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„Poziuris”: Eine Annäherung im Kunstparadies

Seit 30 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen der litauischen Stadt Marijampole und Bergisch Gladbach. Nun wird zum erstenmal im Kulturhaus Zanders eine gemeinsame Ausstellung der befreundeten Künstler gezeigt. Ausstellungstitel und Inhalte sind  Annäherungen und Synergien in Malerei, Zeichnung, Fotografie, Bildhauerei, Installation.

Am Sonntag wird die Ausstellung im Rahmen des Stadt- und Kulturfests eröffnet; wir haben vorab mit der AdK-Vorsitzenden Gisela Schwarz und mit den Künstlern gesprochen – über den zwischenmenschlichen Austausch und natürlich über die Früchte der Kunst.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Helga Niekammer

Es gab schon mehrere Besuche von Gisela Schwarz in Marijampole, der litauischen Partnerstadt von Bergisch Gladbach. Zuletzt im Mai diesen Jahres, zur ersten Blüte der Apfelbäume. Eine besondere Blüte des Baumes habe sie sich damals bewusst ausgesucht, die, auf die der Sonnenstrahl zuerst drauf fällt.

Nach 30 Jahren Partnerschaft konnten nun endlich auch die Gladbacher Künstler Marijampole besuchen, um eine erste, gemeinsame Ausstellung anzugehen. Von Inspirationen hingerissen und zwischenmenschlich beseelt sei die Gladbacher Künstlergruppe nach der weiten Reise wiedergekommen.

Was für eine herzliche Gastfreundschaft, künstlerischer Aktionismus, vielfältige Initiierung an gemeinsamen Projektvorhaben sagt sie. Sprachbarrieren habe es, wenn überhaupt, nur anfangs gegeben. Letztlich spürte man, was der andere meint, schlicht weil man einfach ganz ähnlich ticke.

Dementsprechend symbolträchtig wurde auch der Ausstellungstitel ausgewählt, sagt Helga Mol – unser Begriff für das Gefühl, Annäherung sei der einhellig gemeinsam gefundene Nenner, und er wurde ins litauische übersetzt: poziuris.

Eine familiäre Stimmung ist es auch, die in der Vorbesprechung  im Kunstraum des Kulturhaus Zanders wahrnehmbar ist – trotz bitterem Nachgeschmack, dass das eine der letzten Ausstellung überhaupt hier sein könnte. Leider gäbe es keinen Ausstellungskatalog, weil dafür keine Förderung gefunden werden konnte, bedauert Schwarz.

Nun haben die fünf ausstellenden, litauischen Künstler den gereiften Apfel, die Frucht besagter Maiblüte,  die weite Reise nach Gladbach mitgebracht. Ein Gastgeschenk, wie es poetischer kaum sein kann – das christliche Symbol für paradiesische Fruchtbarkeit und Vertreibung schlechthin.

Das macht neugierig auf die Gegenausstellung in der Partnerstadt im Frühjahr 2020. Im Folgenden einige kleine Eindrücke aus der Ausstellung.

Die AdK-Vorsitzende, Künstlerin und Kulturrezensentin Schwarz hat viele Fotos mitgebracht – von einer Stadt, die derart kunstreich und liebevoll ausgestattet sei, schwärmt Schwarz. Die litauische Stadt würde die zur Verfügung stehenden EU Gelder nicht nur vorausschauend nutzen, sondern auch großzügig für regionale Kunst- und Kultur einsetzen.

Meisterlich gefertigte Kunstwerke heimischer Künstler, wie “der Junge mit Holzflöte” von Kestutis Balčiunas, sehe man überall in Marijampole. Gisela Schwarz sagt, sie wünsche sich eine Städtepartnerschaft, die auch im Gladbacher Stadtbild sichtbar würde.

Die ADK Künstlerin Barbara Stewen hat “Trautes Heim” eine Collage aus Kinderfotos und Fotos von einem alten Tierstall beigetragen. Die gebürtige Litauerin wurde mit dem Ende des zweiten Weltkrieges als kleines Kind mit ihrer Mutter aus ihrer Heimat vertrieben. Sie erzählte von ihren prägenden Erinnerungen an die Flucht, von der Kinderlandverschickung aber auch von einer wahrgenommen kulturellen Annäherung, seit Litauen EU Mitglied sei. Links daneben, in jerderlei Hinsicht kontrastierend – die Werke von Detlev Weigand und von Andrea Pandya.

