Ein Blick ins – inzwischen gesperrte – Atelierhaus. Fotos: Helga Niekammer

Die Nachricht von der blitzartigen Schließung des Atelierhaus A24 im Technologiepark hat die Kunstszene der Stadt erschüttert. 27 Künstler haben ihre Wirkungsstätte verloren, die Begründung des Eigentümers weckt Zweifel. 

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Am Dienstagnachmittag war die Pressemitteilung der BEOS AG verschickt worden, wenige Minuten später hatten die Mieter des Atelierhauses in Moitzfeld ihre fristlosen Kündigungen im Postfach:

„Wir bedauern sehr, dass wir Ihnen für Ihre Mietflächen im Haus 24 des TechnologieParksaus Sicherheitsgründen die sofortige Kündigung aussprechen müssen. Ein Brandschutzgutachten ist zu dem Ergebnis gekommen, dass gravierende Brandschutzmängel vorliegen, die einen konkreten Gefahrentatbestand erfüllen. Aus diesem Grund müssen wir Sie leider auffordern, das Gebäude nur noch nach Anmeldung zu betreten. Eine dauerhafte Nutzung ist nicht mehr möglich.”

Die Künstler können ihre Räume nur noch unter Begleitung einer Brandwache betreten und ihre Sachen abholen, bis Mitte Mai müssen die Ateliers geräumt sein. Alternativen sind jedoch derzeit nicht in Sicht.

Karsten Panzer, der das A24 Atelierhaus organisiert, dort sein eigenes Atelier hatte und die A24 Galerie betrieb, weist auf die weitreichenden Folgen hin. „Mit dem Atelierhaus entfällt für 27 Künstler von jetzt auf gleich jede Arbeitsmöglichkeit.  Das ist insbesondere für die professionell arbeitenden Kollegen absolut existenzgefährdend”, sagt Panzer.

Karsten Panzer (M.) bei einer Vernissage im November im A24

Zudem müssten die gut besuchten Ausstellungen und Projekte in der A24 Galerie aus dem Kulturkalender gestrichen werden. Die Galerie sei weit und breit die einzige Präsentationsmöglichkeit für die freie Kunst-Szene in Bergisch Gladbach.

Zwar sind die wenigsten der Mieter des Atelierhauses hauptberuflich tätig, tatsächlich gibt es aber auf absehbare Sicht keine Ausweichmöglichkeiten. Die BEOS AG hat zwar ihre Hilfe in Aussicht gestellt, eine Unterbringung in anderen Gebäuden des Technologieparks aber ausgeschlossen.

Das Video von Helga Niekammer vom Tag des offenen Ateliers im Herbst 2018 gibt einen guten Eindruck von der Vielfalt des Atelierhauses:

Auch Bürgermeister Lutz Urbach hat seine Unterstützung zugesagt, die Verwaltung sei auf der Suche nach Übergangslösungen. Eine konkrete Immobilie oder gar der Beginn einer Nutzung könne jetzt aber noch nicht genannt werden, erklärt die Stadt auf Anfrage des Bürgerportals.

Hinweis der Redaktion: Nach der ersten Veröffentlichung des Bürgerportals haben sich bereits potenzielle Vermieter bei uns gemeldet. Falls es unter den Lesern Angebote und Ideen für eine Unterbringung der Ateliers oder wenigstens für Lagerräume gibt, melden Sie sich bitte per Mail.

Die betroffenen Künstler, die für einen Quadratmeterpreis von einem Euro (plus hoher Nebenkosten), das seit langem sanierungsbedürftige Gebäude am Rande des Technologieparks seit zwölf Jahren nutzen konnten, bestätigen, dass es mit dem Brandschutz schlecht bestellt gewesen sei. Dieser Zustand sei jedoch seit langem bekannt – daher werfe die plötzliche Kündigung Fragen auf.

Das Atelierhaus 24

Unter Umständen spielten wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Die BEOS AG hatte den Technologiepark Ende 2017 aus der Zwangsverwaltung übernommen und angekündigt, in die Modernisierung und Revitalisierung des Parks zu investieren. Dabei war auch von einer „Nachverdichtung” die Rede, wobei ein Ausbau der Flächen von aktuell 75.000 auf 130.000 Quadratmeter möglich sei.

Ob sich aber ausgerechnet das Gelände des maroden Atelierhauses dafür eignen, sei fraglich. Denn es stehe an einem schwer zu sichernden Hang. Zudem verfüge der Technologiepark über andere potenzielle Erweiterungsflächen.

Auf Nachfrage bestätigt BEOS, dass das als Atelierhaus genutzte Haus abgerissen werden müsse. Nun ist – neben dem Brandschutzproblem – auch von Schadstoffen im Gebäude die Rede. Die Frage, ob auf diesem Grundstück anschließend neu gebaut werden soll, bleibt offen.

