Bernd Beckermann vom ADFC Bergisch Gladbach hat das Strundetal mit dem Rad befahren – und kommt zum Urteil „mangelhaft“. Warum? Das zeigt er mit einer ausführlichen Fotoreportage. Am Ende regt er auch zu konkreten Lösungen an.

Im Tal der Strunde verbindet die Landstraße L286 die Innenstadt Bergisch Gladbachs mit dem Stadtteil Herrenstrunden und dem Ortsteil Spitze der Gemeinde Kürten. Das Tal weist einen hohen Freizeitwert auf (Naturschutzgebiet an der Strunde, landschaftlich schöne Seitentäler, Industriemuseum, Baudenkmäler, Gastronomie).

Auf dem Strundetalfest konnte man entspannt mit dem Rad auf der Straße durchs autofreie Tal radeln, aber leider nur an diesem einen Sonntag. Ansonsten wird die Strecke sehr stark von Autofahrern frequentiert und lässt teilweise Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h zu. Das Radfahren auf der Straße ist möglich, wird aber durch enge Fahrspuren, unübersichtlich Kurven und drängelnde PKWs oft zu einem Angst-Erlebnis.

Der ADFC ist die Strecke ein beide Richtungen zwischen Bergisch Gladbach und Spitze abgefahren, um die Fahrradtauglichkeit zu prüfen. Hier der Bericht des „Stresstests“ als Fotoreportage.

„Stresstest“ im Strundetal

Die Karte in Bild 1 (siehe oben) zeigt den Streckenabschnitt von den Einkaufszentren im „Strundepark“ bis Herrenstrunden. Die gelbe Markierung zeigt als verantwortlichen Baulastträger für die Verkehrssicherheit, die Instandhaltung und den Ausbau die Stadt Bergisch Gladbach; grün: Verantwortlich ist der Landesbetrieb Straßen NRW.

Diesen Abschnitt fahren wir zunächst stadtauswärts. Bis Herrenstrunden ist es nur erlaubt, zusammen mit PKWs, Bussen und LKWs auf der rechten Straßenseite zu fahren. Das ist für Radfahrende oft gefährlich und angsterzeugend, wenn sie von KFZ mit großer Geschwindigkeit und mit engem Abstand auf teilweise kurviger Strecke überholt werden.

Ebenso gefährlich und unzulässig ist aber auch die oft beobachtbare Benutzung des anfänglich sehr schmalen linkseitigen Gehweges.

Zu diesem Streckenabschnitt wird im Mobilitätskonzept 2016 vorgeschlagen, hier zusammen mit dem Landesbetrieb Straßen-NRW rechtsseitig einen separaten Radweg anzulegen. In der Planungsliste von Straßen-NRW für RheinBerg ist dieser Weg erst auf Platz 50 (!) gelistet. Derzeit wird von dieser Liste aber pro Jahr nur eine Maßnahme umgesetzt (2019 keine!). Wenn sich hier Prioritäten und Budgets nicht deutlich erhöhen, wird es mit der Umsetzung noch mehrere Jahrzehnte dauern.

Also weiter auf der Straße bis zum Ortsende Herrenstrunden. Von hier bis zum Ortseingang Spitze (Bild 2) ist die Benutzung des linksseitigen Gehweges für Radfahrer in beide Richtungen erlaubt. Der Weg ist sogar mit einer Straßenbeleuchtung ausgestattet und ermöglicht somit auch die Benutzung in der dunklen Jahreszeit.

Der Radweg erlaubt aber wegen einiger Schäden (Schlaglöcher, Wurzelaufbrüche) auf dem Gehweg kein zügiges Fahren. Dies gilt insbesondere stadteinwärts, wo sich durch das Gefälle Geschwindigkeiten zwischen 20 und 30 km/h anbieten, die aber ohne volle Konzentration und deutliche Geschwindigkeitsreduktion nicht gefahrlos möglich sind.

Auf dem Rückweg von Spitze nach Gladbach gibt es unverständlicherweise erst nach ca. 1000 m, kurz vor Ortsteil Unterthal, ein Schild, das den Radfahrern die Benutzung des Gehweges erlaubt (Bild 3). Wer – wie die meisten Radler – schon vorher auf dem Gehweg fährt, begeht somit rechtlich einen Verstoß gegen die StVO und trägt im Falle eines Unfalles mit Fußgängern oder querenden Motorfahrzeugen ein hohes Haftungsrisiko.

