Das Kunstmuseum Villa Zanders zeigt in seiner neuen Kabinettausstellung Kunst aus der Region. Die beweist sich dabei als Heimat einer vielfältigen Kunstszene. Bei „Kunst vor Ort“ sind Werke aus der Schenkung des Sammlers Gerd Krämer und dem eigenen Bestand zu sehen – auf einem exzellentem Niveau.

„Das Kunstmuseum fördert seit Jahrzehnten regionale Künstler, indem es Ausstellungsmöglichkeiten schafft”, sagt Petra Oelschlägel, die Leiterin des Kunstmuseum. Zum Beispiel mit dem Format „Ortstermin“, aber auch durch Kabinettausstellungen.

+ Anzeige +

Die aktuelle Kabinettausstellung „Kunst vor Ort” ist ein schönes Beispiel für die Präsentation von Künstler:innen aus der Region ist. Sie ist noch bis zum 9. August 2020 zu sehen.

Blick in die Kabinettausstellung (v.l.n.r.): Michael Kramer, Ohne Titel (Kioske), 1987; Karl-Hermann Eskens, Lattenzaun I und II, 2012; Georg Dittrich, Ohne Titel (3-teiliges Objekt), 1992, Bodenarbeit: Mechthild Winkler, Ohne Titel, 1992

Den Ausgangspunkt bildet eine Schenkung des Sammlers Gerd Krämer an den Galerie+Schloss e.V., die wiederum als Dauerleihgabe an das Kunstmuseum Villa Zanders vermacht wurde. Bei einem Gesamtankaufsetat von 2.000 Euro (den Ausbau der bundesweit wahrgenommenen Sammlung „Kunst aus Papier“ eingeschlossen) sei der Ankauf von Kunstwerken so gut wie unmöglich, erläutert Oelschlägel.

Die Sammlung ist, ergänzt um Werke aus dem Bestand, erstmals seit 2011 wieder zu sehen. Die kleine Präsentation belegt gerade einmal zwei Räume im Erdgeschoss der Villa, ist aber nicht minder sehenswert.

Petra Oelschlägel, Leiterin des Kunstmuseums Villa Zanders, erläutert die Arbeit “Alibi Collection” von Rolf Hinterecker

Genial lokal

Sie ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Kunst auf exzellentem Niveau nicht die internationale Bühne braucht. Dass sie sich nicht über reine Präsenz in Metropolen definiert und auch abseits des Namedroppings funktioniert (merkantile Aspekte einmal außer Acht gelassen).

Was gibt es nun aktuell im Kunstmuseum Villa Zanders zu sehen?

Fanny Schoening aus Bensberg ist für Meditationen in Papier bekannt. In der Villa zeigt sie eine Collage aus Faltungen, basierend auf einem Manuskript von John Cage.

Ute Braun ist mit einem Werk unter dem Titel „Das Große Tor von Kiew“ präsent. Eine zarte Arbeit in Tusche auf drei Platten, die sich gleichwohl mit ungemeiner Präsenz behauptet.

Walter Hanels Portrait des Papstes aus 1973 zeigt einmal mehr, dass er mit „spitzer Feder“ arbeitet: In punkto Ästhetik, bei seinen Karikaturen aber auch in politischer Hinsicht.

Elisabeth Jansen, Ohne Titel (Künstlerbuch), 2004

„Kreis, Quadrat, Dreieck – ein Kommentar zwischen Kultur und Natur, zwischen Geometrie und dem Organischen“, so fasst Petra Oelschlägel die drei Bodenstücke von Mechthild Winkler aus 1992 zusammen.

Und verweist zugleich auf die beiden Arbeiten von Maria Schätzmüller-Lukas (Baum mit Blechspitzen seitlich) sowie Wolfgang Peter (Ohne Titel, Aus Lebenszeichen Nr. 23). Beide Künstler hatten gemeinsam im Jahr 1993 die erste Ausstellung im Rahmen des Ortstermin, einer Ausstellungsreihe, die seitdem von der VR Bank gefördert wird und bis heute alle zwei Jahre durchgeführt wird.

Peter hat seine Arbeiten übrigens mit Improvisationen begleitet. Und so verweist in dem Künstlerbuch „Nachtwanderung“, das sich in der Vitrine von hoher grafischer und typografischer Wucht zeigt, auf Musiker wie Dizzy Gillespie, Thelonius Monk und Charly Parker – Ikonen des Jazz.

„Mit der Alibi-Collection von Rolf Hinterecker präsentieren wir einen bedeutenden Performance-Künstler der Stadt, der auch immer wieder mit Objekten von politischem oder gesellschaftskritischem Hintergrund auf sich aufmerksam macht“, verdeutlicht Petra Oelschlägel. Seine 1994 entstandene Sammlung von Gegenständen zur „Ausländerthematik“, kombiniert mit einem Fragebogen der Verwaltung, ist so aktueller denn je.

molitor & kuzmin, ein Künstlerduo aus Rösrath/Köln, bezaubert durch einen Blei-ummantelten Kasten. Eine ringförmige Leuchtstoffröhre liefert sich hinter unregelmäßigen Schichten von Sand verborgen ein raffiniertes Spiel mit Tages- und Kunstlicht. Lichtkunst: Ein – im wahrsten Sinne des Wortes – Highlight innerhalb der kompakten Schau.

Mit Eckard Alker mogelt sich gar ein äußerst gegenständlich arbeitender Künstler unter die anwesenden Artisten. Er widmet sich mit feinem Strich dem Bergischen und lotet mit seinem ungemein feinsinnigen Portrait des Altenberger Doms die Möglichkeiten dieses Genres in der Moderne aus.

Eckard Alker, Ohne Titel (Altenberger Dom), 26.01.1996

Es gäbe noch mehr zu erzählen: Von Claudia Betzins Sankt Andreas-Kirche, von Rudolf Bonvies Atomkraftwerken, dem abgeschliffenen Papier der Brigitte Schollmayer, dem Dialog von Tusche und Klebefilm auf Karl-Hermann Eskens Lattenzaun, oder dem bezaubernden Künstlerbuch der Elisabeth Jansen. Nicht zu vergessen die ironischen, kommentierenden, den Betrachter nie ratlos zurücklassenden Fotografien von Klaus Hansen.

Aber diese weiteren Entdeckungen sollten die Leser:innen nun unbedingt selbst machen. Denn wenn es – nicht nur in der Pandemie – heißt: Buy local!, dann schlägt diese Ausstellung freundlich, aber bestimmt, aus gutem Grund den Imperativ vor: Watch local!

Weitere Künstler aus der Region wie Mary Bauermeister, Winfried Junge, Petra Paffenholz und Rosemarie Stuffer sind in der parallel laufenden Ausstellung „Neu aufgestellt“ in der Villa Zanders zu sehen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.villa-zanders.de

PDFDrucken

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.