Die Seilbahn in Koblenz. Foto: A Savin/Wikimedia

Für die Lösung eines Teils der Bergisch Gladbacher Verkehrsprobleme gibt es eine Lösung, die in anderen Ländern erfolgreich erprobt wurde: Eine Seilbahn, die Gladbach sehr viel schneller mit Bensberg oder Köln verbinden könnte, als jedes Schienenprojekt.

Als sich im Dezember 2016 elf Bürgerinitiativen zu BBI-GL zusammenschlossen, ging es in erster Linie gegen den damaligen Entwurf für den Flächennutzungsplan (FNP-E), aber eben auch um viele andere Probleme der Bevölkerung. Dass das damalige Verkehrschaos in unserer Stadt, das sich seitdem nicht nur nicht verringert hat, zu den weiteren Schwerpunkten gehörte, ist nachzuvollziehen.

Anfang 2017 las ich in einer Auto-Fachzeitschrift von Seilbahnen, mit denen in einigen Städten der Welt Pendlerprobleme bewältigt werden. Berühmtestes Beispiel ist wohl La Paz, die Hauptstadt Boliviens. Dort wird die Stadt El Alto, in der sich der internationale Flughafen befindet, mit Seilbahnen erreicht, weil der Weg über der topografischen Lage wegen wenige normale Straßen bei einer Entfernung von ca. 22 km normalerweise 45 Min. in Anspruch nimmt, meistens jedoch mit 2 Stunden und mehr zu rechnen ist.

Ein Netz von zunächst 8 Seilbahnen befördert mit 1254 Kabinen über 31 Stationen in der Stunde bis zu 26.000 Personen. 4 weitere Linien befinden sich in Planung oder sind bereits eingesetzt, womit weitere 248 Kabinen, 8 Stationen und 8.000 Personen/Stunde hinzukommen. Es gibt viele weitere Beispiele, La Paz ist m.E. das eindrucksvollste.

Warum aber Bolivien, warum La Paz?

Sicher laufen Menschen zu Höchstformen auf, wenn sie vor besondere Herausforderungen gestellt werden. In Bolivien wussten die Verantwortlichen nicht mehr, wie sie den bis zu 2.000 m Höhenunterschied, täglich einigen 10.000 Pendlern und den wegen den Staus unglaublichen Umweltbelastungen Herr werden sollten.

Erst 2014 war die 1. Seilbahn fahrbereit, nun sind es schon neun. Die nächste kommt im März diesen Jahres und weitere 3 in 2020. Mit Unterstützung der Fa. Doppelmayr aus Österreich stellten die Verantwortlichen ein System auf die Beine, das seinesgleichen sucht. Dazu gehörte viel Vision, viel Mut und viel Denke, und alles wird seit 2014 durch die Erfolge belohnt.

Vision, Mut, Denke, besitzen das hiesige Politiker nicht?

Schon im August 2015 berichtete der STERN von Seilbahnen, die in vielen Städten der Welt Furore machten, nur in Deutschland nicht. In manchen Städten, so der STERN 2015, wollen die Bürger keine Seilbahn und setzen das per Bürgerentscheid durch.

Nur In Koblenz beförderte eine Seilbahn, geplant und gebaut zur Bundesgarten 2011, mit einer Förderleistung von 7.600 Personen/Stunde in beiden Richtungen die Besucher zur Feste Ehrenbreitstein auf dem anderen Rheinufer. Selbst die Institution „Weltkulturerbe“, die ihre Erlaubnis zum Bau geben musste, verlängerte selbige bis 2016, weil auch sie von der Effektivität der Seilbahn überzeugt ist.

Die Straßen und der ÖNVP sind doch schon da …

Die Anforderungen, die der ohne Unterlass steigende Verkehr, die vorhandenen, zu engen und nicht unendlich zu vermehrenden Straßen, die wachsende Bevölkerung und die immer stärker belastete Umwelt, jeweils mit den zukünftigen, ausufernden Kosten, lassen sich nur mit einem Vehikel vermeiden und verbessern, wobei auch noch viel Geld gespart werden kann:

Der Seilbahn!

 ch bin nun wirklich kein Propagandist der Fa. Doppelmayr, aber was das Unternehmen, das 1893 mit Liften begonnen hat und heute Weltmarktführer mit über 15.000 Anlagen in 95 Ländern, an Forschung und Entwicklung geleistet hat, ist bemerkenswert. Für jede denkbare Typografie und Gegebenheit hat das Unternehmen Möglichkeiten entwickelt, im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln preiswerter, schneller und kostensparender zu bauen und zu unterhalten. Aber warum nicht in Deutschland, und um überschaubar zu bleiben, warum nicht hier bei uns in BGL?

