Das Bürgerportal startet mit dem Autor Oliver Buslau eine Krimiserie zum Anhören und Mitmachen: Jeden Monat löst Gero Gladberg in Bergisch Gladbach einen neuen Fall. Rätseln Sie mit und gewinnen Sie. Der erste Fall führt den Detektiv nach Herkenrath.

Text: Oliver Buslau
Illustration: Antje Schenker-Kortum
Sprecher und Produzent: Klaus Graf

Ausschlafen, frühstücken und dann am neuen Krimi weiterschreiben. Am Abend dann je nach Laune den neuen Tatort schauen.

So hatte sich Gero Gladberg den Tag eigentlich vorgestellt. Doch neben seinen schriftstellerischen Ambitionen als Autor von Bergischen Kriminalromanen hatte Gladberg noch einen Beruf: Er arbeitete als Privatermittler. Und an diesem Tag hatte er seine Planung mal wieder ohne seine potenziellen Kunden gemacht. Die wandten sich rund um die Uhr an ihn, an sieben Tagen in der Woche.

Gladberg hatte am Abend zuvor noch lange geschrieben, daher war er ein wenig schlaftrunken, als er sich am Telefon meldete. Aber er verstand genau, worum es ging.

Der Anrufer, ein gewisser Bernd Hilgenbach, war vor kurzem Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht geworden. „Es ist auf den Tag genau eine Woche her“, sagte er. „Ich wollte von der Ommerbornstraße in die Sander Straße nach links in Richtung Stadt einbiegen. Da kam von Herkenrath ein Wagen heruntergerast. Der Fahrer missachtete die rote Ampel, touchierte meinen Wagen vorne und fuhr einfach weiter. Das Kennzeichen konnte ich mir leider nicht notieren. Zum Glück gab es keinen Personenschaden, aber der finanzielle reicht mir auch. Und dazu der ganze Papierkram …“

„Es tut mir leid, dass Ihnen das passiert ist“, sagte Gladberg, der jetzt in der Küche stand und mit einer Hand an der Kaffeemaschine hantierte. „Aber wie kann ich Ihnen da weiterhelfen?“

„Ich habe bei dem Unfall den Fahrer kurz gesehen. Es war ein junger Mann, den ich der Polizei auch beschrieben habe. Nun habe ich ihn in der Stadt wiedererkannt und nach Hause verfolgt. Er heißt Sven Feldmann. Leider weiß ich nicht, wie ich ihm die Tat nachweisen soll. Ehrlich gesagt traue ich mich auch nicht, ihn zur Rede zu stellen.“

Gladberg versprach, den Fall zu übernehmen. Er ließ sich von Hilgenbach alle Informationen mailen. So erfuhr er, dass der Unfall genau um 14 Uhr 51 passiert war. Die Adresse, zu der Hilgenbach Feldmann verfolgt hatte, befand sich in Herkenrath in der Kirchgasse. Der verdächtige Wagen war ein silbergrauer Opel.

Gladberg holte sein Fahrrad aus dem Schuppen und fuhr nach Herkenrath hinauf. Feldmann schien selbst gerade aufgestanden zu sein, als Gladberg klingelte. Er war im  Bademantel.

„Was soll ich getan haben?“, fragte er, nachdem Gladberg ihm den Fall geschildert hatte. „Das ist garantiert eine Verwechslung.“

Er wirkte erstaunt, aber Gladberg kam es vor, als sei die Reaktion gespielt. „Das heißt, Sie fahren keinen silberfarbenen Opel?“, fragte er.

„Mein Vater fährt einen. Er wohnt zwei Häuser weiter. Und er verleiht seinen Wagen nur selten. Er ist ganz heikel mit dem Auto. Wenn ich in die Stadt runter will, nehme ich den Bus.“

Feldmann griff nach einem Kärtchen, das auf einer Kommode lag. „Hier, ich habe sogar eine Monatskarte. Gestern durfte ich ausnahmsweise mit dem Wagen meines Vaters fahren. Da hat mich der Mann, den Sie erwähnten, wohl gesehen. Aber wie gesagt, dass ich vor einer Woche damit unterwegs gewesen sein soll, stimmt nicht.“

„Waren Sie an dem Tag, an dem der Unfall geschah, denn in der Stadt?“, fragte Gladberg.

„Ja, war ich. Aber ich habe um zehn vor drei den Bus an der Haltestelle Ball genommen. Die Linie 453, wenn Sie es genau wissen wollen. Unten am Markt habe ich mich mit meiner Freundin getroffen. Sie können sie fragen. Ich habe nichts zu verbergen. Wir sind hinterher noch nach Köln gefahren.“

„Mit dem Auto?“, fragte Gladberg.

Feldmann verdrehte die Augen. „Nein, mit der S-Bahn, stellen Sie sich vor. Die Linie 11.“

„Kann ich auch mit Ihrem Vater sprechen?“

„Nein, er ist mit meiner Mutter zu Verwandten nach Gummersbach gefahren. Jetzt gehen Sie bitte, ich habe alles gesagt.“

Er gab Gladberg bereitwillig den Namen und die Telefonnummer der Freundin. Ob es etwas brachte, sie zu befragen? Wenn Feldmann der Schuldige war, hatte er sich vielleicht mit ihr abgesprochen. Doch als er wieder zu Hause war, rief Gladberg sie doch an.

