Jedes Jahr greifen engagierte Bürger zum Schaber, um gegen Kaugummis in der Fußgängerzone anzukämpfen. Doch das ist eine Farce – denn es sind die teuren schmierigen Mülleimer, die die Hauptstraße verschandeln. Teil eins der Serie „Unangenehm anders”.

Seit dem Umbau der Hauptstraße 2013 greifen engagierte BürgerInnen einmal im Jahr unter der Führung Prominenter zum Schaber, um das Pflaster mediengerecht von Kaugummiplacken zu befreien. Mehr schlecht als recht.

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Geht man heute an einem beliebigen Nachmittag durch die vermeintlich „gute Stube“ unserer Stadt, wird dieser engagierte Akt des Schabens entlarvt als das, was er ist: Eine Farce. Aktionismus. Denn es sind die schmierigen Mülleimer und ihre Umgebung, die Gladbachs Hauptstraße verschandeln.

Kippen auf und neben den Eimern, Essensreste, Urin von Hunden, Spuren von klebrigen Getränken. Die Mülleimer sind außen wie innen versifft.

Das Problem: Die Mülleimer werden nur geleert, nicht gereinigt.

Und diese unhygienischen Objekte stehen häufig zwischen den Bänken, dem Platz zum Verweilen für Passanten.

Dabei ginge es auch ganz anders, wie das Beispiel von Eureka in Nevada (zweites Foto) zeigt.

Bei uns in Bergisch Gladbach versuchen wenige Raucher, ihre Kippen in die Eimer zu werfen, viele drücken die Kippen nur darauf aus, lassen sie dort liegen, der Wind weht sie auf den Boden.

Die Eimer sind falsch konstruiert: Hinter der Öffnung für die Kippen verhindert eine waagerechte Fläche das Hineinfallen der Zigarettenreste. Man sollte den Entwerfer dieser Eimer wegen groben Unfugs verklagen. Wie haben die Lehrer des Bauhauses vor fast einhundert Jahren postuliert? Form follows function. Hier leider nicht.

Die Fehlkonstruktion sollte aber eine regelmäßige Reinigung der Mülleimer und ihrer Umgebung nicht verhindern. Doch warum handelt die Stadtreinigung (es soll sie ja tatsächlich geben) nicht? Die städtische Verwaltung und ihre Führung versagen hier seit Jahren. Und die Politik scheint das zu dulden.

Wann beginnen die Ladenbesitzer, die verdreckten Mülleimer und ihre Umgebung selbst zu reinigen? Sehen sie nicht, dass ihre schönste Schaufensterdekoration einen Image-Schaden erleidet?

Zwei gelungene Beispiele aus Berlin:

Die regelmäßige Reinigung wäre eine echte Aufwertung der Fußgängerzone, besser als Lichterketten zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäftes. Lichterketten, die im Zweifel doch nur die gestalterischen Schwächen der Hauptstraße mühselig kaschieren.

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Hinweise der Redaktion:
  Die Ungepflegtheit unserer Stadt scheint manche Menschen zu verführen, ebenfalls nicht pfleglich mit ihrer Umgebung und anderen umzugehen. Wachsen Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit? Nehmen Verstöße gegen die Regeln, die eine Stadtgesellschaft zum Zusammenleben braucht, zu?

Wir wollen in den nächsten Wochen in loser Folge über einzelne Themen kritisch berichten, dabei aber auch gute Beispiele anderer Gemeinden zeigen, an denen man sich orientieren könnte.

Dabei ist diese Serie offen für andere Autoren: Was fällt Ihnen in dieser Stadt als „anders” auf – angenehm oder unangenehm? Nutzen Sie das Kommentarfeld unten, schreiben Sie und per Mail, verfassen Sie eigene Beiträge.

Und damit es nicht dabei bleibt, wollen wir die Themen konstruktiv aufgreifen. Was wäre zu tun, um Bergisch Gladbach angenehm anders zu machen? Ein gutes Thema für einen Stammtisch, für anschließende Arbeitskreise, für …. Lassen Sie sich überraschen, überraschen Sie uns!