BEOS arbeite „an konkreten Plänen für die Entwicklung des TechnologieParks”, heißt es in der Stellungnahme. Es seien Maßnahmen „im Bereich der Bestandsgebäude, der Neubauten sowie der Außenanlagen vorgesehen”. Der Leerstand reduziere sich kontinuierlich. Zwar seien noch rund 10.000 Quadratmeter frei, das seien jedoch hauptsächlich Büroflächen. Auch aufgrund von behördlichen Auflagen seien derzeit keine Produktions- und Lagerflächen verfügbar.

Ausdrücklich bedauert BEOS die kurzfristige Schließung. Doch würde ein „Aufenthalt im Atelier24 ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Künstler und Gäste bedeuten. Die Befunde des Brandschutzgutachtens sind eindeutig und lassen eine weitere Nutzung des Gebäudes nicht zu.”

Angesicht der verständlichen „Verwunderung, Enttäuschung und Trauer”, stehe das Unternehmen gerne bereit, weitere Fragen schnell und offen zu klären.

Weitere Beiträge zum Thema:

„Atelier 24“ im TechnologiePark muss geräumt werden

Was würde ohne „Würde”?

Zwangsverwalter findet Käufer für Technologiepark

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Als Mieter und somit Betroffener der Auflösung des A24 danke ich allen, die öffentlich Stellung beziehen und uns damit moralisch unterstützen.
    Jetzt, eine Woche nachdem wir die Kündigung erhalten haben und erste Recherchen dürchführten realisieren viele von uns erst, wie schwierig bis aussichtslos die Suche nach neuen Atelierräumen ist. Nach dem ersten Schock folgt nun die Erkenntnis, dass wir uns in einer existenziellen Krise befinden.
    Was gibt dieser Firma BEHREM und deren Verwaltungsgesellschaft BEOS das Recht, uns obendrein noch zu verhöhnen? Im Kündigungsschreiben sichert man uns die Unterstützung bei der Suche nach neuen Räumen zu und bedauert, uns im Technologiepark keine geeigneten Flächen anbieten zu können. Gleichzeitig werden auf Immobilienportalen freie Räumlichkeiten von 190 bis über 8300 qm angeboten.

  2. Lieber Lothar Sütterlin,
    hab Dank für Deinen empathischen Brief,
    der der A24 -Seele gut tut.
    Eine Stadt ohne Kunst, ohne Künstler,
    ist eine Stadt ohne Seele.
    Künstler brauchen Räume und
    Räume brauchen Kunst.

  3. Lieber Lothar! Liebe A24 Unterstützer!
    Es tut gut, in dieser Situation Solidarität zu bekommen. Vielen Dank dafür!!!!
    Bis jetzt konnte ich meine Bilder nicht bergen, weil uns Öffnungszeiten vorgeschrieben werden, die ich mit einer Vollbeschäftigung nicht einhalten kann. Ich mache mir Sorgen um meine Arbeiten.
    Uns wird der Zugriff verwehrt, als hätten wir nicht regelmäßig Miete gezahlt, sondern uns gesetzwidrig verhalten.
    Dieses Atelier nach 9 Jahren zu verlieren ist bitter. Es war mein künstlerisches Zuhause und Rückzugsort. Aber der Umgang mit uns, der setzt noch eine Schippe drauf.
    Das Brandschutzargument ist fadenscheinig und das Gutachten hat bisher keiner gesehen.

  4. Lieber Lothar,

    danke für Deinen Kommentar – Du sprichst uns A24 Künstlern aus der Seele- wir suchen alle verzweifelt nach neuen Atelierräumen. Schade, dass scheinbar die Kunst und die Künstler immer geopfert werden….

  5. Ein wesentliches Element der freien Kunstszene in Bergisch Gladbach soll beseitigt werden. Das Atelierhaus war Kristallisations- und Ausgangspunkt von Ideen. Was auch immer die wirklichen Gründe für die Schließung sein mögen, soll hier nicht erörtert werden. Ich frage mich aber nun: Ist dadurch Bergisch Gladbach jetzt die einzige Großstadt in Deutschland, die weder an das Fernverkehrsnetz der Bahn angeschlossen ist noch ein identifizierbares Zentrum für die freie Kunstszene hat?
    Eine Großstadt zeichnet sich unter anderem durch eine freie Kunstszene aus. Sie ist die Hefe im Teig, aus dem immer wieder neue Impulse ausgehen und Quell von sozialen und städtebaulichen Verschiebungen. München hat von seiner Kunstszene Schwabing erheblich profitiert, Berlin von der in Kreuzberg und Köln von der in der Südstadt, die alte Spinnerei in Leipzig ist gerade herausragendes Beispiel für die Entwicklung einer Szene mit internationalem Nimbus – sie hat unter anderem den Eintrag im Register des immateriellen Weltkulturerbes für Druckkunst erreicht. Selbst Trier – eine etwas kleinere Großstadt als Bergisch Gladbach – hat eine weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte freie Kunstszene, die sich in der TUFA konzentriert. Und Bergisch Gladbach?
    Mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, Bergisch Gladbach sei keine Großstadt, habe aber ein sehr hohes Potential, um den Sprung in die Riege der Städte zu schaffen. Es gibt Museen, Theater, Konzertsäle und Ausstellungsräume. Aber es braucht auch Visionäre, die nicht nur ihren eigenen (kurzfristigen, materiellen) Vorteil im Fokus haben. Ich meine, die Stadt Bergisch Gladbach und ihre Verwaltung sind in der Pflicht, auch unkonventionellem Denken und Schaffen einen Raum zu geben. In Anbetracht der vielen ungenutzten Räume sollte es Orte geben, die dafür geeignet sind.
    Häufig wird von Verwaltungsstellen damit argumentiert, dass dies und jenes wegen der Vorschriften nicht machbar sei. Sind aber nicht viele der Vorschriften gerade deshalb gemacht worden, damit sich die Verwaltung dahinter verstecken kann? Die Einschaltung von Gutachtern ist einerseits Zeugnis von der Unfähigkeit, einen Sachverhalt selbst zu bewerten, andererseits kann ein Gutachten den Auftraggeber exkulpieren. Man kann dann nur hoffen, dass der Gutachter objektiv bleibt und seine Ermessensspielräume nicht einseitig im Sinne seines Auftraggebers verwendet.

