Auch der Wertstoffhof wird über die Gebühr für die Restmülltonne mit finanziert.

Wieso bezahlt jemand in der einen Stadt zwei Euro für den Liter Restmüll und in der anderen Stadt drei Euro? Und wieso zahlt so mancher bei drei Euro Müllkosten pro Liter am Ende trotzdem weniger für seinen Restmüll als in der günstigeren Stadt?

In Bergisch Gladbach beträgt die Gebühr für eine 120 Liter Restmülltonne 336 Euro im Jahr (Details siehe unten). Da pro Einwohner und Woche ein Regelvolumen für den Restmüll von 7,5 Litern* festgelegt ist, können sich diese Tonne bis zu acht Personen teilen, so dass pro Jahr nur Kosten von 42 Euro pro Person entstehen. Nutzt man zusätzlich eine 240 l Biotonne, kommen pro Person 11 Euro dazu, insgesamt also 53 Euro jährlich.

Hinweis der Redaktion (1): Die Stadtverwaltung reagiert mit diesem Beitrag auf eine Studie des Institut der Wirtschaft für den Eigentümerverein Haus und Grund. Demnach erhebt Bergisch Gladbach die dritthöchsten Müllgebühren in ganz Deutschland. Die Aussagekraft dieses Vergleiches wird angezweifelt, weil die Berechnung auf Basis eines Musterhaushaltes erfolgt und lokale Besonderheiten keine Rolle spielen. Die ganz Studie finden Sie hier. Hier finden Sie die Kritik.

*Hinweis der Redaktion (2): Die Stadtverwaltung hatte zunächst fälschlicherweise das Regelvolumen für den Restmüll mit 15 Litern pro Woche angegeben, gemeint waren aber zwei Wochen. Daher haben wir den ersten Absatz korrigiert. Auch der weiter unten mit * gekennzeichnet Absatz ist hinzugekommen.

Das liegt daran, dass in Bergisch Gladbach auch Biotonnen, Papiertonnen und Gelbe Säcke im Einsatz sind. Das verringert die Menge an Müll, die in den Restmüllbehälter geworfen wird.

Niedriger Preis, mehr Müll = höhere Kosten

In einer anderen Stadt, in der der Liter Restmüll zum Beispiel nur zwei Euro kostet, ist aber ein Regelvolumen von 30 Litern pro Einwohner festgelegt, so dass sich die gleiche Tonne dort nur vier Personen teilen können und somit jährlich 60 Euro zahlen müssen.

Konkret in Bergisch Gladbach beträgt die Jahresgebühr bei vier Personen, der Vergleichsfamilie, für 60 L Restmüll und 120 Liter Bio 204 Euro, also 54 pro Person im Jahr.

Faktisch ist damit die Abfallentsorgung in der Stadt mit der höheren Behältergebühr günstiger als diejenige in der Stadt mit der vermeintlich billigeren Tonne.

Hohe Kosten von Leverkusen und Lindlar durchgereicht

Die Höhe der Abfallentsorgungsgebühren in Bergisch Gladbach wird stark von Kosten geprägt, die entstehen, wenn die Stadt den Müll in die Entsorgungs- und Verwertungsanlagen in Leverkusen und Lindlar bringt. Sie machen rund 50 Prozent der über die Behältergebühr umgelegten Gesamtkosten aus. Eine Wahlmöglichkeit besteht hier nicht, denn die Stadt unterliegt rechtlich einer Andienungspflicht.

Kosten Folgekosten der Altdeponien

Die Stadt Bergisch Gladbach trägt auch hohe Kosten für die Nachsorge der Altdeponien im Stadtgebiet.

Annahmestellen inklusive

Und auch die zwei Annahmestationen des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebes – der Wertstoffhof in Gronau und die Annahmestation Birkerhof – bei denen Privathaushalte etwa kostenlos Elektroaltgeräte oder Schadstoffe aus Haushalten entsorgen können, verursachen Kosten.

Mit Restmüll werden viele andere Dienste mit bezahlt

Letztendlich ist die Restmülltonne Kostenträger für eine Vielzahl von Leistungen, für die keine separaten Gebühren erhoben werden: Sperrmüllabfuhr, Papiersammlung, Schadstoffsammlung, Papierkorbleerung, Laub- und Reisigabfuhr, Weihnachtsbaumsammlung, Elektroaltgerätesammlung und vieles mehr.

Je umfangreicher das Serviceangebot für den Bürger, desto höhere Kosten entstehen, da auch eventuelle Erlöse für manche Abfallarten die Sammelkosten bei weitem nicht decken.

Vom Abfall fließt kein Geld in die Stadtkasse

Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat seine Abfuhrlogistik, Behälter- und Auftragsverwaltung in den vergangenen Jahren optimiert und führt dies kontinuierlich fort. Als eigenbetriebsähnliche Einrichtung ist er mit eigenem Wirtschaftsplan vom städtischen Haushalt abgekoppelt. Eventuelle Überschüsse fließen so nicht in den städtischen Haushalt, sondern werden den Gebührenzahlern in den folgenden Kalkulationen wieder gutgeschrieben.

Die nach kaufmännischen Grundsätzen geführte Gewinn- und Verlustrechnung ist dabei transparent, wird jährlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern geprüft und den zuständigen städtischen Gremien offengelegt.

Weitere Informationen zum Abfallwirtschaftsbetrieb finden Sie auf der Website.

Dokumentation: Die aktuellen Müllpreise

Weitere Beiträge zum Thema:

Müllgebühren steigen, Straßenreinigung wird preiswerter

Warum der Müll in Bergisch Gladbach so teuer ist

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Pressestelle Stadt BGL

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2 Kommentare

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  1. Es werden immer nur die Kosten bekannt gegeben. Wie eigentlich sieht es mit den Erträgen z.B. bei Altpapier und Metallschrott aus? Ich weiß, die gehen alle irgendwie in der Mischkalkulation auf. Dazu hätte ich jedoch detailliert nachvollziehbare Informationen, denn nur Transparenz schafft Vertrauen.

  2. Den Text habe ich gelesen und verstanden… aber es leuchtet trotzdem noch nicht ein, warum Bergisch Gladbachs Gebühren für eine 120L Restmülltonne so viel teurer sind, denn unsere Familien sind nun mal nicht 8köpfig. In der Regel haben Gladbacher ja nur 1-2 Kinder. Daher hilft es nicht die Summe „schön“ zu rechnen. Evtl. sind ja auch 30 Liter Regelvolumen realistischer, denn auch in anderen Kommunen wird Müll getrennt. Wir haben zu dritt eine 90-Liter-Tonne, die meistens trotz guter Müll-Trennung voll ist.

    Der neue Wertstoffhof ist toll, aber andere Städte bieten die oben aufgeführten Leistungen ebenfalls an. Die Stadtverwaltung sollte daher ihren Hälfteanteil an den Müllkosten reduzieren. Zudem wird GL ja nicht die einzige Stadt mit einer Andienungspflicht an eine Verwertungsanlage sein. Trotzdem können die Verwertungsanlagen in Leverkusen und Lindlar nicht jeden Preis diktieren.