Engin Sakal, Geschäftsführer des Landesintegrationsrates; Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates; Uwe Tillmann, Abteilungsleiter Soziale Stadtentwicklung; Saim Basyigit, Vorsitzender des Integrationsrats Bergisch Gladbach

Bis zum 27. Juli können sich Kandidat:innen für die Wahl zum städtischen Integrationsrat melden. Vertreter des Rats, der Stadt und des Landesintegrationsrats werben für ein Engagement in dem Gremium. Die Hoffnungen ruhen auf weiteren Kandidat:innen sowie einer höheren Wahlbeteiligung.

„Ohne Beteiligung wird man vergessen!” So brachte der Vorsitzende des Landesintegrationsrates, Tayfun Keltek, die Relevanz des Integrationsrates auf den Punkt. Vor rund 40 Teilnehmern erklärte er im Gemeindesaal der Ev. Kirche Zum Frieden Gottes in Hedikamp, was heute Integration bedeutet: Kein reiner Appell: „Du musst Dich integrieren”. Man müsse vielmehr auf die Potentiale der Menschen mit internationaler Geschichte setzen und diese nutzen.

Ein Beispiel: Zweisprachige Erziehung gilt bei vielen als Highlight der Bildung schlechthin. Dies würden viele Eingebürgerte oder Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft längst mitbringen. Sie wüchsen zweisprachig auf und seien in mehreren Kulturen zuhause, so Keltek.

Aufgaben des Integrationsrates

Er nannte den Ausbau der Chancengleichheit, Förderung der Potentiale wie bilinguale Erziehung und interkulturelle Kompetenz, sowie Kampf gegen den Rassismus als zentrale Aufgaben des Integrationrats, der für Keltek das Fachgremium schlechthin in punkto Integration in Kommunen ist.

Saim Basyigit, aktueller Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt, nannte zentrale Punkte aus der vergangenen Amtsperiode: So habe der Rat gegen das Vergessen des Solinger Brandanschlages gewirkt, eine Initiative gegen den NSU-Terror liege den zuständigen Gremien vor.

Zudem arbeitete man zu den Themen Genitalverstümmelung sowie Islam und Demokratie. Mit dem Integrationskonzept 2020-2050 für Bergisch Gladbach sei eine wichtige Basis für die kommenden Jahre geschaffen.

Unterstützung auch für Neulinge

Engin Sakal, Geschäftsführer des Landesintegrationsrates NRW, stellte die organisatorischen Rahmenbedingungen für das Gremium vor. Landesweit stünden insbesondere Themen wie natürliche Zweisprachigkeit, Förderung der Antidiskriminierungsarbeit, Sport, Senioren, Gesundheit und vieles mehr auf der Agenda der Integrationsräte. NRW-weit gebe es 107 dieser Gremien, die mit einem Drittel Frauen deutlich „weiblicher” seien als andere politische Gremien.

Laut Sakal könnten sich auch politisch Unerfahrene gerne melden: So würden die Mitglieder des Integrationsrates zu Beginn der Amtsperiode mit Seminaren und Fortbildungen in der Gremienarbeit geschult. Der Landesintegrationsrat würde mit Musteranträgen u.ä. im politischen Alltag unterstützen.

Wichtige Termine

Frank Bodengesser vom Wahlbüro Bergisch Gladbach rief nochmals zentrale Termine in Erinnerung. Kandidaten für die Wahl zum Integrationsrat könnten sich bis zum 27. Juli hier melden. Das Wählerverzeichnis liege ca. ab 9. August aus, parallel würden die Wahlberechtigten in der Stadt informiert. Die Wählergruppe habe sich deutlich vergrößert: In 2014 waren es rund 13.000 Wahlberechtigte, in 2020 seien es 17.000, so Bodengesser.

Ab dem 17. August seien die Direktwahlbüros in der Stadtmitte (RheinBerg-Galerie, gegenüber C & A), Bensberg (Schlossstraße, bei Tchibo) sowie Refrath (St. Johann Baptist) geöffnet.

Sein Appell an alle potentiellen Kandidaten und Wahlberechtigten lautet: „Haben Sie keine Angst sich politisch zu engagieren. Der Integrationsrat ist nicht mit der politischen Bühne in Berlin zu vergleichen. Kommen Sie dazu, machen Sie mit! Wir suchen keine Politiker. Und lassen Sie sich nicht blenden. Gehen Sie wählen. Wir brauchen Ihren Hintergrund!”

Kommentar
Der Appell von Frank Bodengesser ist berechtigt. Denn die Mobilisierung für den Integrationsrat scheint nicht ganz einfach. So fanden sich neben Mitgliedern des Integrationsrates und den Mitarbeitern der Stadt nicht allzu viele Menschen mit internationaler Geschichte im Gemeindesaal in Heidkamp ein.

Über die Gründe, aber auch für die geringe Wahlbeteiligung in 2014, kann man spekulieren. Vielleicht würden ja bereits mehrsprachige Infos zum Integrationsrat und dessen Wahl helfen.

Und auch die Veranstaltung hätte vielleicht mehr Resonanz erhalten, wenn sie zumindest in den Sprachen der zahlenmäßig am häufigsten vertretenen Menschen mit Migrationshintergrund angeboten worden wäre.

Gleichwohl ist das Engagement für und im Integrationsrat von nicht zu unterschätzendem Wert. Die Arbeit aller Beteiligten, sei es in der Stadt oder im Integrationsrat selbst, ist wichtiger denn je. Um eine Integration zu ermöglichen, die „keine einseitge Anpassung von Minderheiten an die Mehrheitsgesellschaft (ist), sondern ein konstrutives, selbstverständliches Miteinander aller Bürger:innen in gegenseitiger gesellschaftlicher Toleranz und Normalität”.

Das ist ein zentraler Satz im aktuellen Integrationskonzept 2020-2025. Hoffen wir, dass es kein Lippenbekenntnis bleibt.
Holger Crump

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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