Werbeplakat der Stadt Bergisch Gladbach

Rund 1400 Mitarbeiter:innen hat die Stadt Bergisch Gladbach, viele Stellen sind unbesetzt, in den nächsten 15 Jahren geht jeder zweite Beschäftigte in den Ruhestand. Daher bewirbt die Stadt ihre Attraktivität als Arbeitgeberin jetzt plakativ: Für die Kampagne „Mit.Wirkung“ stellen sich diejenigen zur Verfügung, die das am besten beurteilen können.

Eine „Arbeitgebermarke“ aufbauen: So heißt das neudeutsch, wenn sich ein Unternehmen oder eine Institution für Fachkräfte hübsch machen will. Oft werden dafür Fotomodells engagiert. Die Stadt Bergisch Gladbach geht einen anderen Weg und hat ihre eigenen Beschäftigten gebeten, zu erklären, warum die Stadtverwaltung ein guter Arbeitgeber ist.

Die Kampagne startet mit 100 Großplakaten im Stadtgebieten und in den angrenzenden Kommunen sowie einem Video. Auf einer speziellen Website werden die offenen Stellen der Stadt vorgestellt.

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2021 soll es dann auch ein digitales Bewerbermanagement geben, das Bewerbungen vereinfacht und beschleunigt – und Initiativbewerbungen möglich macht.

35.000 Euro nimmt die Stadt für die Kampagne in die Hand. Zudem greift sie auf ein Kontingent des Plakatunternehmens zurück, das ihr im Rahmen eines Vertrags über Werbeflächen in Bushaltestellen zusteht.

„Das Geld allein ist es nicht“

Die Bezahlung ist nicht das ausschlaggebende Argument, wenn sich jemand für einen Job „bei der Stadt“ bewirbt, das räumt Bürgermeister Frank Stein bei der Vorstellung der Kampagne gleich ein. Es gebe aber einige andere Gründe, die für einen kommunalen Arbeitgeber sprechen.

„Bei uns gibt es nicht die höchsten Gehälter, aber eine sinnhafte, am Gemeinwohl orientierte Arbeit,“ sagt Stein. Mit der Lage „zwischen Metropole und Landleben“ habe die Stadt eine ideale Größe, die Verwaltung sei weder zu groß noch zu klein und biete viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Bürgermeister Frank Stein wirbt um Fachkräfte für die Verwaltung. Foto: Archiv

Lisa Sprenger, Abteilungsleiterin Organisations- und Personalentwicklung, macht klar, wie drängend das Problem für die Stadt ist: „In den nächsten 15 Jahren wird die Hälfte aller aktuellen Mitarbeiter altersbedingt aus dem Dienst scheinden.“ Die normale Fluktuation komme hinzu.

Bereits jetzt, das wird auch im Stadtrat immer wieder öffentlich, ist die Verwaltung in einigen Teilbereichen so weit überlastet, dass nur ein Teil der Aufgaben erledigt wird und immer mehr ausgeschoben werden muss. Zwischen 130 und 160 Stellen – also rund ein Zehntel – sind ständig vakant.

Lisa Sprenger (l.) und Stefanie Köllen sind für das Projekt verantwortlich und präsentieren mit Bürgermeister Frank Stein die Plakate.

Was sind die Vorteile, bei der Stadt zu arbeiten?

Bei der Vorbereitung der Kampagne haben sich die Mitarbeiter:innen der der Stadtverwaltung mit einer Reihe von Fragen beschäftigt: Was macht uns aus? Was sind die Vorteile, hier zu arbeiten?

Am Schluss stand ein Leitsatz: „Die Themen sind so vielfältig wie die Menschen, die hier arbeiten, und das möchten wir vorstellen.“

Lisa Sprenger erläutert: „Die zahlreichen Berufsbilder in unserer Stadt machen klar: Je vielfältiger und unterschiedlicher, desto besser. Die gegenseitige Wertschätzung ermöglicht nicht nur eine familiäre Arbeitsatmosphäre, sondern auch große Gestaltungsfreiheiten bei der Verwirklichung eigener Ideen und bei der individuellen Weiterentwicklung.“

Viele Mitarbeitenden, berichtet Sprenger, hätten zurückgemeldet, dass ihnen besonders wichtig sei, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, im direkten Kontakt mit den Bürger:innen und der Möglichkeit, die Auswirkung der Arbeit direkt miterleben zu können.

