Unser Autor wollte den Landesbetrieb Straßen darauf aufmerksam machen, dass der Radweg zwischen Hebborn und Odenthal in einem besorgniserregenden Zustand ist. Hier dokumentiert er den Schriftwechsel – und fordert eine Übernahme der Radwegepflicht durch die Kommune.

Unsere Radwege sind in einem bemerkenswert schlechten Zustand. Aber vielleicht muss man nur mal Bescheid sagen, weil diejenigen, die für die Instandsetzung zuständig sind, immer nur mit dem Auto fahren?

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Für den benutzungspflichtigen Radweg zwischen Hebborn und Odenthal müssten eigentlich Bergisch Gladbach und Odenthal zuständig sein. Die Gemeinde Odenthal klärt auf: „Nein, dies ist eine Landstraße – und dafür ist der Landesbetrieb Straßenbau NRW (Straßen.NRW) zuständig“. Da diesem spontanes Antwortverhalten fremd ist, versuche ich es über die Landespolitiker aus unserem Rheinisch-Bergischen Kreis.

Anfrage des ADFC am 15.04.2018:

„Ich richte mich an euch, weil mir der Zustand des fahrbahnbegleitenden Radweges an der L270 zwischen Odenthal über Voiswinkel nach Bergisch Gladbach-Hebborn Sorgen macht. Da dies eine Landesstraße ist, sind die lokalen Behörden nicht zuständig.

Unterteilt man die Strecke in 3 Abschnitte, ergeben sich folgende Schwerpunkte:

Hebborn bis Wiebershausenerweg: Hier sollte dringend der Fahrbahnbelag erneuert werden. Auf der abschüssigen Strecke von Voiswinkel nach Odenthal fahren viele Schüler auf ihren Rädern und die Fahrbahn ist sehr schlecht. Es ist mir unklar, warum die Fahrbahn immer erneuert wird, die Hochboard-Fuß-/Radwege aber immer mehr verkommen.

Wiebershausenerweg bis Odenthal: Hier sind häufigere Reinigungsdienste erforderlich. Da das Stück am Waldrand liegt, liegen hier öfters Äste auf dem Weg. Hier wird relativ schnell gefahren.

Einmündung Sankt-Engelbert-Straße: Das hier nicht schon schwere Unfälle passiert sind, ist ein Wunder. Gerade die Radler aus Richtung Hebborn kommend werden oft nicht gesehen. Da es nur einen einseitig vorgeschrieben Radweg gibt, wäre zu überlegen, ob hier die Radbenutzungspflicht aufgehoben wird und in Richtung Odenthal Radfahrstreifen eingerichtet werden.“

Das Büro des Landtagsabgeordneten Holger Müller bearbeitete die Anfrage, und nach 10 (!) Monaten, kam die Antwort vom Landesbetrieb:

„Vielen Dank für Ihre E-Mail, in welcher Sie den Zustand der Geh- und Radwege im Zuge der L270 zwischen Odenthal und Bergisch Gladbach ansprechen. Gerne lasse ich Ihnen in Abwesenheit und stellvertretend für die Niederlassungsleiterin, Frau Bisoke, eine Antwort zukommen. Die Verzögerung bei der Beantwortung bitte ich zu entschuldigen.

Es gibt einen erheblichen Erhaltungsbedarf der Straßen sowie Radwege in der Region, deswegen erfolgt eine Dringlichkeitsreihung der Sanierungsmaßnahmen, die sich nicht nur nach dem Zustand, sondern auch nach der Verkehrsbelastung und Funktion im Netz richtet.

Der parallel zur L270/L296 verlaufende Rad-/Gehweg ist – insgesamt betrachtet – in einem guten bis akzeptablen Zustand. Daher ist er in der Priorisierung nicht im vorderen Bereich, so dass von einer grundhaften Sanierung in Kürze nicht auszugehen ist. Die Regionalniederlassung Rhein-Berg bzw. die zuständige Meisterei wird weiterhin – wie in der Vergangenheit auch – schadhafte Stellen ausbessern, sodass die Verkehrssicherheit durchgängig gewährleistet werden kann.

Die Reinigung des Radweges erfolgt nach dem bundesweit einheitlichen Leistungsheft für den Straßenbetriebsdienst, welches für den Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebes Straßenbau NRW verbindlich eingeführt wurde. Nach diesem werden Radwege 1,5 x jährlich gereinigt. Bei extrem starker Verschmutzung erfolgt eine Sonder-Reinigung.

