Die dringend benötigte neue Feuerwache Süd soll in einem Zipfel des Königsforsts an der A4 gebaut werden. Das Land ist zum Grundstückstausch bereit, doch viele Hürden müssen noch genommen werden, rechtliche und politische. Auch der neue Flächennutzungsplan müsste geändert werden.

Seit sechs Jahren sucht die Stadt ein Grundstück, das sich für den Bau einer neuen Feuerwache Süd eignet. Die alte Wache an der Wipperfürther Straße in Bensberg ist viel zu klein, die Zustände dort seien beschämend, hatte zuletzt Kämmerer Frank Stein kritisiert, der als Dezernent auch für die Feuerwehr zuständig ist.

Eine geeignete Option glauben Feuerwehr und Stadt jetzt gefunden zu haben: Ein 6000 Quadratmeter großes Waldstück in einer Spitze des Königsforsts, nördlich der Schleife der A4-Auffahrt Frankenforst, zwischen Frankenforster Straße und Rather Weg (siehe Skizze oben).

„Der aktuell favorisierte Standort”

Diese Fläche sei der „aktuell favorisierte Standort für die Ansiedlung einer neuen Feuer- und Rettungswache”, bestätigte die Stadtverwaltung jetzt auf Anfrage des Bürgerportals. Eine Machbarkeitsstudie solle klären, ob das Grundstück tatsächlich geeignet ist. Anfang 2020 soll sich der Stadtrat erstmals damit befassen und entscheiden, ob diese in Auftrag gegeben wird.

Der Ausgang der Prüfung ist offen. Denn für das Vorhaben muss der gerade erst verabschiedete Flächennutzungsplan 2035 geändert werden. Dabei wird der Natur- und Umweltschutz eine große Rolle spielen, immerhin müsste für die Feuerwache eine Mischwaldfläche am Rande des Königsforsts gerodet werden.

Links der Auffahrtschleife sieht der neue FNP die Option für ein Gewerbegebiet vor. Das kleine Dreieck rechts davon wurde im FNP-Verfahren nicht beachtet. 

Allerdings scheint eine Genehmigung nicht ausgeschlossen – immerhin hatte die Bezirksregierung im Rahmen der FNP-Aufstellung ein deutlich größeres Gewerbegebiet (G Fr 1a, im Plan oben WIII B) direkt auf der anderen Seite der Autobahnauffahrt genehmigt.

Wie wichtig ist der Wald?

Unklar ist jedoch, ob es eine politische Mehrheit für die Rodung der Waldfläche geben wird. CDU und Grüne haben sich schon lange auf den Schutz des Waldes verpflichtet. Mit der Entscheidung, bei allen Maßnahmen dem Klimaschutz Vorrang einzuräumen, war der gesamte Stadtrat einen Schritt weiter gegangen. Zudem stehen im September 2020 Bürgermeisterwahlen an, bei denen Frank Stein als gemeinsamer Kandidat von SPD, FDP und Grünen antritt.

Immerhin hat die Stadtverwaltung bereits „erste Sondierungsgespräche” mit den zuständigen Landesbehörden, der Bezirksregierung Köln und dem Rheinisch-Bergischen Kreis geführt. Das Grundstück werde als „grundsätzlich geeignet” eingestuft, so das Ergebnis der ersten Vorprüfungen.

Zudem hatten verschiedene Dienststellen der Stadt mit dem Eigentümer gesprochen, dem Landesbetrieb Wald und Holz. Dieser sei „aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses” bereit, das Grundstück ausschließlich zum Bau einer neuen Wache gegen Waldflächen an anderer Stelle im Stadtgebiet zu tauschen.

Machbarkeitsstudie und B-Plan

Der nächste Schritt wäre nun – nach der Freigabe durch den Stadtrat – die Machbarkeitsstudie. Dabei, so die Verwaltung, werden die eigenen Fachabteilungen sowie externe Gutachter beteiligt. Zudem würden zahlreiche Gutachten zum Thema Verkehr, Lärm usw. eingeholt und die Belange des Umwelt, Natur- und Klimaschutzes abgewogen.

Die Bürger, aber auch die sogenannten Träger öffentlicher Belange (wie die Naturschutzverbände) können sich später im B-Planverfahren äußern.

Widerstand im „Frankenwald”

Doch bereits jetzt regt sich vor Ort Widerstand. Eine Online-Petition unter dem Motto „Rettet den Frankenwald” hat bereits mehr als 2000 Unterschriften gesammelt. Sie richtet sich zunächst gegen ein im FNP vorgesehenes Gewerbegebiet (G Fr 1a), das aktuell gar nicht auf der Tagesordnung steht und wofür ebenfalls ein B-Plan aufgestellt werden müsste.

Die Initiative versteht aber auch das Grundstück, das nun für die Feuerwache favorisiert wird, „als Teil des Naturraums Frankenwald”, sagt Martina Knieps, die die Petition gestartet hatte. Abwarten, was bei der Prüfung herauskommt, sei keine Option: „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir nicht warten können bis die Bebauungspläne kommen, denn dann ist es zu spät.”

