Wegekreuze dienten zum Schutz gegen Unwetter oder zur Abwehr des Teufels und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Dem Bergischen Geschichtsverein ist es wichtig, diese Kleinode vor dem Verfall zu bewahren – und daher hat er das mehr als 300 Jahre alte Wegekreuz am Gasthaus Paas aufwendig restaurieren lassen. Nach der Vollendung erläutert Michael Werling die Details.

Aus welchem Material besteht das Wegekreuz?

Das Wegekreuz am Gasthaus Paas ist eines der ältesten des Bergisch Gladbacher Stadtgebietes (Errichtet im 17. Jh. bzw. erneuert Anfang des 19. Jh.). Das aufgesockelte Kreuz besteht aus Eichenbalken, der Corpus aus Terrakotta, die Verdachung aus Zinkblech, die Sockelmanschette aus Blei und das Zierwerk wiederum aus Holz.

Von wann und von wem ist das Wegekreuz?

Schon 1721 bis 1724 gab es einen Rechtsstreit um den Bau eines Wirtshauses an diesem Wegekreuz bzw. dieser Prozessionswegstation. Dies bedeutet, dass das Kreuz sicherlich schon vor 1700 dort gestanden hat, allerdings in einer barocken Fassung, die nicht überliefert ist.

Wilhelm Paas

Das Wirtshaus wurde als das uns bekannte „Bergers Hüsje“ realisiert, welches unmittelbar an das Wegekreuz angebaut wurde. Dieses verkaufte der Bäcker und Handelsmann Heinrich Lange (1765-1833) im Jahre 1829 an den Branntweinbrenner Johann Wilhelm Paas (1801-1889).

Wilhelm Paas brach das alte „Hüsje“ ab und errichtete bis 1835 an der gleichen Stelle ein Bruchsteinhaus, das bis heute unverändert als Gasthaus Paas an der Maria-Zanders Anlage (zwischen Schnabelsmühle und Konrad-Adenauer-Platz) erhalten ist.

Das Wegekreuz wurde damals übernommen, modernisiert und an der rechten Seite der Fassade befestigt. Das Kreuz stand also immer am selben Ort.

Das Gasthaus Paas am Ende des Konrad-Adenauer-Platzes. Zwischen den beiden Fenstern unten rechts ist das Kreuz platziert. Foto: Thomas Merkenich

Wann fiel der Entschluss, es zu restaurieren?

Der Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg beschäftigt sich schon seit 2011 mit der Restaurierung des Wegekreuzes.

Allerdings konnten erst im Jahre 2020 auf Initiative des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg und vor allem durch die Förderung von Bergisch Gladbacher Firmen, Vereinen und Einzelpersonen das Wegekreuz einer umfassenden Restaurierung zugeführt werden. Die Spendenaktion hatte in kurzer Zeit 12.000 Euro erzielen können, wofür der Vorstand des Geschichtsvereins sehr dankbar ist!

Wie lange dauerten die Arbeiten?

Zum Holzkreuz

Im März 2020 wurde ein Kölner Restauratoren-Team beauftragt, die Arbeiten durchzuführen. Diese Maßnahme erfolgt auf der Grundlage einer gutachterlichen Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege, Abteilung Restaurierung.

Im September 2020 wurde der Korpus vom Kreuz abgenommen und zur Restaurierungswerkstatt gebracht.

Das Holzkreuz wollte man, um die Außenwand des Gasthauses nicht zu beschädigen, vor Ort wieder herrichten. Zunächst man alle alten Farbschichten und alte Kittungen mit Hilfe eines Heißluftföns und partiell auch mit einer Abbeizpaste abgenommen. Danach wurden sichtbar gewordene Fehlstellen mit einer Kittmasse geschlossen und geglättet. Als Neuanstrich des Holzkreuzes wurden entsprechend der Ursprungsfarbe drei Schichten in Form von Öllasuren aufgetragen. 

Im Anschluss kümmerten sich die Restauratoren um eine neue Verdachung des Wegekreuzes. Wichtig waren, die hölzernen Zierbretter, sowie die Dachbekrönung, die großteils zerstört waren, nach den historischen Vorlagen wieder nachzuschnitzen. Etwa Mitte Oktober 2020 konnte diese Maßnahme abgeschlossen werden. 

