Christian Lindner startet zum Jahresbeginn eine Medienoffensive – im Spiegel, beim Dreikönigstreffen und im Bürgerportal-Podcast mit Dieter Röseler: „Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit.“

Der Spiegel zitiert den FDP-Chef und Abgeordneten für den Rheinisch-Bergischen Kreis am Samstag mit den Worten: „Also, wenn Frau Kramp-Karrenbauer und Herr Habeck auf uns zukommen, dann laufen wir nicht weg – aber wir laufen denen auch nicht hinterher.“

Am Sonntag sendet die „Tagesschau“ zur besten Sendezeit die Losung, die er auf dem Dreikönigstreffen der FDP in der Stuttgarter Oper ausgibt: „Wer uns ein faires Angebot zur Erneuerung des Landes macht, der kann zu jeder Zeit damit rechnen, dass wir bereit sind, Verantwortung für dieses Land zu übernehmen, meine Damen und Herren.“

Und heute, an seinem vierten runden Geburtstag spricht er im Podcast „Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?!“ Klartext: „Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit.”

Hören Sie rein, in die erste reguläre Folge des Podcasts von Dieter Röseler für das Bürgerportal:

Rückblende, ein Tag kurz vor Weihnachten in Berlin.

Alle Fotos: Dieter Röseler

Das großzügige Eckbüro des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag hat mit seiner Nordost-Ausrichtung zwar keine Morgensonne, aber einen direkten und unverbaubaren Blick auf die nur 20 Meter entfernte Südost-Ecke des Reichstagsgebäudes. Beherrscht wird es optisch durch zwei mächtige, gekreuzte Fahnen: die Bundes- und die Europaflagge.

Auf dem penibel aufgeräumten Schreibtisch liegt nur die dunkle Ledermappe mit dem blindgeprägten Siegel des US-amerikanischen Senats, die er von einer Washington-Reise mitgebracht hat. So aufgeräumt wie sein Arbeitsumfeld wirkt auch der im rheinisch-bergischen Wermelskirchen aufgewachsene Vollblut-Politiker selber während des Vier-Augen-Gesprächs.

Nicht ohne Genugtuung nimmt Lindner, erklärter BVB-Fan und auf der letzten Mitgliederversammlung in den Wirtschaftsrat des Bundesligisten berufen, den in den Lauf gespielten rhetorischen Ball elegant an und fasst zusammen, was CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in Reinhold Beckmanns Mikrofon sprach:

„Dobrindt hat gesagt, Frau Merkel hat den Grünen alle möglichen Brücken gebaut und Kompromisse angeboten, der FDP nicht. Und er habe damals gewarnt, die FDP müsse auch etwas haben, sonst tritt sie nicht in eine Regierung ein. Und vorher wurde ja immer gesagt, eine Einigung war zum Greifen nah. Und jetzt hat mal einer die tatsächliche Situation dargestellt. Das finde ich gut, zeigt aber eins: wir sind in einer neuen Zeit. Das alte Jamaika spielt gar keine Rolle mehr, das ist vollendete Vergangenheit. Und Leute, die nach vorne schauen, wie der Kollege Alexander Dobrindt, die denken schon wieder an die nächsten Situationen.”

Damit hat Dobrindt nicht mehr getan, als den Schwarzen Peter für das Scheitern der 2017er Jamaika-Sondierungsgespräche von der FDP an Bundeskanzlerin Angela Merkel weiterzureichen. Allerdings auch nicht weniger.

„Ich war extrem schwer und fett“

So lange ersehnt die Absolution des Alexander Dobrindt auch für das Geburtstagskind gewesen sein mag – im heutigen Gespräch spielen dessen beruflich-politischen Ambitionen nur eine Nebenrolle. Im Dialog mit Dieter Röseler erhält das Private eine größere Gewichtung, wenngleich die Haltung eines Berufspolitikers zur Titelfrage durchaus auch von professionellen Aspekten geprägt sein dürfte.

Aber was der laut VRdS (Verband der Redenschreiber deutscher Sprache) beste Redner im Bundestagswahlkampf 2017 im Podcast auf die Frage antwortet, ob er im Zweifel dem Fußball oder seiner Partnerin den Vorzug gebe, wie es um seine Work-Life-Balance bestellt ist, warum man ein Herz für Hasen haben müsse, ob er sich als Womanizer oder Frauenversteher sieht und wie es sich anfühlt, „Posterboy“ oder „Bambi“ genannt zu werden, erlaubt einen tiefen Einblick in die Seele des bald schon zweitdienstältesten Chefs einer im Bundestag vertretenen Partei.

Ebenso die reflektierte Haltung zu seiner Kindheits-Adipositas („Ich war extrem schwer und fett“).

Im Laufe des Fototermins, der auf das Podcast-Gespräch folgte, bot Röseler (Foto, links) dem Interviewpartner das „Du” an – das sei unter Podcastern so üblich. Auch hier war Lindner einen Schritt voraus, seinen Podcast „Ein Thema, zwei Farben” hatte er bereits im November an den Start gebracht (und in einer der ersten Folgen dem Linken-Chef Dietmar Bartsch das Duzen vorgeschlagen).

Der FDP-Chef nahm das Angebot jetzt gut gelaunt an. Daher verabschiedet sich Dieter Röseler an diesem Montag so von Lindner:

„Alles Gute zum Geburtstag, lieber Christian. Lass Dich angemessen – also ordentlich – feiern!”

Weitere Beiträge zum Podcast:

„Die Besten im Westen – Im Osten nur Kosten?”

Zum Podcast-Start: Röseler befragt Röseler

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Redaktion

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1 Kommentar

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  1. Wenn man schon die präsidial gekreuzten Flaggen in Lindners Büro sieht, wird eines erneut klar: Lindner ist vor allem eins, ein selbstverliebter Selbstdarsteller. Herzlichen Glückwunsch nachträglich.