Die „Wählergruppe Gut“ hat dem Kölner Rat dieses Thema nähergebracht. Und siehe da, man will sich dem Personen-Transportmittel Seilbahn nähern, jedenfalls wesentlich intensiver als bisher, bringt aber sofort Einschränkungen in Stellung, weil erst andere Projekte Vorrang hätten. Dabei führt man die Ost-West-Tangente als Beispiel an, und da kommt man ins Lachen. So viel Unsinn, wie da von den einzelnen Parteien geplant und geäußert wird, spottet jeder Beschreibung. Aber Köln ist auch nicht mein Thema und ich gehöre auch nicht der „Wählergruppe Gut“ an.

Es genügt vollkommen, im eigenen Sprengel zu bleiben und dort den Kopf zu schütteln. Wie schon erwähnt, kennen Rat und Verwaltung die Lösung vielen Probleme von mir seit zwei Jahre, wobei ich nicht so vermessen bin zu meinen, das wäre nicht auch schon lange vorher bekannt gewesen.

Was aber mag die Politiker veranlassen, die Möglichkeit „Seilbahn“, die viele anstehenden und dringend zu lösenden Probleme bei Seite schaffen könnte, völlig zu ignorieren? Eine Seilbahn von Gladbach nach Bensberg, hoch über der alten Bahndammtrasse, lässt alle Befürchtungen hinsichtlich Umwelt, Bauzeit, topografischen Problemen, Anrainerenteignung, Effektivität, Kosten, Unterhaltung, zeitliche Machbarkeit und Lobbyisten-Gerangel hinter sich.

Die Überlegungen, die, durch Entscheidungen von Bahn und Stadt Köln erneut angestoßen, gerade wieder die Verlängerungen aller möglichen Schienenfahrzeugen verlangen, greifen erst in 25 – 35 Jahren, verschlingen Abermillionen und lassen uns bis dahin im Smog ersticken.

Eine Seilbahn aus BGL direkt nach Köln ist ebenso absolut denkbar wie eine von Rösrath nach Köln, BG oder BGL. Diese Objekte können in der Hälfte der Zeit konventioneller Straßenbaumaßnahmen und ÖNVP-Ertüchtigungen realisiert werden, würden den Gemeinden Millionen – auch in Zukunft – an Kosten sparen, können beim Bau im Gegensatz zum Straßenbau den allgegenwertigen Verkehr unangetastet lassen, führten die Diesel-Fahrverbote ad absurdum und würden die Belastungen durch Schadstoffausbringung, Lärm und Unfälle erheblich reduzieren.

Also, liebe Stadtväter, warum? Warum sperrt Ihr Euch, das Thema aufzugreifen und mit der Bevölkerung zu diskutieren? Warum begeht Ihr die gleichen Fehler wie die meisten anderen Städte auf dem Globus? Warum lehnt Ihr es ab, jetzt und in Zukunft weniger Geld ausgeben zu müssen? Warum ist für Euch diese Win-Win-Situation nicht denkbar?

„Dat hammer noch nie jemaat“ (und darum machen wir es auch jetzt nicht) und „Dat hammer immer su jemaat“ ( und darum machen wir es auch jetzt nicht), das sind die beiden Sätze, die sich manche Mitmenschen zu ihren Grundsätzen erhoben  haben. Wäre der Rest der Menschheit schon immer so verfahren, würden wir heute noch auf Bäumen sitzen.“

Rolf Havermann

wohnt seit 1982 in Bergisch Gladbach. Hat hier 30 Jahre lang sein eigenes Unternehmen geführt. War elf Jahre Vorsitzender eines Bensberger Karnevalsvereins. Ist nun dessen Ehrenvorsitzender und Rentner - und beschätigt sich seit Februar 2016 mit wachsender Intensität mit dem FNP.

