundlichkeit.

Wer ist Ihr größtes Vorbild im Beruf?
Der viel zu früh verstorbene Kölner Oberbürgermeister Harry Blum. Ein echtes Vorbild!

Wer ist Ihr Vorbild im Privatleben?
Meine Eltern.

Was war der beste Ratschlag, den Sie je erhalten haben?
Sich genug Zeit für die Familie zu nehmen.

Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem Ihren Kindern erteilen?
Fair sein.

Welche Frage wurde nicht gestellt, würden Sie aber gerne beantworten?
Warum eine 27. Frage, wenn die Rubrik „26 Fragen an…“ heißt? ;-)

Noch mehr Stephan Santelmann:  Alle BeiträgeWebsite – Facebook – Mail

Weitere Beiträge zur Landratswahl

26 Fragen an … Tülay Durdu (SPD)

SPD wählt Tülay Durdu zur Landratskandidatin

CDU: Kölns Sozialamtschef soll Landrat werden

26 Fragen an … Jörg Wagner (Grüne)

Grüne nominieren Jörg Wagner für Landratswahl

26 Fragen an … Dorothee Wasmuth (FDP)

FDP findet in Refrath neue Kandidatin für Landratswahl

26 Fragen an … Tomas M. Santillan (Linke)

Linke tritt mit Tomás M. Santillán zur Landratswahl an

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.