  6. Liebe Frau Naroska, gut gemeint ist nicht auch gleich gut gemacht. Es geht hier nicht darum, einfach nur ein Haus zur Verfügung zu stellen, auch wenn das als Abhilfe und Nothilfe kurzfristig schon bestimmt willkommen wäre und ein gut gemeinter Vorschlag ist. Es ist auch zunächst begeisternd, wenn man das eine, vielleicht den Abriss eines alten Gebäudes, mit dem anderen, einem neuen Standort, einer neuen Unterkunft für das Atelierhaus A 24 verbinden könnte.
    Tatsächlich aber ist es vielmehr. Es ist auch nicht nur eine ganz spezielle Historie von mittlerweile 12 Jahren des Atelierhauses A 24 am Ort im Technologiepark. Dazu kommt die Lage am Rande der Kölner Bucht, an der Abrisskante der Kölner Tiefebene, wo in früheren Jahren der Luftkurort Bockenberg angepriesen wurde.
    Es ist ein ganz spezifischer Standort, Technologie getrieben, innovativ und mit außergewöhnlichem Spirit. Nicht nur der Erfolg des Technologieparks lässt sich trotz erheblicher und ständiger Veränderungen daran festmachen, an dieser außergewöhnlichen Lage. Auch der Erfolg einer der größten Arbeitgeber dieser Stadt mit seinen weltweit erfolgreichen Produkten der Biotechnologie, lässt sich von dieser Lage beflügeln.
    Es ist die Inspiration dieser Lage, auf dem Höhenrücken, quasi im Königsforst gelegen, Nahe dem Forsthaus Steinhaus, dem Eingangstor und Portal für das Naturschutzgebiet Königsforst, für die Bergische Heideterrasse und als Informationszentrum für die Ressource Wald. 
    Zusammengenommen sind es all diese Einflussfaktoren, die ein erfolgreiches künstlerisches Arbeiten beflügeln. Immerhin sind es 27 Künstler mit einem zwischenzeitlich recht erfolgreich entwickelten Galeriebetrieb mit Besucherandrang.
    Es wäre also sehr zu begrüßen, wenn eine Unterkunft im Nahbereich dieses offensichtlich so inspirierenden Standortes gefunden würde. Auch käme es der weiteren Entwicklung dieser, wenn auch schon reich an Jahren, aber so jungen künstlerischen und sehr erfolgreichen Initiative für die Stadt zu Gute.
    Das Atelierhaus A 24, gelegen am Rande der Kölner Bucht, inspirierend für Künstler und Besucher. Viel Erfolg wünsche ich für die weitere Entwicklung.

  7. Das alte Arbeitsamt oder ehemalige Stadtarchiv wäre als Künstlerhaus bestens geeignet. Aber Künstler werden in Bergisch Gladbach offenbar ebenso wenig geschätzt wie “erhaltenswerte Gebäude”.
    Bereits Ende September haben sich engagiere Bürger mit einer Unterschriftenaktion an den Gestaltungsbeirat der Stadt Bergisch Gladbach gewandt:
    “Eine große Anzahl von Bürgern sind sehr in Sorge, dass nach einem Abriss des alten Arbeitsamtes ein klotziger Neubau entstehen könnte . . .
    Für das markante Gebäude am Anfang des „Strundorfs“ könnte eine andere Nutzung gefunden werden.
    Die Nachbarschaft und viele andere Mitbürger und Mitbürgerinnen würden es begrüßen . . .
    Ich lege insgesamt 108 Unterschriften der Personen bei, die es für keine gute Idee halten, das ehemalige Stadtarchiv abzureißen und als „Baufläche“ zu vermarkten. Diese regen deshalb an, über eine angemessene Nutzung des vorhandenen Gebäudes nachzudenken.”
    Es wäre durchaus eine angemessene Nutzung gewesen, dort ein Künstlerhaus einzurichten.