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7 Kommentare

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  1. Sicher, ein gemütliches Schweben über die Baumwipfel hat seinen Reiz. Allerdings fürchte ich, dass Pendler*innen nicht gewillt sein werden, eine Stunde unterwegs zu sein, wo die Bahn nur 20 Minuten braucht. Daher bieten sich eher Verbindungen mit starker Steigung für Seilbahnen an – in Caracas und La Paz verlaufen diese auch nicht über den Hauptstraßen.

    Moderne Busse stoßen weder Co2 noch Feinstaub aus, und werden in Zukunft immer häufiger ohne menschlicheN Fahrer*in unterwegs sein. Bei einem 10-Minuten-Takt ist die Wartezeit nicht übermäßig lang, die Zahl der Fahrgäste beachtlich – auf sehr stark frequentierten Strecken bleibt jedoch die Schiene ‘alternativlos’.

    Die Wartung vieler baugleicher Busse ist deutlich billiger, weil die Techniker vor Ort sind und nicht für jede Kleinigkeit ‘eingeflogen’ werden müssen, dito Ersatzteile.

    Das Argument mit dem ‘Überflug’ privater Grundstücke überzeugt mich auch nicht, allerdings spielt es in Diskussionen zum Thema immer eine Rolle. Das wäre auch in Gladbach nicht anders, fürchte ich – und darauf müssen Seilbahn-Befürworter*innen sich einstellen.

  2. Als Skifahrer kennt man die Vorzüge einer guten Gondelbahn.

    Zwei Punkte, die noch nicht genannt wurden:

    – Wartezeit:
    ÖPNV ist für mich persönlich nur interessant, wenn ich nicht dauernd auf Abfahrtszeiten achten muss. Ich will möglichst zeitnah den Weg antreten. Da Seilbahnen stetig fahren, verkürzt sich die Wartezeit an der Haltestelle erheblich und man ist vielleicht sogar schneller am Ziel, da sich Wartezeit und schnellere Fahrzeit beim Bus ausgleichen.

    – Personalaufwand:
    In der Hauptreisezeit müssten sehr viele Busfahrer eingesetzt werden. Was machen diese, wenn die Bürger an Ihrer Arbeitsstätte sind? Fast leere Busse fahren?
    Über den Tagesverlauf ist das Personal einer Seilbahn besser planbar und auch insgesamt geringer.

    Aber ähnlich der KVB-Trasse über den Bahndamm wird man sich auch diesen Überlegungen verschließen.

  3. Ich glaube, man muss sich vom Attribut Schnelligkeit verabschieden, wenn man ein Verkehrsmittel sucht, dass die Vorzüge besitzt, schnell und sehr viel preiswerter als Straßen, Schienen, Busse und Bahnen gebaut zu sein, während des Baus den laufenden Verkehr nicht zu stören, nach Fertigstellung 3000 – 5000 Passagiere/Stunde immer in derselben Zeit von A nach B zu bringen, dabei keinerlei Schadstoffe auszustoßen, preiswerte Tickets verkaufen zu können sowie kombinierbar und kreuzungsfähig zu sein. Wenn aber Schnelligkeit noch immer als 1. Maxime in den Köpfen geistert, sollte man sich davon schnellstens verabschieden. Wenn Busse “wesentlich” schneller sind, wie viele Fahrgäste transportieren die denn in der Stunde, mit wieviel CO2 und Feinstaub verpesten sie die Luft und wie wollen die ihre Fahrpläne bei steigendem Verkehr einhalten?

    Wo welche Strecken mit Seilbahnen sinnvoll eingerichtet werden können, sollte Aufgabe von Experten sein, das maße ich mir nicht an. Überhaupt scheint es wichtiger zu sein, zunächst einmal solche m.E. nirgendwo sonst vorhandenen Vorteile zu beurteilen, bevor man mögliche Nachteile hochstilisiert. Aber dass die Wartungskosten für 485 Buslinien kleiner sein sollen als für mehrere Seilbahnen, erschließt sich mir nun wahrhaftig nicht.

    Sicher mag nicht jeder Haus- und Grundstückbesitzer über seinem Anwesen eine Seilbahn schweben sehen, wobei dieses Problem vor dem Hintergrund von Dieselverboten, immer stärker zunehmenden Erkrankungen durch Schadstoffausstoße und der Erderwärmung wohl nicht zu den dringendsten gehört. Jeder mag sich über Seilbahnen im Internet informieren, ich hoffe, auch die Stadtväter machen das. Köln hat schon einiges verstanden.