Christine Burlon  setzt den transparenten Quallen des Werkes “Underwater” von Egidijus Bičkus ihre malerische Übersetzung von Gehirnstrukturen gegenüber: “anatomisch inspiriert”. In dieser philosophischen  Annäherung wirkt  beides wie die mystische Ursuppe, aus der alles Leben hervorgegangen ist.

“Forrest in the morning” von Jūrate Kadusauskaité. Gisela Schwarz schwärmt von dem unebrührten, gesunden Wald, den sie in ihren Spaziergängen in der litauischen Natur erlebt habe. Dieser beinahe utopisch-malerische Eindruck  und der aktuelle Gedanke an bedrohe und gar brennende Wälder weltweit kann dem Betrachter sicherlich nur nahe gehen.

Loreta Zaleckiené hat surreal anmutende Gemälde beigetragen, die stark an die biblischen Bilder von Hieronymus Boch erinnern. Ein faszinierendes Erlebnis, gerade weil dies nicht ihre Absicht war. Denn sie arbeite sehr intuitiv, sie drücke sich einfach nur malerisch aus,  wie eben in “secret admirer”.
Ein Selbstverständnis das sowohl den Surrealisten als auch Boschs Arbeitsweise artverwandt sein dürfte. Unser Auge sieht eben, was es sehen will und es ist kulturgeprägt. Im Dialog stehen die Gemälde mit den minimalistisch gearbeiteten, in dieser Konstellation archaisch wirkenden, Tuffsteinen von Rosemarie Bruchhausen.

“Vielfalt statt Einfalt” nennt Friedrich Förder sein gefaltetes und handbedrucktes Objekt auf einem flachen Holzsockel. 40 – falitg und universell mehrdeutig – ein künstlerisches Statement wie man es von einer Ausstellung zum Thema Annäherung eben auch erwarten kann.

„Random” – Zufall heisst die konzeptuelle Arbeit auf einer wandfüllenden Papierbahn von Helga Mols. Sie habe schichtend schwarze Tusche gesprüht, von anfänglich wässrigem grau bis zu tiefem Schwarz. Eine Verdichtung peu à peu, ein langwieriger Versuch für den Eindruck von flächigem Schwarz. Aber es sein keine Deckung, die sie erreichen wollte, sondern eben nur die Annäherung, wie sie betont. Sie habe damit konzeptuell auf die malerisch-absrakten Überlagerungen von Kristina Rimiené reagiert (Malerei im Titelbild).

Vernissage im Kulturhaus Zanders:
Hauptstraße 267
51465 Bergisch Gladbach
am Sonntag, 8. September 2019, 11 Uhr

Begrüßung:
Josef Willnecker, Erster Vize-Bürgermeister und Christine Burlon, AdK-Vorstand
Einführung Gisela Schwarz, Kulturrezensentin
Performance Irmel Droese

Ausstellung poziuris
von Sonntag, 8. September, bis Sonntag, 29. September 2019
Geöffnet dienstags, donnerstags, sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Teilnehmende Künstler:
Kestutis Balčiunas
Mary Bauermeister
Jolita Bičkiene
Egidijus Bičkus
Rosemarie Bruchhausen
Christine Burlon
Ingrid Golz
Sigrid Fischer
Friedrich Förder
Jūrate Kadusauskaité
Heike Kehres-Woost
Manuele Klein
Daphna Koll
Verena Kupper
Skirmanté Makarevičiené
Helga Mols
Andrea Pandya
Kristina Rimiené
Petra Christine
Schiefer Gisela Schwarz
Barbara Stewen
Mechthild Stroß
Aušra Staugaityte Tekorienė
Yoko Suzuki-Kämmerer
Matthias Wallhäuser
Detlev Weigand
Waltraud Wolf
Loreta Zaleckiené

2 Kommentare zu “„Poziuris”: Eine Annäherung im Kunstparadies”

  1. Danke, liebe Antje, für diese einfühlsame und sensible Stellungsnahme zu den Werken der Gemeinschaftsausstellung mit den Künstlern unserer litauischen Partnerstadt. Herzlichen Dank auch an Helga, und an das engagierte Bürgerportal.

  2. Ein wunderbare Spiegelung unserer Ausstellung poziuris! Danke, Antje, danke, Helga für diese intimen Einblicke in unser Konzept! Aus posiuris Annäherung hat sich echte draugiste Freundschaft unter Künstlern entwickelt!

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