Der Radweg ist an der Einmündung auch für aus der Sankt-Engelbert-Straße kommende Verkehrsteilnehmer deutlich als Zweirichtungradweg gekennzeichnet (s. Bilder). Zudem ist die Einmündung mit einem Stopp-Schild (VZ 206) und einer Haltlinie so ausgestattet, dass der einmündende Verkehr anhalten muss.

Grundsätzlich ist für die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht die Straßenverkehrsbehörde zuständig. Auch die Einrichtung eines evtl. Schutzstreifens obliegt der Straßenverkehrsbehörde. Beides – Radwegbenutzungspflicht und Schutzstreifen – ordnet diese bei Bedarf an. Diese Anordnung setzt der Landesbetrieb als Straßenbaubehörde anschließend um.“

Ich habe dann an das Büro unseres Landtagsabgeordneten zurückgeschrieben:

„Vielen Dank für ihre Mühe. Über die Antwort vom Landesbetrieb Straßenbau NRW bin ich mehr als erstaunt. Schauen Sie mal auf die angehängten Fotos. Seit Herbst 2018 schmücken 12 nette Warnbaken den Radweg. Die hat übrigens Straßen.NRW aufgestellt. Vielleicht war denen doch die Qualität unheimlich geworden. Dies ist immerhin ein stark befahrener Schulweg, ist abschüssig und wenn man rollen lässt, kommt man schon mal auf 40-45 km/h. Wenn die Kanaldeckel durch Laub/Schnee unsichtbar geworden sind (und nicht nur dann) ist das für die Zweiräder höchst gefährlich.

Erst hatte ich die Warnbaken als Ankündigung für zeitnahe Ausbesserungsarbeiten gesehen. Aber jetzt ist Ende Februar und nichts passiert.

Die Antwort stimmt auch nicht hoffnungsvoll, da dieser Radweg einer der besseren in unserer Region sein soll. In Voiswinkel selber, an der Einmündung der Sankt-Engelbert-Straße, ist es auch sicher, da es ein Stoppschild gibt. Vielleicht kann sich mal jemand an die Kreuzung stellen und die gefährlichen Momente dokumentieren. Normal ist, dass Autofahrer aus der Sankt-Engelbert-Straße in Richtung Hebborn getrieben sind, eine Lücke im Verkehr auf der Odenthaler Str. zu finden und zügig rechts abbiegen – egal ob Stoppschild oder Radfahrer quert. Bemerkenswert ist, dass trotz der gefährlichen Situation nicht mehr Unheil passiert.

Interessant ist auch, dass Straßen.NRW einen Mittelwert bei der Qualität des Rad-/Gehweges zu Hilfe nimmt und diesem dann – insgesamt betrachtet – einen guten bis akzeptablen Zustand bescheinigt. Gewiss ist ein Teil der Strecke gut. Dies hebt allerdings die Mängel nicht automatisch auf.

Erstaunlich ist auch, dass der Straßen-Fahrbahnbelag immer perfekt ist. Es konnte mir bisher niemand erklären, warum bei einer Instandsetzung einer Straße der Radweg nicht automatisch mit restauriert wird. Ich glaube nicht, dass sich der Verfasser der Antwort wirklich vor Ort kundig gemacht hat. Vom fernen Schreibtisch in Gummersbach lässt sich perfekt die Qualität der Radwege bewerten.“

Die Forderung des ADFC: Wenn es der Landesbetrieb nicht schafft, für sichere Radwege zu sorgen, dann muss der Bauhof der Kommune die Radwegepflicht übernehmen. Das Geld für diese Maßnahmen können sie sich gerne vom Land zurückholen. Dies wäre im Übrigen keine ungewöhnliche Vorgehensweise. Ich bin sicher, dass diese offene Baustelle in kurzer Zeit abgeschlossen wäre.

Wie heißt es auf der Seite von Bergisch Gladbach zum Thema „Verkehrssicherheit auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen“: Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht müssen Straßenschäden, die im Laufe der Zeit durch Materialermüdung, Abnutzung und Verschleiß entstanden sind, ausgebessert oder grundhaft saniert werden.

Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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  1. Die einzige Art die Dinge grundsätzlich zu ändern:
    https://www.wahl-o-mat.de/europawahl2019/
    Finden Sie raus, welche Partei bei den Wahlen für mehr ECHTE Bürgerbeteiligung und konsequenten Klimaschutz steht.