Zum Korpus

Zunächst hat man den aus Terrakotta hergestellten Körper des Gekreuzigten von seinen 22 übereinander liegenden Farbschichten bzw. 15 Fassungen befreit. Die Differenz rührt daher, dass einige Fassungen aus einer Grundierung und Farbschicht bestehen, andere nur aus einer Farbschicht ohne vorheriger Grundierung aufgetragen wurden. 

Im Anschluss musste ein Bildhauer die bei der Korpus-Abnahme teilweise abgebrochene rechte Hand wieder anfügen. Außerdem mussten die nachträglich angebrachten, minderwertigen Gipsfüße, die bei der Kreuzabnahme abbrachen, mit einem Zweikomponenten-Kunstharz qualitätvoll neu angearbeitet werden.

Zunächst wurden die Füße in Ton modelliert, davon eine Abgussform gemacht und diese dann mit Kunstharz ausgegossen. Danach konnte, gemäß der Befundlage, ein monochrom gehaltener Anstrich vorgenommen werden.

Nach dem Befund zeigen vier Fassungen (von insgesamt 15) eine Vergoldung der Dornenkrone. Dies rechtfertigte, diese Vergoldung an der Krone wieder vorzunehmen.

Am Lendentuch wurden bei der ersten Fassung auf dem Terrakottaträger ebenfalls Goldreste am Saum gefunden. Deshalb haben sich die Restauratoren im Einvernehmen mit der Denkmal-Fachbehörde entschlossen – auch aus ästhetischen Gründen – eine Vergoldung dieser Borte zu realisieren.

Außerdem hat man bei den restauratorischen Untersuchungen festgestellt, dass die Buchstaben des Titulus „INRI“ ebenfalls in Gold gefasst waren. Auch dieser Befund wurde wieder hergestellt.

Warum war die Restauration dem Bergischen Geschichtsverein so wichtig?

Wegekreuze waren früher ein fester Bestandteil unserer christlichen, abendländischen Kultur. Oft dienten sie als Mittel zum Schutz gegen Unwetter oder zur Abwehr des Teufels oder böser Gewalt. Deshalb wurden sie in der Regel auch von der Kirche eingesegnet. Daher dürfen sie als Ausdruck christlicher und volkstümlicher Glaubensvorstellungen sowie als Zeichen der Volksfrömmigkeit früherer Zeiten verstanden werden.

Natürlich wurden auch Wegekreuze aufgestellt, weil die Stifter etwas von sich hielten. Heute prägen diese Kleindenkmäler oft noch das Straßenbild, sind aber nur noch für wenige Menschen von Bedeutung.

Umso trauriger ist es, wenn diese Kleinode sinnlos zerstört, oder – wie beim Wegekreuz am Gasthaus Paas – der Witterung zum Opfer fallen. Für einen Geschichtsverein ist es deshalb eine Pflicht, sich dem Erhalt solcher Kleindenkmale anzunehmen, Geld für ihre Restaurierung zu sammeln und Fachfirmen in Abstimmung mit den Denkmalbehörden zur Restaurierung zu beauftragen.

Die Restaurierungsmaßnahme wurde mit der Aufhängung des Korpus am Mittwoch den 2. Dezember 2020 abgeschlossen. Außerdem hat der BGV Rhein-Berg in unmittelbarer Nachbarschaft des Wegekreuzes ein Infoschild aufgestellt um – wenn auch nur kurz – etwas über die Bedeutung dieses Wegekreuzes mitzuteilen. 

Foto: Thomas Merkenich

Michael Werling

Prof. Dr. Michael Werling, geb. 1950 in Ludwigshafen am Rhein. Nach einer Lehre als Bauzeichner, Studium der Architektur an der Ingenieurschule Mainz sowie an der TH Karlsruhe. Assistent am Lehrstuhl für Industrialisiertes Bauen und Industriebau an der Technischen Universität in Kaiserslautern. Parallel...

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