Foto: Archibild

Der Polizei ist in der Serie von Einbrüchen in Schulen und Kitas ein großer Erfolg gelungen: Nach zwei weiteren Fällen hat sie neun Jugendliche festgenommen. Drei befinden sich bereits in Untersuchungshaft, die anderen sechs müssen bald vor den Haftrichter und dann womöglich auch vorerst in den Knast. 

Rund 50 Mal ist seit Mitte April in Schulen und Kitas eingebrochen worden, offenbar immer aus einer größeren Gruppe von jugendlichen Tätern heraus. Bereits zuvor hatte die Polizei sechs Jungs ermittelt – am Montag wurden zunächst drei und am Dienstag noch einmal sechs Jugendliche erwischt und festgenommen. Das teilte die Polizei am Dienstag mit.

Bei dem ersten Trio von 15-Jährigen (zwei aus Bergisch Gladbach, einer aus Kürten) habe der Haftrichter bereits eine Untersuchungshaft angeordnet. Die drei seien am frühen Montagmorgen  gegen 2.50 Uhr einer Zivilstreife auf der Paffrather Straße in Höhe Am Wapelsberg aufgefallen.

Kurz darauf machten sie sich auf der Rückseite vom Stadion An der Flora an einem Zaun zu schaffen. Die Polizei griff zu und fand offensichtliche Beutestücke. Später stellte sich heraus, dass die drei offenbar bereits in ein Jugendheim des SV Bergisch Gladbach 09 auf der Handstraße eingebrochen waren.

Der 15-jährige Kürtener sei aufgrund anderer Straftaten schon häufiger bei der Polizei aufgefallen – und hatte am Montagmorgen beim Amtsgericht Bergisch Gladbach ohnehin einen Termin. Dorthin begleitete ihn die Polizei, von dort aus ging es in Untersuchungshaft.

Zur Sache: Jugendstrafrecht (bitte anklicken)
Das Jugendstraftrecht ist das für Jugendliche (14- bis 17-Jährige) und z. T. auch für Heranwachsende (18- bis 20-Jährige) geltende Straf- und Strafprozessrecht; es weicht in wesentlichen Grundsätzen vom allgemeinen Strafrecht ab.

In Deutschland beginnt die strafrechtliche Verantwortlichkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres, wenn der Jugendliche zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (§ 3 Satz 1 JGG).

Kinder unter 14 Jahren sind schuldunfähig (§ 19 StGB).

Auf Heranwachsende wird trotz zivilrechtlicher Volljährigkeit das J. angewendet, wenn im Einzelfall der Täter zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand oder es sich bei dem Charakter der Tat um eine Jugendverfehlung handelt (§ 105 JGG).

Der Unterschied zum Erwachsenenstrafrecht liegt beim materiellen Strafrecht im Bereich der Rechtsfolgen der Tat. Eine Jugendstraftat ist in erster Linie durch Erziehungsmaßregeln (Erteilung von Weisungen; Anordnung, Hilfe zur Erziehung nach § 12 JGG in Anspruch zu nehmen) zu ahnden; wenn diese nicht ausreichen, um dem Täter das Unrecht der Tat und seine Einstandspflicht hierfür bewusst zu machen, wird die Straftat mit Zuchtmitteln(Verwarnung; Erteilung von Auflagen, z. B. Schadensersatz, Zahlung von Bußen; Jugendarrest) oder mit Jugendstrafe geahndet.

Als Maßregeln der Besserung und Sicherung können die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt, die Führungsaufsicht oder die Entziehung der Fahrerlaubnis angeordnet werden. Nachträgliche Sicherungsverwahrung bei Verurteilungen nach J. kann gemäß § 106 JGG erfolgen.

Quelle und weitere Infos: Bundeszentrale für politische Bildung

In enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wurden die beiden Bergisch Gladbacher am Montagabend dem Haftrichter vorgeführt, berichtet die Polizei. Auch sie kamen in Untersuchungshaft – unter dem dringendem Verdacht, an einer Vielzahl der Schul- und Kita-Einbrüche beteiligt gewesen zu sein.

So sah es heute im NCG nach dem Einbruch aus

Trotz dieser Ermittlungserfolge war die Gruppe auch in der Nacht zu Dienstag aktiv. Kurz nach Mitternacht klirrtenam NCG auf der Reuterstraße die Scheiben. Ein aufmerksamer Anwohner informierte sofort die Polizei. Die Beamten nahmen noch am Tatort zwei und im Nahbereich vier weitere Jugendliche festnehmen.

Sie sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und kommen alle aus Bergisch Gladbach, so die Polizei. Sie seien offenbar wieder mit Brachialgewalt in die Schule eingedrungen und hatten diverse Türen und Schränke aufgebrochen. Teilweise wurden ganze Schränke umgeworfen.

Auch diese Jugendlich seien schon in den vergangenen Wochen bei den Ermittlungen aufgefallen. Alle sechs sollen noch heute dem Haftrichter in Bergisch Gladbach vorgeführt werden.

