Der Siedlungsbau nach dem Krieg schafft dringend benötigten Wohnraum. Es entstehen die so genannten Einliegerwohnungen. Mit dem Aufbau der Siedlungen wie am Schmillenberg wird Bergisch Gladbach größer. Teil fünf der Serie zu den Aufbaujahren.

Dass Bonn zur vorläufigen Hauptstadt erklärt wurde, hatte für die Stadt Bensberg unmittelbare Folgen. Die in Bonn stationierten belgischen Besatzungstruppen wurden abgezogen und nach Bensberg verlegt. Als Ausgleich erhielt Bensberg Geld vom Wiederaufbauministerium zur Beschaffung von Wohnraum.

Die unhaltbaren Zustände veranlassten die Stadtverwaltung 1948, als eines der ersten Projekte die Siedlung Schmillenberg in Angriff zu nehmen. Sie kaufte von den Lautz-Erben (Gut Kippekausen) 46.000 m², um Ausgebombte, Heimatvertriebene und Kriegsbeschädigte anzusiedeln.

Siedlung Schmillenberg

Die Siedlung Schmillenberg entstand auf einem sandigen Hügel, südlich des Gutes Kippekausen. Zwar reichte das Siedlungsgelände bis an die Obstwiese des Hofes Kippekausen heran, aber es waren keine Ackerflächen, sondern Land, das bis dahin mit Akazien, Kiefern, Ginster und „Schmillen“, einem breitblättrigen, hohen Gras, bewachsen war.

Nur im unteren Teil standen Eichen, die mit Duldung der Familie Lautz nach dem Kriege gefällt und verheizt wurden. Manch alter Refrather weiß zu berichten, dass der Sandhügel Schmillenberg eine Art Abenteuerspielplatz war.

Ein zehnköpfiger Siedlungsausschuss hatte die schwierige Aufgabe, unter vielen Bewerbern 51 Siedler auszuwählen. Das Gelände war von der Stadt in ebenso viele Parzellen aufgeteilt worden mit einer Durchschnittsgröße von ca. 800m².

Die Absicht war, durch die Anlage großer Gärten einen Beitrag zur Ernährungslage zu leisten. Am 10. April 1949 gründeten die Siedler eine Gemeinschaft innerhalb des Deutschen Siedlerbundes, die im Frühjahr 2019 ihr 70jähriges Bestehen feierte.

Die Siedlung wurde in fünf Abschnitten gebaut. Gegen Ende April 1951 konnte auch im dritten Bauabschnitt Richtfest gefeiert werden.

Kurzzeitig stockte der Weiterbau infolge des 1950 ausgebrochenen Koreakrieges. Die Vergabe der Kredite verzögerte sich. Manche Siedler, die in den vierten oder fünften Abschnitt gelost worden waren, bangten um ihre Siedlerstelle.

Der Beitrag ist Teil einer Serie zu Bergisch Gladbach nach dem Zweiten Weltkrieg. Darin geht es um Entnazifizierung und Kommunalthemen. Weitere Themen sind u.a. Auswirkungen des Marshall-Plans, Wohnungs- und Siedlungsbau, die Gründung von Apotheken, Arztpraxen und Schulen. Hier finden Sie alle Beiträge.

Aufnahme von „Einliegern“

Das Projekt wurde durch Kredite öffentlicher Geldinstitute, durch Landesmittel und Darlehen der Stadt Bensberg finanziert. Die Landesmittel waren an die Bedingung geknüpft, dass jeder Siedler, sofern nicht sehr kinderreich, in das Obergeschoss seines Hauses sogenannte „Einlieger“ zu einer festgesetzten Miete aufnehmen musste. Auch diese Maßnahmen dienten der Wohnraumbeschaffung für Heimatvertriebene und Bombengeschädigte.

Es sollte nicht vergessen werden, dass im Stadtgebiet Bensbergs zwischen dem 6. März und dem 1. Mai 1949 in drei Sammlungen rund 40.000 DM zur Unterstützung des Vorhabens zusammenkamen – und das so kurz nach der Währungsreform. Nach mehrmonatiger Verzögerung konnte dann doch der vierte Abschnitt in Angriff genommen werden.

Ende Januar 1953 standen auch hier die Richtbäume auf den Dachstühlen des fünften Abschnittes. Im August 1953 zogen die letzten Siedler in ihr neues Heim ein, wenn auch noch manches zu tun war.

Baufinanzierung per Eigenleistung

Kurz nach der ersten Bundestagswahl wurde die Siedlung am 12. September 1953 eingeweiht. Während in den Gärten der ersten Abschnitte bereits geerntet worden war, war im letzten noch einmal „Roden“ angesagt. Als Träger der Siedlung fungierte die „Rheinische Heimstätte“ in Düsseldorf, die örtliche Bauleitung hatte das Bauamt der Stadt Bensberg.

Die Siedler hatten 2.000 Stunden Eigenleistung zu erbringen, die mit 1 DM pro Stunde angerechnet wurden. Die abgeleisteten Stunden wurden täglich durch einen Schriftführer festgehalten. Das Stundenbuch existiert heute noch!

Für einen Quadratmeter Grundstück wurde 1 DM berechnet, ein Siedlerhaus kostete ca. 25.000 DM. Die Siedler tilgten ihre Darlehen nach Bezug des Hauses mit einer Miete.

Ganz ähnlich verfuhr man am „Kieppemühlenweg“ in Refrath, der damals noch Durchgangsstraße nach Bergisch Gladbach war. Von der Alten Kirche aus gesehen wurde die rechte Seite bebaut. Auf alten Fotos kann man sehen, dass links noch Ackerland war.

Gebaut wurden insgesamt fünf baugleiche Doppelhäuser, vier am „Kieppemühlenweg“, eines an der heutigen Straße „ An der Refrather Heide“. Bauträger war die Stadt Bensberg, die Baugenehmigung wurde am 10. September 1949 erteilt. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1951.

Kleinsiedlung im Bruch

Gebaut wurden die Häuser in Holzfertigbauweise (Ständerwerk) von der heute noch bestehenden Firma Holz Jost in Köln-Sülz. Ab Ende der 80er Jahre wurden die Doppelhäuser von der Stadt Bergisch Gladbach schrittweise verkauft, vornehmlich an Feuerwehrmitarbeiter.

Wie auf dem Schmillenberg gab es auch hier Gärten zur Selbstversorgung. Ursprünglich hat ein großer Anteil der Doppelhausparzellen aus Hinterland bestand. Diese Flächen sind heute bebaut.

Ein weiteres Beispiel des Bauens für „Besatzungsverdrängte“ ist auch die Kleinsiedlung „Im Bruch“ Nr. 9-19. Es handelt sich um drei Doppelbauten mit zusammen sechs Wohnungen. Sie sind in Hufeisenform um einen Platz angeordnet, der sich zur Straße hin öffnet.

Früher lagen sie in dem Waldstück, das „Brandroster Bruch“ genannt wurde, weil es sumpfiges Gelände war. Dort verlief sich der kleine Bach, der von der Alten Kirche kam. Hier hätten „die Alten“ nie gebaut. Heute ist das ganze Gebiet zwischen „Bernard-Eyberg-Straße“ und „Brandroster“ erschlossen und dicht bebaut.

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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