Brückenschlag der Kulturen: Konzert von Fortuna Canta und Amwaj Choir. Im Vordergrund: Stefanie Brijoux (Gesang), Holger Faust-Peters (Fidel), Ute Faust (Flöte)

Beim Friedensfest in Beit Jala spielten Musiker der Max Bruch-Musikschule gemeinsam mit palästinensischen Kollegen ein ungewöhnliches Konzert. Axel Becker wurde zum Ehrenbürger ernannt. 

Wir haben unser Stadt- und Kulturfest noch vor uns, Beit Jala blickt bereits auf sein Internationales Friedensfest zurück. Wie jedes Jahr tauchten Künstler und Gäste aus nah und fern Ende August das Stadtzentrum in Feierlaune, Delegationen aus den Partnerstädten in Frankreich, Griechenland und Rumänien brachten internationales Flair.

Auch eine kleine Delegation aus Bergisch Gladbach war der Einladung gefolgt: Bürgermeister Lutz Urbach, Axel Becker sowie Holger Faust-Peters, Ute Faust und Stefanie Brijoux von der städtischen Max Bruch-Musikschule. Angesichts einer Welt in Unfrieden lobte Urbach in seiner Grußadresse das Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Kulturen als „gelebte Friedensarbeit“.

Schon 2018 kennengelernt, jetzt Premiere

Die drei Musiker aus Bergisch Gladbach hatten ein Gastgeschenk der besonderen Art im Gepäck. Zu Hause an der Strunde sind sie Teil des Mittelalter-Quartetts Fortuna Canta. In Beit Jala spielten sie zusammen mit dem palästinensischen Amwaj Choir („Die Welle“) auf, knapp 50 jungen Menschen zwischen zehn und 17 Jahren aus Bethlehem und Hebron.

Kennengelernt hatte Faust-Peters den Chor schon beim Friedensfest 2018 (zusammen mit Musikschulleiter Fritz Herweg). Damals hatte ihn das professionelle Ensemble so begeistert, dass er spontan das aktuelle Konzert einfädelte.

Muslimische Kinder und christliche Musik

In einem fünfstündigen Workshop hoben die Musiker aus Bergisch Gladbach und Palästina ein gemeinsames Repertoire mit Werken aus Mittelalter, Renaissance und Orient aus der Taufe. Da war höchster Einsatz gefordert, doch die Voraussetzungen stimmten.

Beide Seiten suchen nach künstlerischer Grenzüberschreitung, der Amwaj Choir unter Leitung von Mathilde Vittu widmet sich stark der christlichen Musik, obwohl er derzeit ausschließlich aus jungen Künstlern muslimischen Glaubens besteht.

„Ein fantastisches Konzert“

So war die Aufführung in der orthodox-katholischen Verkündigungskirche nicht nur ein musikalischer Höhepunkt des gesamten Festprogramms. Sie symbolisierte auch wie kaum ein anderer Beitrag den friedensstiftenden Brückenschlag der Städtepartnerschaft.

„Ein fantastisches Konzert“, freut sich Faust-Peters, „ein tolles Erlebnis für die Kinder und eine große Bereicherung für alle“. Die Besucher empfanden wohl ebenso und ließen sich zu Standing Ovations in den heiligen Hallen hinreißen. Womit für den Musikschullehrer die Sache noch nicht erledigt ist: Wäre doch zu schön, gemeinsam mit dem Amwaj Choir in Bergisch Gladbach aufzutreten …

Konzertausschnitt (5:41 Min.): www.youtube.com/watch?v=iqnJ-xdIKo0

Ehrenbürger von Beit Jala

Wie oft er schon in Beit Jala war, kann Axel Becker kaum noch zählen. Diesmal aber stand sein Besuch unter einem besonderen Vorzeichen. Der Ehrenvorsitzende der Städtepartnerschaft hatte am 26. August zum großen Empfang in die Abrahams Herberge eingeladen, gleich im Anschluss an das Internationale Friedensfest.

Rund um die Eröffnung des interkonfessionellen Gästehauses, im Jahr 2003, hatten er und seine Frau Sabine die ersten Kontakte in die Stadtgesellschaft Beit Jalas geknüpft, hier wohnen seither alle Reisegruppen aus Bergisch Gladbach und viele aus aller Welt. Und jetzt, 16 Jahre später, fanden sich 70 alte und neue Weggefährten ein, um mit Becker die Verleihung der Ehrenbürgerschaft bei Cremisan-Wein und Fingerfood zu feiern.

Auf der Gästeliste standen denn auch zahlreiche Persönlichkeiten der ersten Stunde: Raji Zeidan, der damalige Bürgermeister, der sieben Jahre geduldig abgewartet hatte, bis in Bergisch Gladbach 2010 endlich die Entscheidung für die Städtepartnerschaft gefallen war, der lutherische Bischof Barhoum Azar sowie Pfarrer Mitri Raheb aus Bethlehem, Propst Schmidt an der Erlöserkirche in Jerusalem und sein Interimsnachfolger Pfarrer Dr. Rainer Stuhlmann.

Dazu viele Menschen, die zum Gelingen der Städtepartnerschaft beigetragen haben, mit denen tiefe Kontakte aufgebaut wurden oder die schon zu Besuch in Bergisch Gladbach gewesen waren.

„Kommt zu uns, bringt Leute mit“

„Eine Stimmung wie vor der Weihnachtsbescherung“, erlebte Becker, bevor ein diskret gehandeltes Geheimnis gelüftet wurde: die Verleihung der Ehrenbürgerschaft von Beit Jala aus den Händen von Nicola Khamis.

Ausführlich würdigte der Bürgermeister Beckers Arbeit für die Städtepartnerschaft und deren große Bedeutung für seine bedrängte Stadt, seine Freundschaft mit den Menschen in Beit Jala und seine profunde Kenntnis der historischen-politischen Gegebenheiten vor Ort. Zum Schluss rief er dem Geehrten und allen Freunden in Deutschland zu: „Kommt weiter zu uns nach Beit Jala und bringt Leute mit!“

Seiner Wertschätzung hatte Khamis schon vor einiger Zeit unvergessliche Taten vorausgeschickt: Pünktlich zur Abschiedsfeier von Axel und Sabine Becker am 26. Juni im Kulturhaus Zanders klingelte er als Überraschungsgast an der Haustür der beiden in Gronau.

Städtepartnerschaft bedeutet Networking

„Natürlich freue ich mich riesig über all die Ehrungen, Wünsche und Geschenke“, meint Becker rückblickend. Er selbst hatte dem Bürgermeister ein kunstvolles Poster fürs Rathaus überreicht, eine Foto-Collage mit zentralen Szenen der Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala.

Becker zu seinem Wirken: „Partnerschaftsarbeit bedeutet nach meiner Erfahrung vor allem Networking, jeweils im eigenen Umfeld vor Ort und über 3.000 Kilometer hinweg. Ein solches Fest zeigt, welche Energien dabei aufgebaut werden können. Und wie klein davor nutzlose Streitereien werden.“

Auf dem Stadt- und Kulturfest

Der Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Beit Jala e.V. ist auch beim Stadt- und Kulturfest am kommenden Wochenende vertreten: am Sonntag, 11 bis 18 Uhr, am neuen Gemeinschaftsstand der Stadt für ihre Partnerschaften auf der Kulturmeile hinter dem Bergischen Löwen – wir freuen uns auf Sie!

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