Seit der Verabschiedung des FNP habe sich die Gesamtwetterlage gedreht; nicht nur durch Fridays for Future, sondern auch durch den gerade verabschiedeten Waldpakt NRW und das angestrebte Klimaschutzkonzept für Bergisch Gladbach.

Weitere Beiträge zum Thema:

2000 Unterschriften für die „Rettung des Frankenwalds”

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Zur geplanten Feuerwache, Frankenwald, Ausbau A4 und sonstiges :

    Das Problem der “alten” Wache Bensberg und das damit verbundene Wissen, dass die Wache zu klein sei und dass UVV-Vorgaben der engen Stellplätze besteht, besteht schon über 20 Jahre. Die Suche nach einem möglichen neuen Standort hätte schon vor 20 Jahren angegangen werden können. Und o Wunder es wird jetzt so getan, dass sei das Problem “brandneu” und “akut”. Nein ist es nicht.

    Die Hauptwache Nord wurde geplant – unter Berücksichtigung von Kosten – und platt gesagt ohne Platzreserven. Nur damit die Erstellung des Neubaus im Kostenrahmen bleiben. Und jetzt zu tun, als sei auch dieses Problem neu ist lachhaft.

    Ok – unterstellt man das die Feuerwehr eine neue Wache braucht, muss natürlich ein Grundstück gefunden werden. Komisch, dass bei Bürgern dieser Stadt, die zufällig Betriebe haben plötzlich alles möglich ist, ist befremdlich. Und die Stadt verschläft die Probleme und wenn es nicht mehr geht, werden daraus “Akutprobleme” gemacht. Und es werden Schnellschüsse aus der Hüfte anvisiert….Ob das gut ist ?!?

    Persönlich denke ich, dass andere Standorte gegeben hätte, wenn die Stadt reagiert hätte. Aber gut ist gegessen.

    Nur hier genau an diesem Wald treffen unterschiedliche Interessen zusammen. Da ist die Stadt mit ihren Ideen, da der FNP, der mit aller Gewalt – ohne Rücksicht auf die Bevölkerung – durchgesetzt werden soll, da sind die Bürger, da der unumstrittene Ökologische Nutzen des Waldstreifens, da ist der LB Strasse mit seinen Ausbauplänen für die A4 und da ist die Feuerwehr mit Ihrer Gefahrenabwehr…..

    Alles gut und schön… Wenn es nach mir ginge würde ich einen Deal draus machen.
    Ja die Feuerwache ist wichtig, und dem könnte man zustimmen, wenn die Stadt einlenkt und sagt oK wir bauen dort die Wache, aber wir nehmen dafür Abstand davon den Rest abzuholzen zu Gunsten eines Gewerbegebietes. Zumal die Gewerbesteuereinnahmen die kleinsten Einnahmen der Stadt sind und bisher noch keiner realistisch beantworten konnte, woher überhaupt die neuen Gewerbetreibenden kommen sollen….aber auch hier träumt die Stadt von besseren Zeiten…

    Nebenbei bemerkt wäre das ein Vorteil…denn bei dem Ausbau der A4 auf drei Fahrspuren in jede Richtung darf zwingend kein Wald auf der Seite des Königsforstes fallen, sprich es würde nur ein Ausbau zu Ungunsten des Grünstreifens möglich sein.

    Aber die Stadt GL plant ja pausenlos auf Flächen die ihnen gar nicht gehören…
    Und so was geschieht in GL öfters…verschlafen oder dilettantisch??

    Gruss

  2. Warum die gesamte geplante Gewerbefläche der Stadt Bergisch Gladbach von 31 ha rund um die historisch gewachsene Schlafstadt Bensberg, von Lustheide über Refrath, Frankenforst, Moitzfeld bis Herkenrath im neuen FNP geplant wurde, das bleibt das Geheimnis der Planer von CDU und SPD und der damals vehement nach noch mehr Flächen rufenden FDP. In jedem Fall wird dieser Plan, wenn er denn so umgesetzt wird, den Charakter der Stadtteile dramatisch verändern, da parallel dazu auch noch der sechsspurige Ausbau der A 4 geplant ist und kommen wird. Auch dieser Autobahnausbau geht nicht ohne “Waldverbrauch” vielleicht sogar auf beiden Seiten der A 4 ab. Beide Maßnahmen zusammen genommen sind aus meiner Sicht für diese Seite der Stadt der GAU der Planung unter dem Aspekt des Eingriffs in eine gewachsene Kulturlandschaft.
    Aus meiner persönlichen Erfahrung mit mehr als 2000 Unterschriften beim InHK Bensberg befürchte ich, dass wird nicht reichen, auch wenn die hier vorliegende Planung kein „Siegerentwurf“ ist. In jedem Fall wünsche ich dieser Initiative viel Erfolg bei der Verhinderung dieses Eingriffs in den bestehenden Waldgürtel. Der Politik wünsche ich die Größe und nötige Einsicht, die Meinungen und Wünsche der Bürger durch einen transparenten Prozess der Bürgerbeteiligung für die Zukunft mit aufzunehmen.
    Im Vorfeld zur Kommunalwahl in diesem Jahr bestehen für eine entsprechende Festlegung bestimmt für alle Beteiligte sehr gute Möglichkeiten, wenn man das dann will.