Innerhalb des Ortsbereiches Herrenstrunden ist die Benutzung der Straße aufgrund der Straßenbreite und des Tempolimits von 50 km/h nicht ganz so problematisch, sie wäre aber sicherer bei einem Tempolimit von 30 km/h.

Die Situation ändert sich aber am Ortsausgang nach Gladbach an der Einmündung Bücheler Weg. Hier führt die Straße in eine Linkskurve (Bild 4), Autos können bei Gegenverkehr einen Radfahrer nicht mit dem empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5m überholen. Als Radfahrer werden wir genötigt, gefährlich nahe an die Leitplanke entlang zu fahren.

Der Gehweg hinter der Leitplanke ist laut Beschilderung nur für Fußgänger erlaubt (Bild 5) und darf von Radlern nicht benutzt werden. Er ist bis zum Freibad allerdings auch sehr schmal und die gleichzeitige Nutzung mit Fußgängern nicht mit ausreichender Sicherheit möglich.

Hier wäre eine Verbreiterung des Gehweges vom Platzbedarf her machbar und würde dann eine Mitbenutzung durch Radfahrer (mit angepasster Geschwindigkeit) ermöglichen.

An der Bushaltestelle am alten Freibad besteht der Gehweg aus Schotter, und es hat sich eine gefährliche Kante am Straßenrand gebildet (Bild 6). Wenn man derzeit als Radfahrender bis hier die Straße nutzt und auf den kurz dahinter beginnenden Strunde-Radweg wechseln möchte, ist eine vorsichtige Orientierung angesagt.

Etwas unscheinbar und unerwartet mündet direkt hinter dem alten Freibad von rechts der Strunderadweg „von der Quelle bis zur Mündung“ in den gefestigten Sandweg.

Info zum Strunderadweg: Die mit öffentlichen Mitteln geförderte Route ist als touristischer Radweg konzipiert worden, der auch den Fußgängern offen stehen und möglichst bachnah verlaufen soll. In manchen Abschnitten, wie hier hinter dem Freibad, ist er daher zum zügigen Radfahren zu schmal und für Radpendler nicht geeignet. Langsames Befahren ist aber erlaubt und Absteigen kann das Naturerlebnis intensivieren.

Auf dem folgenden Abschnitt vom alten Freibad an der Landesstraße entlang sollte der Strunde-Radweg aber durchgängig so breit sein, dass neben Wanderern und Genuss-Radlern auch Radpendler zügig vorankommen. Denn dieser Streckenabschnitt ist hier gleichzeitig auch Teil einer Knotenpunktroute der RadRegion Rheinland.

Sicheres Fahren ist aber direkt hinter dem alten Freibad nicht möglich. Der Strunde-Radweg führt hier durch einen Engpass zwischen Poller, Bordsteinkante und Stromkästen (Bild 7, Breite nur 1 m, viel zu schmal bei Begegnung mit Fußgängern und entgegenkommenden Radfahrern).

Direkt danach folgt eine rechtwinklige, unübersichtliche Kurve. Die Poller auf dem Radweg wurden übrigens nicht zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern gegenüber PKWs und LKWs angelegt, sondern zu dem der Stromkästen.

Der jetzt folgende Abschnitt an Gut Schiff vorbei (Bild 8 und 9) bis zum Hombach ist deutlich breiter als vorher und wird in beide Richtungen – insbesondere an Wochenende – intensiv von Wanderern und Radfahrern genutzt, zumal er einen gehörigen Abstand von der Landstraße bietet.

Das Fußgängerschild (Bild 8) steht etwas zu abseits an der Straße und erlaubt eine Benutzung nur für Fußgänger, nicht für Radfahrer. Da wir aber auf dem Strunderadweg sind, muss ein Benutzungsrecht mit dem eindeutigen Zusatz: „Radfahrer frei“ eingeräumt werden.

Mit Hinsicht auf die intensive Nutzung und die häufige Frequenz von entgegenkommenden oder zu überholenden Fußgängern und Radfahrern ist der Weg aber immer noch zu schmal.