  4. Danke @Heribert für die Recherche.
    In Medellin und Caracas haben die Bahnen auch Zwischenstops, es ist also möglich.

    Nach Herrenstrunden würde die Seilbahn rund 20 Minuten brauchen – das ist langsamer als mit dem Bus oder dem Fahrrad. Auch müssten es Zubringer geben; der Ort selbst in klein.

    Die Verbindung Stadtmitte-Hebborn-Rommerscheid-Sand-Herkenrath wäre etwa genauso lang, schließt aber viel mehr Wohnviertel direkt an.

    Zur Frage der Wartung: Im VRS gibt es 485 Buslinien und entsprechend viele zu wartende Busse. Technik und Ersatzteile für eine einzige Seilbahnlinie bereitzuhalten ist teuer.

  5. Nachtrag zu meinem Kommentar:

    In La Paz ist das die ‘linea azul’ mit 4,7km Länge, 5Stationen, 3000Fahrgäste pro Stunde und pro Richtung; Fahrzeit 16,6min; entspricht 17km/h, kein Stau und keine Fahrbahn- oder Gebäudebaustellen, Wartungen m. E. nachts

    Eine Strecke in GL mit der Linie 426 ab S-Bahnhof bis Herrenstrunden im Zick Zack durch die Innenstadt bei mäßigem Verkehr und 7Stationen: Länge 4,9km mit der Fahrzeit: 12min: entspricht 24,5 km/h, verändert sich bekanntlich negativ mit Staus und Baustellen…….., Nebenschauplätze: Unfälle, Notbremsungen

  6. Zu den Fragen von U. Kleinert:

    zu 1.: Zwischenstationen? In La Paz haben die Seilbahnen Stationen, es sind m. E. bis zu fünf pro ‘Linie’
    zu 2.: Wartung: Muß gerechterweise der Wartung / Betriebskosten etc. von Bussen und Bahnen mit gleichem Transportvolumen gegenübergestellt werden.
    zu3.: Leuten in die Fenster gucken Das läßt sich teilweise mit aussen oder in Doppelscheiben horizontal angebrachten Lamellen-Durchsichten machen. Ansonsten sehe ich das gleiche Problem vom erhöhten Bussitz aus. Natürlic ist die reale Höhe maßgebend. Wie mit der Wuppertaler Schwebebahn und den Hochgleisen in Köln: Ist das ein Problem? Eher nicht.

    Grüße
    Heribert

  7. Danke, dass Sie das Thema ins Bewusstsein rufen!
    Seilbahnen sind kostengünstig in der Anschaffung, leise und platzsparend, und sie bewähren sich in Caracas, Medellin und La Paz als zuverlässiges Nahverkehrsmittel.

    Allerdings sind sie langsam (Medellin: 16 km/h), und das schränkt die Auswahl der geeigneten Strecken ein. Eine Verbindung von Gladbach nach Köln, Rösrath oder Bensberg ergibt nicht sonderlich viel Sinn, da die Entfernungen groß und die Topographie flach ist. Hier sind Busse wesentlich schneller, und Bahnen sowieso.

    Der große Trumpf von Seilbahnen ist, dass ihnen Höhenmeter egal sind. Interessant wird es also dort, wo auf kurzer Strecke ein großer Höhenunterschied überwunden werden muss (wie in La Paz) und Busse sich nur mühsam hinaufquälen.

    Wenn in Gladbach eine Seilbahn geplant wird, müsste sie die hochgelegenen Stadtteile anschließen: Rommerscheid, Sand, Herkenrath. Wäre nicht ein Zubringer zur S-Bahn vorstellbar, der gleichzeitig auch einen touristischen Wert hätte?

    Drei technische Fragen stellen sich allerdings:
    1. Sind Zwischenstationen möglich, oder nur ein Anfangs- und ein Endpunkt?
    2. Wie teuer ist die Wartung in einer Region, wo es sonst fast keine Seilbahnen gibt?
    3. Lassen sich die Gondeln so konstruieren, dass Fahrgäste nicht ‘den Leuten in die Gärten gucken’? Manche Zeitgenossen reagieren auf ‘Überflüge’ allergisch…

    Wenn das geklärt ist, dann her damit!