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13 Kommentare

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  1. „Kinder sind das Produkt ihrer Erziehung“. Das stimmt nur bedingt. Eltern können ihren Kindern Vorbild sein, sie liebevoll erziehen und ihnen Werte vermitteln. Mehr nicht! Kinder sind eigene Menschen und keine Produkte. Ab der Einschulung z. B. nehmen sogenannte Peergroups einen immer größer werdenden Einfluss auf Kinder. Elternhäuser werden zunehmend unwichtiger für die Kinder. Manche Eltern haben 5 Kinder, man könnte davon ausgehen, dass sie alle 5 gleich erziehen. Dennoch ist jedes Kind ein völlig eigenständiger Mensch mit Schwächen und Stärken. Natürlich stellt man sich hier die Frage, was schief gelaufen ist. Meine Interpretation geht in Richtung Schule. Schwache Leistung, Misserfolg, Frust, Versage und die Erkenntnis, sowieso nichts mehr ändern zu können. Vielleicht noch Unverständnis aus dem Elternhaus und bestimmt keine Unterstützung, vielleicht noch Drogen oder Alkohol und völlig überforderte Eltern, die entweder nicht um Hilfe gefragt haben oder sie mangels Kapazität nicht bekommen haben. Tja, so könnte man weiterspinnen. Aber zu sagen, das sei alles ein „Produkt“ von schlechten Eltern, ist definitiv ungerecht.

  2. Erschreckend ist das fehlende Unrechtsbewußtsein und eine emotionale Verrohung – schon in diesem Alter.

    Nach Gründen zu suchen ist übrigens nicht mit „Entschuldigung finden“ gleich zu setzen.

    Nach erfolgreicher Ursachenforschung für ein solches Verhalten, kann evtl. gegengesteuert und noch was gerettet werden.

    Vielleicht wäre als Bewährungs-Auflage eine Therapie nicht schlecht…

  3. Warum setzten Sie „hausgemacht“ und „importiert“ in Anführungsstriche. Und was meinen Sie damit?

    Ein Hinweis für die Leser: MdB steht für Mitglied des Bundestag, Harald Weyel ist Mitglied der AfD-Fraktion.

  4. In der Täterpsychologie spielt die Verachtung für das durch die Taten geschädigte Gemeinwesen natürlich auch eine Rolle. Deshalb: Wäre schon auch interessant zu erfahren, ob diese Problemfälle (inkl. Elternhäuser) „hausgemacht“ sind oder „importiert“!

  5. Viele fragen was hier schief gelaufen ist?
    Meine Meinung: jeder ist das Produkt seiner Erziehung !

  6. Sehr geehrte Herr Ommer / Beyer, ist das Ihr Ernst? Sie melden sich hier unter zwei offensichtlich falschen Namen an und werfen uns eine Vertuschung vor? Die Herkunft der Jugendlichen haben wir genannt: Bergisch Gladbach und Kürten. Wahrscheinlich meinen Sie die Nationalität? Wir nnen die Nationalität von Verdächtigen immer dann, wenn sie eine Rolle für die Taten spielt, in Übereinstimmung mit dem Pressekodex. Wir haben bislang keinen Hinweis, dass dies hier der Fall ist.

  7. Warum wird die Herkunft dieser Personen verschwiegen?
    Vertuschen hilft da auch nicht weiter!

  8. Warum wird die Herkunft dieser Personen verschwiegen?
    Vertuschen hilft da auch nicht weiter!

  9. Ich denke alle bisherigen Kommentare haben durchaus recht.
    Aber ohne die genauen Hintergründe zu kennen sollten wir (und da schließe ich mich ein) nicht vorschnell urteilen.

    Mein erster Gedanke war auch: Ab in den Knast. Aber das ist auch nicht die Lösung.
    Wie Frau Schinkel schon geschrieben hat würden Sie dort vermutlich auf noch schlimmere Gedanken kommen und in dem Umfeld auch direkt die Umsetzung lernen.

    Aus was für einen Umfeld kommen die Jugendlichen? Was ist in der bisherigen Kindheit schief gelaufen? Wieso können Kinder in dem Alter Nachts auf Einbrechertour gehen? Wo sind die Eltern, wenn es überhaupt welche gibt? Das alles kann man nicht mit Langeweile argumentieren! Da muss doch viel dahinter stecken…..

    Wollen wir mal hoffen, dass es Experten gibt, die mit den richtigen Methoden arbeiten und aus diesen kriminellen Jugendlichen wieder normale Kinder machen…………

    Außerdem hoffe ich, dass nicht noch andere Jugendliche von dieser kriminellen Energie angesteckt werden.

  10. Ich kann Herrn Esser nur zustimmen, aber heutzutage findet man für alles eine Entschuldigung, angefangen beim schlechten Elternhaus.

  11. Alles nur die Schuld der Öffentlichkeit? Bzw von Staat/Kommune und Gesellschaft?
    Wir hatten doch früher auch mal Langeweile und haben nicht die halbe Stadt auseinander genommen.

    Kann es sein, dass Sie ein, zwei Faktoren unterschlagen?

  12. Das ist das Ergebnis unserer Fehler.Kein Geld war für Jugendliche da für Jugendtreff ectr.jetzt geben wir es an den Juendknast.Toll haben wir das hin bekommen.Das war doch voraus zu sehen.Wie oft haben wir gelesen was zum Bsp.in Refrath am Kirchplatz los war an den Wochenenden.Warum wurde sich da nicht gekümmert ,nein da wurde nur der Streifenwagen vorbei geschickt.Das war doch auch in anderen Stadtteilen und genau so an der Saaler Mühle da wurden Bänke verbrannt ectr.und nichts wurde gemacht und das zu verhindern.Es ist wirklich traurig das Jugendliche erst zum Verbrecher werden müssen damit wir merken. Hier läuft was schief.Und nun Jugendknast?Damit sie da lernen was sie noch nicht können?

  13. Unfassbar… was ist da schief gelaufen in der Erziehung?? Die Dreistigkeit, gleich nach der Verhaftung wieder Rückfällig zu werden, zeigt wie abgebrüht diese Jugendlichen offenbar sind. Unser Strafrecht sollte hier erzieherische Maßnahmen in den Vordergrund stellen, die der Schwere der Taten angemessen sind….