Nach ERA (Empfehlungen für Radfahranlagen, 2010) sollten gemeinsame Geh-Radwege eine Breite von 2.5 m aufweisen. Auf diesem Abschnitt könnte der Gehweg relativ einfach entsprechend verbreitert und für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben werden.

Gegenüber der Einmündung der Hombach-Str. gibt es einen Schaden an der Böschung (Bild 10). Die Böschung ist stark ausgewaschen. Die steile Kante an der Straße und einem Gasversorgungsdeckel kann für Radfahrer, die auf der Straße fahren, zu einem gefährlichen Sturz führen.

Am unteren Ende der Auswaschung ergießen sich Geröll und Sand auf den Geh-Radweg und behindern sowohl Radfahrer als auch Fußgänger.

Kurz hinter der Brücke über den Hombach (Bild 11) zweigt der Strunderadweg nach rechts ab (Bild 12) und führt bis zum Vollmühlenweg auf schmalem Weg direkt an der Strunde entlang. Hier folgen wir nicht dem Strunderadweg sondern der Landstraße L286und fahren weiter geradeaus auf der Knotenpunktroute der RadRegion Rheinland.

Hinter der unbequem geschotterten Einfahrt gelangen wir auf den durch einen kleinen Grünstreifen von der Fahrbahn abgetrennten mittelbreiten und zunächst gut befahrbaren Sandweg. Der Grünstreifen bietet etwas Schutz vor schnell fahrenden Autos, die direkt vor einer unübersichtlichen Kurve nicht mehr an das 70 km/h Tempolimit gebunden sind.

Auch auf diesem Abschnitt ist wieder einmal unklar, ob Radfahren auf dem Sandweg überhaupt erlaubt ist, zumal es ja keinen Hinweis gibt, dass wir nicht mehr auf dem Strunderadweg fahren. Hier fehlt offensichtlich wieder das Verkehrsschild für Fußwege mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ (Bild 13).

Von der Intuition her fahren die meisten Radler hier auf den Sandweg. Hier fühlen wir uns sicherer als auf der Straße, wo wir Angst bekommen, wenn wir von drängelnden PKWs, LKWs oder Bussen an unübersichtliche Kurven überholt werden (Bild 14).

Aber: Für zügiges Fahren durch Pendler, Mountain-Biker oder Rennradfahrer ist der Weg nicht geeignet (Bild 15). Bei Regen wird das Wasser von der Straße nicht in die wenigen Gullys geleitet, sondern sucht sich den Weg zur Strunde quer über den Weg, schwemmt den Sand weg und schafft starke Hindernisse in Form von Rillen.

Außerdem wird im weiteren Verlauf der Sandweg immer schmaler und zu einem Pfad, der zunehmend von Gras und Brennnesseln zugewuchert wird. Konflikte mit entgegenkommenden oder zu überholenden Fußgängern sind vorgezeichnet.  Oft wird der Weg auch stadtauswärts von entgegenkommenden Radfahrern genutzt. Der gesamte Abschnitt müsste deutlich verbreitert werden.

Etwa 500 m vor der Eulenburg erweitert sich der Geh-Radweg auf komfortable Ausmaße und bietet sogar eine fahrradfreundliche Bitumenfläche (Bild 16). Da kommt Freude auf.

Die Freude ist aber nur von sehr kurzer Dauer, wenn man direkt hinter der Eulenburg infolge eines plötzlichen Aufschlages in einem runden etwa 30 cm breiten und 3 cm tiefen Schlagloch aufgeschreckt wird (Bild 17).

Hier und an weiteren noch folgenden Schadstellen müssen die zuständigen Straßenbaulastträger (Stadt Bergisch Gladbach und das Land NRW) dringend ausbessern und sanieren.

Insbesondere ca. 200 m vor der Einmündung der Dombach-Sander-Straße heißt es, aufzupassen: Der Hang am Rande des Gehwegs rutscht in die Strunde (Bild 18). Die Stelle ist durch ein Warnschild als Gefahrenstelle ausgewiesen inkl. nächtlicher Beleuchtung. Es stellt sich nur die Frage, wann die Beseitigung des Schadens erfolgen wird?

