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Mit zum Teil erheblicher Gewalt waren die Täter in Schulen und Kindergärten eingebrochen, hatten für Verwüstungen gesorgt, aber in der Regel kaum etwas erbeutet. 

Für rund 50 Einbrüche in Schulen und Kitas müssen sich neun Jugendliche vor Gericht verantworten. Die ersten vier Verdächtigen sind verurteilt worden, mit sehr differenzierten Strafen.

Im Frühjahr und Frühsommer hatten die Jugendlichen über Monate hinweg die Polizei in Atem gehalten und zu Verunsicherung in Schulen und Kindergärten geführt. Nach und nach arbeitet das Amtsgericht die Fälle in insgesamt 17 Verfahren ab, die ersten zwei Prozesse sind jetzt mit Verurteilungen abgeschlossen worden, teilt Johanna Saul-Krickeberg, die Direktorin des Amtsgerichts jetzt mit.

Alle Verfahren laufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die Jugendlichen zu schützen. Die Resozialisierung und Erziehung stehe beim Jugendstrafrecht im Vordergrund, betont Saul-Krickeberg, daher werde mit Ausnahme des Alters auch nichts über die beteiligten Personen oder Hintergründe mitgeteilt.

Zur Sache: Jugendstrafrecht (bitte anklicken)
Das Jugendstraftrecht ist das für Jugendliche (14- bis 17-Jährige) und z. T. auch für Heranwachsende (18- bis 20-Jährige) geltende Straf- und Strafprozessrecht; es weicht in wesentlichen Grundsätzen vom allgemeinen Strafrecht ab.

In Deutschland beginnt die strafrechtliche Verantwortlichkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres, wenn der Jugendliche zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (§ 3 Satz 1 JGG).

Kinder unter 14 Jahren sind schuldunfähig (§ 19 StGB).

Auf Heranwachsende wird trotz zivilrechtlicher Volljährigkeit das J. angewendet, wenn im Einzelfall der Täter zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand oder es sich bei dem Charakter der Tat um eine Jugendverfehlung handelt (§ 105 JGG).

Der Unterschied zum Erwachsenenstrafrecht liegt beim materiellen Strafrecht im Bereich der Rechtsfolgen der Tat. Eine Jugendstraftat ist in erster Linie durch Erziehungsmaßregeln (Erteilung von Weisungen; Anordnung, Hilfe zur Erziehung nach § 12 JGG in Anspruch zu nehmen) zu ahnden; wenn diese nicht ausreichen, um dem Täter das Unrecht der Tat und seine Einstandspflicht hierfür bewusst zu machen, wird die Straftat mit Zuchtmitteln(Verwarnung; Erteilung von Auflagen, z. B. Schadensersatz, Zahlung von Bußen; Jugendarrest) oder mit Jugendstrafe geahndet.

Als Maßregeln der Besserung und Sicherung können die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt, die Führungsaufsicht oder die Entziehung der Fahrerlaubnis angeordnet werden. Nachträgliche Sicherungsverwahrung bei Verurteilungen nach J. kann gemäß § 106 JGG erfolgen.

Quelle und weitere Infos: Bundeszentrale für politische Bildung

Allein die Höhe des Strafmaßes und die damit verbundenen Auflagen werden veröffentlicht. Und die zeigen, wie sehr sich das Jugendschöffengericht bemüht, den einzelnen Fällen gerecht zur werden. Folgende Strafen wurde in den ersten beiden Verfahren ausgesprochen:

Ein 15-Jähriger wurde in fünf Fällen wegen Einbruchs in Tateinheit mit Sachbeschädigung zu 12 Monaten Jugendstrafe mit Bewährung. verurteilt. Er darf nicht in seine Familie zurück, sondern muss in einer Jugendhilfeeinrichtung bleiben.

Ein 16-Jähriger wurde im gleichen Verfahren ebenfalls wegen fünf nachgewiesener Einbrüche zu 14 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt, auch er bleibt in der Jugendhilfeeinrichtung.

Ein 16-Jähriger wurde in einem zweiten Verfahren wegen Einbruchs und Sachbeschädigung in drei Fällen und einem Versuch zu 14 Monaten Jugendstrafe verurteilt. Der Jugendliche ist in seine Familie zurückgekehrt. Ihm wurde aber ein Betreuungshelfer zur Seite gestellt, der dafür sorgen soll, dass der Jugendliche in die Schule geht. Ihm wurde ein weiterer sozialer Trainingskurs auferlegt, bei dem er 100 Arbeitsstunden ableisten muss. Außerdem muss er sich einer regelmäßigen Drogenkontrolle unterstellen.

Ein 14-Jähriger ist in diesem zweiten Verfahren ebenfalls wegen Einbruchs und Sachbeschädigung in drei Fällen und einem Versuch zu 12 Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. Er befindet sich aufgrund einer Entscheidung des Familiengerichts in einer geschlossenen Jugendhilfeeinrichtung.

Bewährung unter Vorbehalte

Bei den beiden zuletzt genannten Jugendlichen sind die Jugendstrafen nur unter Vorbehalt zur Bewährung ausgesetzt worden, für die Dauer von sechs Monaten. Erst dann wird der Jugendstrafrichter entscheiden, ob die Jugendstrafe endgültig zur Bewährung ausgesetzt wird. Sollten die Jugendlichen gegen eine der Auflagen verstoßen, müssen sie in eine Jugend-Justizvollzugsanstalt.

Zur Vorbereitung der Verfahren hatte die Polizei große Mühe, die Vielzahl von Fällen den einzelnen Jugendlichen gerichtsfest zuzuordnen, die sie aus einer offenbar nicht klar strukturierten Gruppe heraus begangen hatten. Daher war ein Teil der Jugendlichen ungewöhnlich lange, zum Teil bis zu sechs Monaten lang, in Untersuchungshaft in einem Gefängnis.

Hintergründe bleiben unklar

Zudem war zunächst nicht klar, in welchen Zusammenhängen sich die Gruppe gebildete hatte – weil die Verdächtigen nach Angaben der Polizei aus völlig verschiedenen Schulen und familiären Hintergründen stammten. Mehr ist über die gesellschaftliche Bedeutung dieser ungewöhnlichen Einbruchsserie nicht zu erfahren, weil die Öffentlichkeit von den Verhandlungen ausgeschlossen ist und das Gericht keine weiteren Angaben zu den Personen macht.

Die juristische Aufarbeitung ist bei weitem nicht abgeschlossen, 15 weitere Verfahren stehen am Amtsgericht Bensberg an, das nächste am 9. Januar.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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