    Nur so ändern wir aus meiner Sicht die Zustände langfristig und erhalten unseren Kindern eine lebenswerte Welt.

  2. Moin,

    wenn es um’s radfahren geht, ist das Ergebnis in GL-Behörden relativ vorhersehbar. So wie hier. auch wenn das hier gegen alles möglcihe verstößt, um die Radwegebenutzungspflicht kümmere ich mich wenig. es wird der beste weg benutzt. und das ist in der Regel die Straße.
    die glabacher autofahrer kennen das und sagen nix. denn bei mind. 20 Stundenkilometer ist der Radweg in der Regel nicht zu empfehlen. außer Gullis sthen meist Bäume oder Fußgänger oder Laternen im Weg.

    Habt einen schönen Mai!

    P.S. Die Kinder fahren meist mit dem Bus oder dem Mama-taxi und haben da meist keien Priorität für Kommunalhaushalte.

  3. Also ganz ehrlich: Die Posse mit der Zuständigkeit ist sicherlich ärgerlich aber es gibt garantiert Wege in einem schlimmeren Zustand!

    Lediglich die Barken und die Wasserrinne geben ein Rätsel auf, welches jetzt zumindest für mich geklärt wurde.

  4. Ich habe erst kürzlich die fehlende Beleuchtung der Odenthaler Str. von Voiswinkel nach Gladbach angezeigt. Vor allem der Bereich um die Bushaltestellen sollte beleuchtet sein, aber auch der Rest, wo viele Autofahrer auf Fernlicht wechseln, da Sie ja “Ausserorts” fahren und es da stockdunkel ist. Dort wird man dann als auf dem Fuß/Radweg ständig geblendet.
    Antwort der Stadt in Kurzform:
    Mein Anliegen ist auf einer Wunschliste aufgenommen worden, Budget ist aber klein und die Kosten hoch. Soll mir keine großen Hoffnungen machen. :-(

  5. Die Antwort kam also 10 Monate später am 13.09.2019? Lebt der Autor in der Zukunft?

  6. Ähnliche Diskussion hatte ich auch schonmal mit denen allen, allerdings ging es mir lediglich ums Schneeräumen im Winter, da der Weg am zweiten Schneetage wegen Überfrierung nicht mehr mit dem Rad befahrbar ist. GL erklärte sich nicht für zuständig, Tags darauf fuhr ein kleines Räumfahrzeug die Odenthaler Straße in Richtung GL, hätte auch einfach den Radweg räumen können. So ist man gezwungen im Dunkel auf der Odenthaler Straße zu fahren, bei (min.) 70 km/h Autos. Sicherheit wird halt groß geschrieben in GL. Und die Anliegen der Bürger diesbezüglich interessieren sowieso keinen aus dem Rathaus.

  7. Die Strecke von Schildgen nach Odenthal, die auch vorwiegend von den Schülern benutzt wird, ist ebenso desolat: Wurzeln die den Asphalt anheben, Löcher, sogar gefährliche Rillen in Fahrtrichtung!
    Trotz Meldung per ,,stadtradeln-App“ passiert hier nichts.

  8. Der Abschnitt Voiswinkel-Odenthal ist in der Tat einer der besseren, mal von den Gullideckeln abgesehen. Das Teilstück Hebborn-Voiswinkel sollte dagegen schleunigst erneuert werden – aber wie sich beim Radweg Moitzfeld-Herkenrath zeigt, führen nicht einmal schwere Unfälle dazu, dass das Problem angepackt wird.

    Muss es erst zu teuren Klagen kommen – oder braucht es mehr Bürger*innen, die sich beschweren? Wer startet eine Petition an die zuständigen Landesstellen?

  9. Guten Tag,

    über einen Zeitraum von knapp 10 Jahren war die Strecke Gladbach-Voiswinkel-Altenberg-Blecher meine tägliche Radstrecke zur Arbeit in Burscheid. Die straßenbegleitenden Radwege, insbesondere die Gefällstrecken waren mir als Vielfahrer ein großes Ärgernis, zumal es bergab schon zu Beinahstürzen, aufgrund des katastrophalen Zustandes des Belages, gekommen war. In der dunklen Jahreszeit sah ich mich gezwungen, zusätzlich wegen des entgegenkommenden blendenden Autoverkehrs, mich über die Benutzungspflicht hinwegzusetzen, um unfallfrei meine Fahrt gewährleisten zu können.
    Als der inzwischen seit ein paar Jahren gut asphaltierte Radweg nach Altenberg noch im argen Zustand war, habe ich meistens den längeren Weg über Glöbusch inkauf nehmen müssen; dort war jedenfalls kein schlechter Radweg zu benutzen!