Im weiteren Verlauf wird der Gehweg aufgrund des schlechten Zustandes zunehmend beschwerlicher für Radfahrer und das Fahren auf der hier mit einem Tempolimit von 50 km/h versehen Straße bietet sich an, zumal im Bereich des Museums oft viel Fußverkehr herrscht.

Bei Einfahrten ist die Decke des Gehwegs durch abbiegende KFZ stark lädiert worden (Bild 19).

Eine große Pappel wurde gefällt, aber der verbliebene Baumstumpf stellt sich immer noch quer (Bild 20). Seine aufragenden Wurzelaufbrüche ragen in die Höhe und bilden ein Hindernis auf dem Weg.

Kurz danach kommt die Einfahrt zu den Einkaufszentren. Spätestens hier hilft nur noch Absteigen und Wechsel auf Straßenfahrbahn.

Fazit des Streckenbefahrung:

Der Stresstest „Radfahren im Strundetal“ ergibt ein deutliches „Mangelhaft“ sowohl bei Befahrung in Richtung Spitze als auch von Spitze in Richtung Innenstadt. Weder zügiges noch entspanntes Fahren ist stressfrei möglich, das Risiko für Konflikte mit Fußgängern oder KFZ ist sehr hoch. Maßnahmen und Lösungsmöglichkeiten sind:

  1. Eindeutige Beschilderung „Radfahrer frei“ an den geeigneten Abschnitten
  2. Sanierung der Schadstellen
  3. Tempolimits, z.B. maximal 70 km/h zwischen Hombachstraße und Dombach-Sander-Straße
  4. Verbreiterung der Geh/Radwege (stadteinwärts rechtsseitig von Herrenstrunden bis Gladbach)
  5. Anlegen eines separaten Radwegs oder zusätzlichen Radstreifens (stadtauswärts rechtsseitig zwischen GL und Herrenstrunden, ggfs. auch bis Spitze)

ADFC

Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren läßt...

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3 Kommentare

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  1. Das Problem beginnt doch im Grunde bereits ab dem Quirls bzw. der Ecke Hauptstr./Odenthaler Straße. Zunächst sollte man doch erst mal hier gehörig anpacken!

    Die Strecke bis zum Strundepark ist meiner Ansicht nach völlig unzumutbar. Ein katastrophaler (!!!) Zustand der Straße – keinerlei Radschutzstreifen, Autos die mit mehr als 50 Sachen unterwegs sind und so gut wie nie mit mehr als 1,5m Abstand überholen.

    Dabei wäre es kein Hexenwerk zumindest bis Ecke Sander Straße einen angemessenen Umbau voranzutreiben. Die vier Parkplätze vor dem ehemaligen Viktoria-Kino würden zwar wegfallen – aber diese sind dort ohnehin komplett überflüssig, da es in der Gegend genug Parkmöglichkeiten gibt. Darauf folgen Parkplätze, die völlig unnötigerweise nach vorne abgehen, (also nicht parallel zur Straße) und dadurch unfassbar viel Platz beanspruchen.

    Ich hoffe inständig, dass sich diese katastrophale Situation ZEITNAH ändert.

    Frage in die Runde: Gibt es bereits Überlegegungen und Möglichkeiten diesbezüglich? Falls nicht würde ich diesen Vorschlag gerne irgendwo einbringen.

  2. Ich komme aus Köln und wollte vor ein paar Monaten auch mal den Strundeweg per Rad abfahren. Das müsste ja eigentlich gut möglich sein, da der ja mit öffentlichen Mitteln erst kürzlich ausgebaut worden ist, jedenfalls wird dieser Eindruck durch Prospektmaterial erweckt.
    Aber Pustekuchen. Radfahren ist auf der L 286 durch die rasenden Autos dort unzumutbar und zu gefährlich. Man kann sich tatsächlich nur einmal im Jahr zum Strundetalfest auf diese Strecke wagen. Die Politiker, die das “verbrochen” haben, sollten sich was schämen.

  3. Radfahren allgemein in Bergisch Gladbach und Bensberg ist eine Katastrophe Das Gelaber der Politiker, die Innenstädte autofreier zu gestalten, kann bei uns nur als schlechter Witz verstanden werden. Ist habe leider noch nie bei uns einen Politiker alltags auf dem Fahrrad gesehen. Aber vielleicht wissen die warum.