Weitere Beiträge zum Thema:

Unangenehm anders

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Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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5 Kommentare

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  1. In Bergisch Gladbach ist so einiges nicht mehr in Ordnung. So erlebe ich fast jeden #tag auf der Laurentiusstr, daß Radfahrer ständig auf dem Gehweg und meistens auch noch in der falschen Richtung, nämlich gegen die Einbahnstrasse fahren. Wenn man dann die Leute höflich darauf hinweist, bekommt man den Stinkefinger und sehr ordinäre Antworten.

  2. Die Nähe der Großstadt Köln mit den kulturellen Angeboten sind sicher ein großes Plus unserer Stadt, aber auch ein schlechtes Beispiel für Sauberkeit und gelungene Infrastruktur.
    Um nicht alle Bereiche und Anstrengungen der Stadt und Hauseigentümer über einen Kamm zu scheren, ist doch zu erkennen, dass sich diese Mängel in der Stadt Bergisch Gladbach deutlich in vielen Punkten ebenso zeigen. Und das Schlimme ist, niemand fühlt sich verantwortlich. Die Kassen sind immer lehr wenn es um Mangelbehebung geht und gegebenenfalls werden die Anwohner belastet. Doch für Großprojekte, wie die teuren Platten der neugestalteten Fußgängerzone und deren stete Reinigung, sowie viele andere Projekte, werden verabschiedet und sogar manchmal verwirklicht.
    Reinigung und Pflege sind Garanten für Langlebigkeit der entpsprechenden Bereiche. Dies wäre auch bei Ausbesserungen der Fahrbahndecken angebracht zusammen mit Endabnahmen der jeweiligen Baustellen, damit wäre die ausführende Firma in Regress zu nehmen und eine größere Sicherheit gegen nahe Folgeschäden gewährleistet. Dass nicht ausreichend Mitarbeiter der Stadt vorhanden wären lasse ich hier nicht gelten. Wer will, der kann.
    Die Verkehrssituationen in vielen Bereichen sind katastrophal. Warum muss ein Hauptverkehrsweg mitten durch die Vororte gehen? Andere Städte planen bei Zeiten eine Umgehungsstraße und dementsprechend die Lage der Betriebe. M. E. fehlt eine Städteplanung über die derzeitigen Grenzen hinaus und eine Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten und Gemeinden. So wäre eine Verbindung zwischen Rösrath A3 und Burscheidt A1 sehr sinnvoll und würde den belastenden Schwerverkehr auch in Richtung Westen lenken. Denn die drei Autobahnkreuze Heumarer Dreieck, Köln-Ost und Leverkusener Kreuz würden entlastet. Einige Fahrzeuge würden vom Süden zum Norden diese Möglichkeit nutzen.
    Ich bin auf Ihre Antworten gespannt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Marianne Wirtz

  3. Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat doch ein spezielles Fahrzeug für die Reinigung von Mülltonnen angeschafft, das wäre doch prima geeignet!

  4. In der Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiet der Stadt Bergisch Gladbach findet man folgendes:

    […] Jede Verunreinigung der Verkehrsflächen und Anlagen ist untersagt. Unzulässig ist insbesondere das Wegwerfen und Zurücklassen von Unrat, Lebensmittelresten, Kaugummis, Zigarettenkippen, Papier, Glas, Konservendosen oder sonstigen Verpackungsmaterialien […]

    Aber was nützt es wenn das Ordnungsamt nur Parkplatzsünder verfolgt? München nimmt 55€ für eine weggeworfenen Zigarette und Köln immer noch 35€. Zusätzlich würde ich den Verursacher noch mit einem Eimer bewaffnet in der Fußgängerzone Müll aufsammeln lassen. Am besten noch mit einem Rückenschild welches ihn als Müllverschmutzer betitelt.

    Bei 10 Kippen am Tag (alleine in einer Fußgängerzone) kommen da locker 120.000€ im Jahr zusammen. Und das ist nur ein ganz vorsichtige Schätzung!