    Auf ein gutes Radljahr…

    Albertus

  10. Guter Beitrag Herr Werheid,
    vor allem das Sie auch das „Antwortschreiben der zuständigen Behörde“ kommunizieren.
    Überall dort wo der interessiert-engagierte Bürger auf Missstände aufmerksam oder gar praktikable Verbesserungsvorschläge/-Anregungen macht, bekommt er ähnlich gelagerte „Antworten“ die eines gemein haben: „Zuständigkeits-Ping-Pong“, gepaart mit einem „Schuss Behörden-Arroganz“.In unserer Gesellschaft vermisse ich eine „Macher-Mentalität“. Wenn der erste schwere Unfall passiert ist wird wieder auf die „anderen Zuständigen“ verwiesen….Fahren Sie mal von Hebborn / Kreuzung Reuterstraße/Alte Wipperfürther Str. nach Hand mit dem Rad: die gleiche Situation. Als „Alibi“ hat man Schilder aufgestellt die die Radwegebenutzungspflicht vorübergehend aufheben. Also wir „sind es nicht Schuld wenn du auf die Schnautze fliegst….“. In Zeiten wo die Zweirad-Mobilität immer wichtiger wird für unseren Lebensraum muß diese Schwachstellen mal ein „kommunaler Macher“ anpacken (wollen). Immer nur darauf zu verweisen das „kein Geld“ da sei, kann sich der Bürger als „ständiges Grundsteuererhöhungsopfer“ an sich nicht mehr bieten lassen.
    Insbesondere wenn dieses „Argument“ durch völlig unnütze und überzogene „Stadthausphantasien“ (über die wahren Kosten werden sich, meine Prophezeiung, -bis auf uns wache Bürger-, „diese Macher“ noch wundern) selbst konterkariert wird.
    Abschließend noch ein weiteres Beispiel für Fahrrad-Autonutzung: der Zustand der Dr.-Robert-Koch-Str.. Wenn ein Schwerverletzter es mit dem „Klinomobil“ bis hier geschafft hat läuft er Gefahr durch diesen Straßenzustand auf den letzten Metern zum MKH/GFO doch noch ums Leben zu kommen….Auch der Fahrradfahrer rollt auf dieser abschüssigen Fahrbahn gefährlich. Da der Bürgermeister aber hier in unmittelbarer Nähe seinen Dienstwagen-Parkplatz hat, hätte an sich eigentlich dort schon mal was passieren sollen…….()…..
    Ich wohne seit 37 Jahren in Bergisch Gladbach: passiert ist nichts. Übrigens: an so vielen anderen Stellen auch nicht….

  11. 2. Mai 2019

    Guten Tag!

    Ich habe u. a. schon im Jahre 2012 bei Straßen NRW in Burscheid-Hilgen den fürchterlichen Zustand des Fuß- und Radweges von Voiswinkel runter nach Odenthal-City reklamiert.

    Auch bei starkem Regen ist dieser Weg nur mit Gummistiefeln zu begehen, weil die Abflussrinne zugemüllt bzw. zugewachsen ist und der Weg selber mal zum Hang und mal zur Straße hin geneigt ist.

    Zur besseren Verständlichkeit, ich will damit sagen, dass Wasserbäche mal zur einen Seite und mal zur anderen Seite hin sich ihren Weg suchen.

    Ergänzung: Vor etlichen Jahren ist die Abflussrinne mal gesäubert worden und ich wohne seit etwas mehr als 12 Jahren in Odenthal-Voiswinkel.

    Und der Fuß- und Radweg von Voiswinkel nach GL ist ebenfalls im miserablen Zustand!

    Mit freundlichen Grüßen
    Claus Oppenkowski
    aus Odenthal dem Tor zum Bergischen Land

  12. Das erinnert mich an den alten Radweg von Altenberg nach Odenthal.
    Das hat auch Jahre gedauert bis der Erneuert war.

    Die Strecke Odenthal nach Hebborn fahre ich auch Regelmäßig.
    Da sind die Fotos noch schmeichelhaft.