Heinz-D. Haun, Irina von Schorlemer und Axel Becker

Die Deutsch-Palästinensischen Kulturtage haben Irina von Schorlemer die Menschen und Geschichten des Westjordanlands näher gebracht. Jetzt hat sich die 23-Jährige dem Beit-Jala-Verein angeschlossen – als 200. Mitglied.

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Irina hatte gerade den Wäscheständer vollgehängt und die Reiseunterlagen sortiert, als wir kamen. Schließlich fliegt sie morgen Abend nach Thailand (und Kambodscha). Gut also, dass wir den Termin noch untergebracht haben.

„Irina“, das ist Irina von Schorlemer, 23 Jahre jung, ehemalige Schülerin der IGP, jetzt Studentin Medienmanagement, gerade fertig mit der Bachelor-Arbeit, nur die Abschlussprüfung noch vor sich. „Wir“, das sind Axel Becker und Heinz-D. Haun, Vorsitzender und Stellvertreter im Verein. Der Grund des Besuchs: Wir beide wollten das 200. Mitglied im Partnerschaftsverein willkommen heißen!

Natürlich freuen wir uns, dass mit Irina ein vergleichsweise junger Mensch neues Vereinsmitglied geworden ist, liegt der Altersdurchschnitt in der Mitgliedschaft doch deutlich darüber. Was sie dazu bewogen hat, trotz Dominanz der „Grau- und Weißhaarigen“ einen Mitgliedsantrag zu stellen, wollen wir wissen.

Menschen statt ewige Konflikte

Klar, der Anlass waren schon die Kulturtage, an denen sie viel über Beit Jala und die Lebenswirklichkeit im Westjordanland erfahren hat – und das eben nicht in erster Linie über eine Thematisierung der ewigen Konflikte, sondern weil ihr die Menschen und ihre Geschichten näher gekommen sind.

Irina hat Akteure und Organisatoren als sehr „nahbar“ erlebt. Aeham Ahmads Geschichte kannte sie bereits vorher – die menschliche Ebene hat sie sehr berührt. Der Film „Ein Tag in Beit Jala“ hat ihr gut gefallen. Hier erzählen Menschen aus ihrer eigenen Perspektive, authentisch, man erhält keine Außenansicht durch jemand Unbeteiligten, wie in vielen Fernsehdokumentationen.

Irina findet es in Deutschland grundsätzlich einfacher, sich mit der israelischen Seite zu befassen. Sie selbst aber interessiert sich auch für die palästinensische Seite. Sich ihr zuzuwenden, heißt für sie in gewisser Weise auch, Palästina und die Sache der Palästinenser auf einer persönlichen Ebene anzuerkennen.

Offener Blick für beide Seiten

Überhaupt möchte sie eine politische Situation nicht nur schwarz-weiß beurteilen, sondern möchte grundsätzlich beide Seiten sehen und sich dafür einen offenen Blick bewahren. Sie will die Verhältnisse kritisch hinterfragen und nicht einfach als gegeben hinnehmen. Offen müsse man sein, „weltoffen“, auch wenn man sich mit dem Israel-Palästina-Konflikt beschäftigen wolle.

Diese Art, auf jeweils aktuelle Themen zu blicken, hat Irina auch bei früheren Reisen gepflegt. Nachdem sie als Schülerin drei Monate in Canada verbracht hatte (und danach noch weitere viermal dorthin gereist ist), lebte und arbeitete sie nach dem Abitur neun Monate in Peru und hat dort vom einfachen Arbeiter bis zu Angehörigen der Oberklasse einen Querschnitt durch die gesamte peruanische Gesellschaft kennengelernt.

Ob das ihre erste Vereinsmitgliedschaft ist, wollen wir erfahren. Nein, selbstverständlich ist sie auch Mitglied des 1. FC Köln, für den sie 5 Jahre gekickt hat. Ach ja, und wenn sie Wein trinkt, bevorzugt sie Rotwein… gut, dass wir ihr einen leckeren Roten aus dem Cremisan-Tal in Beit Jala mitgebracht hatten!

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Heinz D. Haun

ist Theatermacher und Theaterpädagoge.

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