Hier erläutern einige der Beteiligten ausführlicher, warum sie mitmachen.

Marco Euler, in leitender Stellung bei der Ordnungsbehörde tätig, ist Vater zweier Vorschulkinder und sagt: „Ich gehe in meinem Job voll auf, und trotzdem bin ich zeitlich so flexibel, dass meine Familie nicht zu kurz kommt.“

Benjamin Lenatz, seit einem Verkehrsunfall Rollstuhlfahrer, hat seine idealen Arbeitsbedingungen in der Sozialverwaltung gefunden: „Hier profitiere ich nicht nur von Chancengleichheit, sondern von Chancenvielfalt.“

Elisabeth Sprenger, ehemalige Fachbereichsleiterin für Planen und Bauen, hat vor wenigen Monaten ihre aktive Berufszeit beendet: „Ich habe mein ganzes Leben von der Vielseitigkeit der Aufgaben und der Sicherheit des Wohn- und Arbeitsortes Bergisch Gladbach profitiert.“ 

Die Stadtverwaltung zählt eine Reihe weiterer konkreter Vorteile auf, warum sie eine attraktive Arbeitgeberin ist:

  • kollegiale Atmosphäre,
  • vielfältige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
  • Schulungen für Führungskräfte und solche, die es werden wollen,
  • flexible Arbeitszeitmodelle von klassischer Teilzeit über Stundenkonten bis hin zum Sabbatjahr
  • Homeoffice wo immer vom Tätigkeitsfeld her möglich,
  • kalkulierbare Freizeit und verbriefter Urlaubsanspruch,
  • schlanke Hierarchien und kurze Wege zu den Vorgesetzen
  • Umweltangebote wie Jobticket oder Dienst-Pedelecs.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. Das war beileibe nicht als Beleidigung der Beamten gedacht! Oftmals werden städtische und sonstige Mitarbeiter:innen als faule und bürokratische Nichtsnutze verunglimpft. Nach meinem empfinden überwiegend aus neidischen Einstellungen heraus (z.B. Renten / Pensionen). Dabei werden Arbeiter, Angestellte und Beamte „in einen Topf geworfen“. Das ist einfach ungerecht! Wie in jedem Betrieb, gibt auch unter Mitarbeitenden der öffentlichen Verwaltung „so ne und solche“.

  2. Die Stadtverwaltung ist zweifelsohne ein attraktiver Arbeitgeber und präsentiert sich im ersten eigenen Imagefilm durchweg positiv. Man sollte jedoch nicht außer Acht lassen, unter welch desaströsen Zuständen die Mitarbeiter dort vor allem in den Stadthäusern in der Innenstadt leiden müssen. Möbel die teilweise noch aus der Erstausstattung der Verwaltung stammen und sanitäre Anlagen, die, wenn funktionstüchtig, allenfalls als völlig unzureichend beschrieben werden können, sind der Regelfall. Der vom Ex Bürgermeister angestrebte Neubau ist da nicht mehr, als ein Silberstreif am Horizont.

  3. ….sagte ein einfallsloser Bensberger zum anderen einfallslosen Bensberger ohne Namen und ohne „Eier“.

  4. Und unter mir schrieb wieder der einfallslose Mensch aus Bensberg, der sich kein eigenes Pseudonym hat einfallen lassen.

    Mit welchem Recht beileidigen Sie hier Beamte, die unseren Staat am Laufen halten?!

  5. Ich finde die Plakate interessant und ansprechend gemacht. Es wird damit auch klar, dass bei der Stadt nicht nur verbeamtete Bürokraten (sog. „Sesselfurzer“) arbeiten, sondern eine Vielfalt von Arbeitsplätzen bei der Stadtverwaltung angesiedelt ist. Und: Anscheinend sind hier Personen abgebildet, die tatsächlich für uns Bürger:innen da sind . Schade, dass ihre Tätigkeitsfeld nicht angegeben ist (z.B. Peter F., Bauamt).