Josefine Schupp in ihrem Zimmer in der WHB Refrath. Fotografie: Irina Rasimus

Bei ihrer Geburt galt sie als nicht lebensfähig, doch jetzt feiert Josefine Schupp ihren 80. Geburtstag in der „Wohnhaus für Behinderte Refrath gGmbH”. Eine absolute Seltenheit bei Menschen mit Down-Syndrom.

Als Josefine Schupp 1939 auf die Welt kam, hätte wohl niemand gedacht, dass sie jemals ihren 80. Geburtstag feiern würde. Die Neugeborene galt als nicht lebensfähig und wurde notgetauft. Aber Josefine überlebte: Heute erfreut sie sich bester Gesundheit und feiert im Juni ihren runden Geburtstag.

Das gibt doppelten Anlass zum Feiern: Denn Josefine Schupp hat das Down-Syndrom, und ihre Lebenserwartung ist in Europa damit zwar von durchschnittlich neun (1929) auf 60 Jahre (2004) gestiegen, dennoch erreicht nur etwa jeder zehnte Mensch mit Down-Syndrom das 70. Lebensjahr.

Daher organisiert die WHB Refrath gGmbH, ein Wohnverbund für Menschen mit Behinderung in Bergisch Gladbach, in dem die Seniorin lebt, eine große Feier für sie. „Wo wir uns auch umgehört haben – es ist eine absolute Besonderheit, dass Josefine dieses Alter erreicht hat, und das bei so guter Konstitution“, erzählt Erzsébet Endlein (Foto l.), Referentin der Geschäftsführung.

Bis auf eine leichte Herzschwäche – eine häufige Begleiterscheinung beim Down-Syndrom – geht es Josefine Schupp gesundheitlich immer noch sehr gut, das Gedächtnis funktioniert, die Sprache ist klar.

Wie das Leben von Menschen mit Down-Syndrom verlaufen kann, rückt nicht oft ins öffentliche Bewusstsein. Neben der Gen-Mutation teilen Betroffene zwar meist weitere typische körperliche Merkmale, häufig sind auch kognitive Fähigkeiten beeinträchtigt.

Die individuelle Entwicklung aber ist sehr unterschiedlich, auch aufgrund besserer Gesundheitsversorgung und Förderung. Mittlerweile gibt es Menschen mit Down-Syndrom, die Abitur gemacht oder studiert haben.

Josefine Schupp (2.v.r.) mit ihren Geschwistern

Vor den Nazis versteckt

Auch Josefine Schupp hatte ein sehr bewegtes Leben. Sie wuchs im Krieg auf, der Vater fiel, und erst im Alter von drei bis vier Jahren wurde ihre Behinderung festgestellt. Fortan versteckte sie die Mutter aus Angst, dass die Tochter ihr weggenommen und wie andere behinderte Menschen durch die Nationalsozialisten umgebracht werden könnte.

Josefine Schupp machte zwar keinen Schulabschluss, durch ihre Geschwister lernte sie jedoch Zahlen und ihren Namen schreiben. Sie lebte bei ihrer Mutter, bis diese 1990 starb, anschließend bei der Familie ihrer Schwester, wo sie im Haushalt und bei der Kinderbetreuung half.

Seit 1977 war sie außerdem in der Werkstatt der Lebenshilfe Refrath beschäftigt. Als die idyllisch gelegene WHB Refrath gGmbH vor 25 Jahren eröffnete, war Josefine Schupp eine der ersten, die einzog.

Josefine Schupp mit Betreuerin und Freundin Rosi Schmitz vor dem Eingang des Wohnverbundes

„Josefine ist unser Herzblatt”

Die Einrichtung, die auch Betreutes Wohnen anbietet, umfasst sechs Gruppen, in denen Menschen zwischen 20 bis 80 Jahren mit unterschiedlichsten Behinderungen zusammenleben. Seit 2004 ist Josefine Schupp Rentnerin, aber noch heute erledigt sie mit großer Freude kleinere Tätigkeiten in ihrer Gruppe: Tisch decken und abräumen, beim Einkauf helfen.

„Josefine ist unser Herzblatt – sie ist fürsorglich und hat das sonnige Gemüt, das viele Menschen mit Down-Syndrom verbindet“, schwärmt Mitarbeiterin Rosi Schmitz. „Sie pflanzt mit uns Blumen, malt gerne, strickt und ist ausdauernd beim Puzzle-Spielen.“

Bis vor wenigen Jahren ist sie mit der WHB noch gereist. „Alle zwei Jahre machen wir mit unseren Bewohnern einen größeren Urlaub“, erzählt Rosi Schmitz. „Wir waren zusammen auf Teneriffa, in Bulgarien und Griechenland. Mittlerweile möchte Josefine zwar nicht mehr fliegen, fährt aber immer noch gerne in den Norden, nach Bremen oder Holland.“ Ihre Familienangehörigen holen sie regelmäßig zur Übernachtung oder zu Feiern zu sich.

Zum Geburtstag ein besonderes Fest

Auf die anstehende Feier freut sich Josefine Schupp besonders. „Sie liebt viele Menschen, gute Musik, eine schöne Umgebung, leckeres Essen und Getränke“, berichtet Erzsébet Endlein.

Diese Wünsche sollen nach dem Team der WHB, ihrer Schwester Annemarie und der gesetzlichen Betreuerin auch erfüllt werden: „Schmuckstückchen 2008 e. V.“, der zweite Kölner Frauenkarnevalsverein, tritt auf und spendet eine mehrstöckige Torte, das Duo „Pascal“ kommt vorbei, das im Bergischen Karneval auch für Menschen mit Einschränkungen spielt.

Auch Vertreter von Politik, Kirchengemeinde und Lebenshilfe gratulieren und feiern mit Bewohnern und Mitarbeitenden den freudigen Anlass: „Eine Acht und eine Null“, wie Josefine Schupp es ausdrückt.

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WHB Refrath

Die Wohnhaus für Behinderte Refrath gGmbH ist ein Wohnverbund für Menschen mit Behinderung in Bergisch Gladbach

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