Migrantinnen mit kleinen Kindern haben es oft schwer, Deutschkurse zu besuchen. Im „DeutschLernTreff“ können sie in vertrauter Atmosphäre die Sprache lernen, während ihre Kinder betreut werden.

Die Sprache der neuen Heimat beherrschen: Das ist für viele Migrantinnen und Migranten, die als Geflüchtete nach Deutschland kamen, immer noch Wunschdenken. Besonders junge Frauen, die kleine Kinder zu versorgen haben, sind hier besonders benachteiligt. Dem setzt die Kontaktstelle im Wohnpark Bensberg (KiWo) einen niederschwelligen „DeutschLernTreff“ entgegen.

Einmal in der Woche zwei Stunden lang trifft man sich hier in ungezwungener Atmosphäre, spricht und lernt die deutsche Sprache und – ganz wichtig – kann guten Gewissens die Kinder in qualifizierte Betreuung abgeben. Träger der Einrichtung ist die GL Service gGmbH, für die Finanzierung des Projektes – sprich Übernahme der Honorare für Lehrkraft und Kinderbetreuung – sorgt seit 2017 der Integrationsrat der Stadt Bergisch Gladbach mit rund 3.500 Euro jährlich.

„Überzeugt hat uns vor allen Dingen, dass hier ein Angebot für Frauen geschaffen wurde, deren Kinder noch zu klein für die Kita sind oder die keinen OGS-Platz gefunden haben“, erläutert Redouan Tollih, stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrates.

Das Angebot richtet sich nicht nur an Geflüchtete, sondern generell an (junge) Erwachsene, die aufgrund ihrer Migrationsgeschichte Bedarf haben, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Die Betreffenden wohnen meist im Wohnpark Bensberg oder in der näheren Umgebung. Im Einzel- oder Gruppenunterricht erlernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrem Kenntnisstand entsprechend Deutsch in Wort und Schrift durch zwei erfahrene Deutschlehrerinnen.

Das niederschwellige Angebot ist freiwillig; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zum Zeitpunkt des Angebotes sind die Fachkräfte der KiWo als direkte Ansprechpartner anwesend.

Vielfach haben Frauen, die am Deutschunterricht sehr großes Interesse zeigen, kleine Kinder zu versorgen und könnten ohne Kinderbetreuung nicht am Kursus teilnehmen. Deshalb bietet die KiWo während der Unterrichtszeit eine Kinderbetreuung durch eine Heilerziehungspflegerin an.

Das Angebot dient dem Erlernen und Vertiefen der deutschen Sprache sowie der Beseitigung von Unsicherheiten im sprachlichen Umgang durch Lernen in einer Kleingruppe in vertrauter Atmosphäre. Es soll die Teilnehmer/innen auf die alltägliche, schulische und/oder berufliche Zukunft vorbereiten. Gleichzeitig soll das Angebot aber auch Berührungsängste abbauen und somit die soziale und kulturelle Integration fördern.

Durch die Anbindung an die KiWo und damit an das soziale Netzwerk Bergisch Gladbach besteht außerdem die Möglichkeit, die Teilnehmer/innen und sämtliche Familienmitglieder bei Bedarf mit zusätzlichen Hilfsangeboten zu versorgen. Die KiWo verfügt über vielfältige Angebote wie beispielsweise Erziehungs- und Lebensberatung, BabyTreff, KinderTreff, GrundschulBegleitungsTreff, Eltern-Kind-Reiten, FrühstücksTreff, Internationaler KochTreff, SchülerHilfeTreff, JugendTreff, BewerbungsBeratung usw.

Vertraute Umgebung, individuelle Lerninhalte

Für den Unterricht stehen zwei Räume zur Verfügung. Im größeren Raum finden der Unterricht und die Kinderbetreuung gleichzeitig statt. Im zweiten, abgetrennten Raum kann weiterer Gruppen- oder Einzelunterricht stattfinden. Da das Vorwissen der Teilnehmer/innen sehr unterschiedlich ist, wird in zwei Gruppen gelernt. Somit können sich die Lehrerinnen gezielt auf den Wissensstand und die Bedürfnisse der Teilnehmer/innen einstellen.

Die Teilnehmer/innen der ersten Gruppe erlernen das Alphabet und werden befähigt, kleine Texte langsam zu erlesen. Durch gezielte Sprachanlässe wird der Wortschatz erweitert, wiederholt und gefestigt. In dieser Gruppe werden die Unterrichtswerke „Deutschtraining für Flüchtlingskinder“ und „ABC Schritte plus“ eingesetzt.

Im mathematischen Bereich bewegen sich die Teilnehmer/innen im 20iger-Raum und lösen Plus- und Minusaufgaben. Die zweite Gruppe arbeitet mit den Unterrichtswerken „Erste Hilfe Deutsch“, „Pluspunkte Deutsch A1“ und „Ich spreche deutsch“. Hier werden zusätzlich erste grammatische Strukturen erarbeitet.

Neben dem reinen Spracherwerb werden gezielt auch Alltagsthemen in den Unterricht integriert. So werden beispielsweise auch Themen wie Kindererziehung und -gesundheit, gesundes Essen, Einkauf, Schule und Beruf in den Unterricht einbezogen und ein kultureller Austausch unter den Teilnehmerinnen gefördert.

Auch die Kinderbetreuung dient der Entwicklungsförderung und Sprachförderung. Die KiWo verfügt über vielfältiges Spielmaterial, das für alle Altersklassen geeignet ist.

Die oft noch sehr kleinen Kinder bleiben während der Betreuung im Blickfeld der Mutter und umgekehrt, um beiden die nötige Sicherheit zu geben und entspanntes Spielen oder Lernen zu ermöglichen. Im Laufe der Zeit lernen die Kinder vertrauensvoll, sich während des Unterrichts selbst spielerisch zu beschäftigen und die Spielvorschläge der Heilerziehungspflegerin anzunehmen. Sie nehmen wahr, dass die Mutter nun zwar konzentriert lernen möchte, aber dennoch stets in ihrer Nähe bleibt.

Wirkungsvolles Instrument der Integration

Im Jahre 2018 haben ca. 32 Teilnehmerinnen an 36 Terminen teilgenommen. Das Angebot wurde ausschließlich von Frauen genutzt. Die Teilnehmerinnen und deren Kinder nutzten meist auch andere Angebote der KiWo und konnten so weiter begleitet werden.

Die Stärke des Angebotes beruht dabei auf der sehr individuellen Anpassung an die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen. „Der DeutschLernTreff“ soll in der bewährten Form fortgesetzt werden; der Integrationsrat der Stadt hat dies nun mit seiner finanziellen Zusage für 2019 sichergestellt.

Pressestelle Stadt BGL

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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