Foto: Susanne Prothmann

Birgit Kolter und Bastian Ufer sind die beiden Neuen in der Aufnahmeberatung der Evangelischen Altenpflege Bergisch Gladbach. Sie sollen Angehörige kompetent und einfühlsam beraten – der Pflegebedarf ist hoch.

„Das Telefon klingelt bestimmt 60 Mal am Tag“, sagt Bastian Ufer, „der Bedarf ist unheimlich hoch.“ Der Bedarf, das sind freie Plätze in der Altenpflege, die in und um Bergisch Gladbach offenbar Mangelware sind. Denn anders ist es kaum zu erklären, dass Ufer die Anrufer bis aus Leverkusen und Köln zumeist vertrösten muss.

„Wir haben eine Warteliste“, beschreibt seine Kollegin Birgit Kolter die momentane Situation. Das Aufnahmebüro der Evangelischen Altenpflege Bergisch Gladbach ist die erste Anlaufstelle für Angehörige auf der Suche nach einem Pflegeplatz.

Und hier haben Birgit Kolter und Bastian Ufer zum 1. März die Verantwortung übernommen, nachdem sich Elisabeth Höller nach über 40 Jahren im Dienst des EVK in den Ruhestand verabschiedet hat.

Bevor sie das Haus endgültig verlassen hat, sorgte Höller für eine Einarbeitung des neuen Duos. In Rollenspielen und mit Hilfe von selbst gedrehten Videos hat sie ihre beiden Nachfolger darauf vorbereitet, mit welchen Fragen und Anliegen die Angehörigen aufwarten und wie man darauf sachlich korrekt und gleichzeitig emotional angemessen reagiert.

Die einen planen weit im Voraus und möchten ihre Mutter anmelden. Doch etliche andere Angehörige haben es ganz eilig, weil die Oma in den nächsten Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wird und sie ganz dringend und spontan einen Platz benötigen.

In Pandemiezeiten kommt neben dem Platzmangel noch eine weitere Hürde hinzu: „Wir benötigen einen negativen Corona-Test“, sagt Ufer. Und weil die Zustellung der Testergebnisse derzeit einige Zeit braucht, „läuft bei der Belegung unserer Plätze gar nichts spontan“, so Kolter.

Und egal ob mit viel oder wenig Vorlaufzeit: Die bürokratischen und finanziellen Dinge müssen geregelt werden und werfen häufig viele Fragen auf. Unterlagen im Umfang von mehreren Dutzend Seiten sind von den Angehörigen oder Betreuern durchzuarbeiten.

Kolter berichtet: „Wir verschicken per E-Mail und beraten anschließend meistens telefonisch, denn es kommen immer wieder Nachfragen.“ Punkt für Punkt gehen Birgit Kolter und Bastian Ufer die Anträge durch, damit alle Fragen ordnungsgemäß und fristwahrend geklärt sind, wie Ufer erklärt.

Wichtige Aspekte sind, ob ein Platz in der Kurzzeitpflege oder ohne zeitliches Limit gewünscht wird oder ob die Seniorin oder der Senior besser ins Haus An der Jüch oder ins Haus Quirlsberg für dementiell veränderte Bewohner passt.

Die beiden Neuen der Aufnahmeberatung sind im Haus keine Unbekannten. Birgit Kolter ist examinierte Krankenschwester und arbeitet seit 1999 für das EVK. Bastian Ufer hat 2016 seine Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen beim EVK absolviert.

Und im Haus An der Jüch gewann er kürzlich mit einem Schlag viele Sympathien, als er sein Pony Carmen mitbrachte und über die Flure zu den Bewohnern führte. In ihrer täglichen Arbeit in der Aufnahmeberatung beantworten Kolter und Ufer geduldig die Fragen der Angehörigen und nehmen sich viel Zeit.

Einem vielfach geäußerten Wunsch können sie jedoch in diesen Wochen nicht nachkommen: einen Vor-Ort-Termin zur Besichtigung durchzuführen. Zum Schutz der Bewohner und des Personals finden derzeit keine Rundgänge für Interessierte statt.

Doch genau das wünschen sich Birgit Kolter und Bastian Ufer für die Nach-Corona-Zeit sehr: endlich in einen direkten Austausch mit den Angehörigen gehen zu können. Dass der persönliche Kontakt wieder in den Vordergrund rückt, nennen beide als größtes Anliegen für die nahe Zukunft.

Und schon jetzt freuen sich die beiden darüber, wie dankbar die Angehörigen sind, wenn es mit einem freien Platz klappt. „Viele fragen, was können wir Ihnen denn Gutes tun“, berichtet Ufer von den typischen Reaktionen.

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