Foto: Andreas Schwann

Die international renommierte Pianistin Carmen Daniela aus Kürten hat im Rahmen des Feierprogramms BTHVN 2020 ein Beethoven-Konzert im Kammermusiksaal des Bonner Beethoven-Hauses gegeben. Die Einnahmen kommen älteren Menschen in Beit Jala zugute.

Die Pianistin Carmen Daniela hatte im Frühjahr einen schweren Verkehrsunfall – ein Motorradfahrer hatte sie übersehen. Das Beit-Jala-Konzert war nun das erste nach diesem tragischen Ereignis.

Trotz starker Medizin und starker Schmerzen entfesselte Daniela ein furioses und kraftvolles Feuerwerk, das mit der Grande Sonate Pathétique c-moll op. 13 begann und mit einer wild-verrückten eigenen Paraphrase der Waldstein-Sonate endete. Ihr Sohn Luca Leonhard begleitete sie dabei.

Zwei musikalische Überraschungen, die eine kredenzt im Duett mit dem Bonner Geigenvirtuosen Konstantin Gockel, die andere mit der jungen Sopranistin Sophie Coen, rundeten einen höchst beeindruckenden Klavierabend ab. 

Für Daniela verband sich der Konzertabend durchaus mit dem Lebenskampf Beethovens, den sie mit den Worten zitiert: „Ich will meinem Schicksale trotzen, obschon es Augenblicke meines Lebens geben wird, wo ich das unglücklichste Geschöpf Gottes sein werde.“

Nur mit ihrer eigenen kreativen und unbändigen Energie kann Daniela einen solchen Abend realisieren. Dass sie sich aber überhaupt wieder ein Konzert zumuten kann, verdankt sie Dr. Albert Merizian, der an ihr nach dem Unfall sein neurochirurgisches Kunsthandwerk unter Beweis gestellt hatte.

Merizian – selbst in Jerusalem geboren, wenige Kilometer von Beit Jala entfernt – amtierte für das Konzert gerne als Schirmherr.

Es war das zweite Beit-Jala-Konzert Carmen Danielas nach ihrem Auftritt vor einigen Jahren in Bergisch Gladbach. Zweck und Anlass des jetzigen Konzerts war es – außer den Komponisten und die eigene fortgeschrittene Genesung zu feiern – den Reinerlös aus den Einnahmen und die Spenden zum Benefit für das „St. Nicolas Heim der Wohltätigkeitsgesellschaft für ältere Menschen“ in Beit Jala zu sammeln.

Das Heim in der Partnerstadt hält aktuell 35 Heimplätze für Senioren und Seniorinnen aller Religionszugehörigkeiten und kultureller Hintergründe bereit, steht aber aufgrund der Corona-Pandemie vor gewaltigen Herausforderungen: Wegen der zusammenbrechenden Wirtschaft in der Westbank können die Familien nur noch zum Teil die Gebühren entrichten, gleichzeitig steigen die Ausgaben für Schutz und Hygiene.

Sicherlich ein Tropfen auf den berühmten „heißen Stein“: Durch das Konzert können dem St. Nicolas Heim nun immerhin rund 1000 € überwiesen werden.

Deswegen ist es als eine sehr löbliche Initiative von Carmen Daniela anzusehen, dass sie zum Benefizkonzert eingeladen hatte. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in anderen Sphären zu vernehmen war, soll Herr van Beethoven mit dem Anlass für das Konzert ausdrücklich einverstanden gewesen sein…

Heinz D. Haun

ist Theatermacher und Theaterpädagoge.

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