Am Telefon wirkte sie, als habe sie keine Ahnung von der Sache. „Aber es stimmt, was Sven sagt. Er ist unschuldig. Wir haben uns am Markt getroffen. Das muss nach drei gewesen sein. Ich glaube, so um fünf nach. Der Bus braucht ja etwa eine Viertelstunde von Herkenrath.“

„Sehr genau sogar“, sagte Gladberg, der den Fahrplan überprüft hatte. „Es sind exakt 15 Minuten. Haben Sie Ihren Freund aus dem Bus steigen sehen?“

„Nein, das nicht. Aber da fällt mir was ein. Ich kann beweisen, wann wir uns getroffen haben. Wir haben gleich danach aus Quatsch ein Selfie vor dem Geldautomaten der VR-Bank in der Fußgängerzone gemacht. Ich habe fünfzig Euro abgehoben. Wir wollten ja noch nach Köln fahren. Ich kann Ihnen das Foto schicken.“

„Das ist nett von Ihnen, aber es beweist doch nichts. Das Foto könnte ja auch an einem anderen Tag entstanden sein.“

„Nein, kann es nicht. Sie werden schon sehen.“

Kurz darauf kam das Foto als Mail. Es zeigte Sven Feldmann mit einer jungen blonden Frau. Beide lachten Gladberg entgegen. Die Blondine hielt fünfzig Euro in der Hand. Sie standen direkt vor dem Geldautomaten, auf dessen Display das aktuelle Datum und die Uhrzeit zu erkennen war. Das Foto war am Tag des Unfalls eine Woche zuvor entstanden. Um 15:07.

Es schien alles zusammenzupassen. Oder hatte Feldmann den Unfall verursacht, das Auto abgestellt und war dann noch in den Bus gestiegen, der gerade auf dem Weg in die Stadt gewesen war? Die Linie 453 ging genau an der Unfallstelle vorbei.

Gladberg checkte noch einmal alle Informationen, und da fiel ihm etwas auf. Dass er darauf nicht früher gekommen war! Er hätte vielleicht doch mehr Schlaf gebraucht.

Das Selfie war echt. Die Freundin glaubte sicher wirklich, dass Feldmann unschuldig war. Doch die Geschichte, die er erzählt hatte, war gelogen, soviel war klar.

Gladberg rief Bernd Hilgenbach an. „Ich rate Ihnen, zur Polizei zu gehen“, sagte er. „Wenn Sie dort aussagen, was ich herausgefunden habe, wird man Ihnen weiterhelfen und Herrn Feldmann überführen.“

Jetzt sind Sie dran

Was brachte Gladberg auf die richtige Spur?

Schicken Sie uns Ihre Lösung per Mail und gewinnen Sie einen von sieben Preisen. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir

  • vier signierte Bücher von Oliver Buslau: „Wahn. Der 10. Fall für Remigius Rott”, „Schatten über Sanssouci” und „111 Werke der klassischen Musik” sowie
  • drei Einladungen zu einem Werkstattgespräch mit Oliver Buslau, Illustratorin Antje Schlenker-Kortum und Sprecher Klaus Graf.

Der Einsendeschluss ist der 24. März, 23:59 Uhr.

Die Lösung können Sie ab dem 25. März hier abrufen. Oder Sie abonnieren unseren kostenlosen Newsletter „Der Tag in GL” – dann werden Sie über die Lösung informiert und verpassen keine Folge.

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Foto: Susanne Prothmann

Zur Person: Oliver Buslau lebt seit 1992 in Bergisch Gladbach. Schon als Schüler und Student schrieb er für Zeitungen und war als Komponist und Musiker tätig. Nach dem Studium in Köln und Wien arbeitete er bei EMI Classics, als Verlagsredakteur und freier Autor von Texten über klassische Musik.

Seit 1999 schreibt Buslau Kriminalromane. Bekannt wurde er mit der Serie um den Wuppertaler Privatdetektiv Remigius Rott. Seit 2015 steuert er Geschichten zur Serie „Cotton Reloaded“ und seit 2017 zur klassischen Jerry-Cotton-Heftromanreihe bei. Auch als Autor vom Kurzkrimis und Kurzgeschichten hat sich Buslau einen Namen gemacht.

Als Musiker ist er Bratschist in Amateurensembles – unter anderem im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und im Bergisch Gladbacher Kammerorchester „Concertino“.

In seinen Krimis und anderen Büchern schlägt er immer wieder die Brücke von der Musik zur Literatur: 2017 veröffentlichte er den populären Musikführer „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“.

Alle Bücher von Oliver Buslau finden Sie im Online-Shop der Buchhandlung Funk, Bensberg.

Mehr Informationen über Oliver Buslau finden Sie auf seiner Website und in diesen Beiträgen.

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Oliver Buslau

spielt seit 2013 im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach Bratsche. Der studierte Musikwissenschaftler arbeitete bei der Schallplattenfirma EMI Classics, und ist unter anderem Autor von zehn Bergischen Kriminalromanen. 2017 veröffentlichte er das Sachbuch „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen...

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