Rund 17.000 Bergisch Gladbacher haben eine Migrationsgeschichte, weit mehr als noch vor sechs Jahren. Ihre Interessen vertritt der Integrationsrat, der im September neu gewählt wird. Dafür werden jetzt Kandidat:innen gesucht – auch ohne ausländische Wurzeln.

Den Integrationsrat wählen dürfen am 13. September nur die Personen, die in Bergisch Gladbach gemeldet sind und eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen oder eingebürgert worden sind.

Das sind rund 17.000 Wahlberechtigte und damit ungefähr 4000 mehr als 2014, schätzt Wahlleiter Frank Bodengesser. Dazu hätte vor allem die Flüchtlinge und der Familiennachzug beigetragen.

Viele aus diesem Personenkreis dürfen bei der Kommunalwahl am 13. September nicht abstimmen. Sie haben im Integrationsrat aber eine starke Repräsentation, sagt Bürgermeister Lutz Urbach.

„Deine Stimme, Dein Gesicht!”

Als Kandidaten für den Integrationsrat dürfen dagegen alle Bürger:innen antreten, egal ob mit oder ohne ausländische Wurzeln. Sie müssen allerdings mindestens 18 Jahre als sein – und sollten sich sowohl für Politik wie für Integration interessieren.

Für die 14 Sitze werden jetzt unter dem Motto „Deine Stimme, Dein Gesicht!” möglichst viele Bewerber gesucht, denn es werden auch Stellvertreter benötigt. Weitere sieben Mitglieder des Beirats werden vom Stadtrat entsandt.

Einfluss in Politik und Verwaltung

Der Integrationsrat bietet die Möglichkeit, bei politischen Entscheidungen mitzuwirken: seine Vertreter sitzen in den Fachausschüssen mit beratender Stimme. Darüber hinaus kann der Integrationsrat eigene Initiativen anstoßen und Veranstaltungen entwickeln.

Dafür stehen ihm ein kleiner eigener Etat über 7000 Euro sowie die Mittel aus dem Integrationskonzept in Höhe von 50.000 Euro zur Verfügung. Insgesamt gibt die Stadt pro Jahr rund 110.000 Euro für Integrationsmaßnahmen aus, und dabei redet der Beirat immer mit.

Pragmatischer Kurs

Der Integrationsrat sei ein wichtiges Glied in der Gesamtstrategie der Integrationsarbeit in Bergisch Gladbach und nehme eine Schlüsselposition bei der politischen Teilhabe und Mitbestimmung ein, sagt Saim Basyigit, Vorsitzender des aktuellen Integrationsrates.

Nach ein paar Querelen zum Start habe sich der Beirat vor drei Jahren zusammengerauft und einen sehr pragmatischen Kurs gefahren, berichtet Basyigit. Eines der Ergebnisse dieser Arbeit sei das neue Integrationskonzept der Stadt.

Wahlbeteiligung erhöhen

Im Moment kümmere sich der Rat vor allem darum, noch bekannter zu werden und die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Denn die war mit gut 13 Prozent bei der vergangenen Wahl sehr bescheiden.

Dabei geht es um viel. „Integration ist ein grundlegendes Element einer Stadtgesellschaft”, sagt Uwe Tillmann, Leiter der Sozialen Stadtentwicklung. Das Thema habe deutlich an Relevanz gewonnen und werde auch künftig immer mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Dabei hätten die Mitglieder des Integrationsrates einen breiten Gestaltungsfreiraum. Sie können sich an der Gestaltung des Gemeinwesens und des Zusammenlebens in Bergisch Gladbach beteiligen, bei der Entwicklung von langfristigen Strategien mitwirken, Veranstaltungsformate und Angebote entwickeln, den interkulturellen Dialog voranbringen und ihre Themen direkt in die Ausschüsse des Stadtrates bringen.

Die Formalitäten

Wahlberechtigt sind Bergisch Gladbacher:innen, die eine ausländische Staatsangehörigkeit haben, Doppelstaatler und Eingebürgerte. Darüber hinaus müssen sie Personen zum Zeitpunkt der Wahl mindestens 16 Jahre alt sein, seit mindestens einem Jahr rechtmäßig in Deutschland leben und seit mindestens dem 28.08.2020 in Bergisch Gladbach wohnen.

Kandidieren kann jede/r Wahlberechtigte, sowie Bürger:innen, die 18 Jahre alt sind und seit dem 13.06.2020 ihre Hauptwohnung in Bergisch Gladbach haben.

Wer Interesse hat muss sich spätestens bis zum 27. Juli beim Wahlbüro melden, alle Infos und die notwendigen Formulare gibt es auf der Homepage der Stadt Bergisch Gladbach.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. es wäre sicher sehr gut,wenn mehr Bürger mit Integrationshintergrund sich beteiligen würden. Bei der Veranstaltung am gestrigen Abend hat sich gezeigt, wie gering das Interesse an diesem Gremium ist. Vielleicht sollten auch die politischen Parteien dieses Gremium für sich annehmen. es gibt gerade den Mitbürgern mit Zweisprachlichkeit und Migrationshintergrund eine Mitwirkung für ihre Belange. Ich finde, wir können als politische Parteien nicht genug Bürger ermutigen dort sich zu angagieren. es ist auch ein Lernfeld für Demokratie und Verantwortung in unserer Gesellschaft