Klaus Altmann (1942 - 2021), Gründer und Motor der Artothek im Kunstmuseum Villa Zanders. Foto: Susanne Schröder

Der Vorstand des Galerie+Schloss e.V., das Team der Artothek sowie die Leitung des Kunstmuseum Villa Zanders trauern um Klaus Altmann, der über 27 Jahre die Artothek in der Villa Zanders geleitet hat. Er war war der Kopf und das Herz dieser Institution, die in Deutschland ihresgleichen sucht.

Die Bergisch Gladbacher Artothek wurde 1993, bereits ein Jahr nach der Eröffnung der Städtischen Galerie Villa Zanders, von Klaus Altmann und Dr. Wolfgang Vomm, dem damaligen Museumsdirektor, gegründet.

+ Anzeige +

Damit war eine Einrichtung geschaffen, die nach dem Motto „Kunst für alle“ jedem Kunstinteressierten die Möglichkeit eröffnete, Originalgraphik, Fotografie oder Objekte für die privaten Räume oder auch für Geschäftsräume auszuleihen, ähnlich wie Bücher aus einer öffentlichen Bibliothek gegen kleines Geld ausgeliehen werden können.

Dahinter steht der Gedanke, dass die finanziellen Mittel nicht über die Teilhabe an Kunst entscheiden sollten und die Kennerschaft für Kunst wie bei jeder anderen kulturellen Leistung durch die persönliche Auseinandersetzung für jeden / jede erfahrbar und erlernbar ist. 

Anspruchsvoller Bildungsauftrag

Klaus Altmann, der selbst an der Kunstakademie Düsseldorf u.a. bei Joseph Beuys Kunst studierte, war viele Jahre als Kunsterzieher am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium tätig. Von Anfang an verband er die Leitung der Artothek mit einem anspruchsvollen Bildungsauftrag und sah es als seine persönliche Aufgabe, über diese Einrichtung alle Bevölkerungsschichten an Kunst heranzuführen.

Er war der Kopf und das Herz der Bergisch Gladbacher Artothek und führte sie im Laufe der Jahre mit ihrem aktuell auf über 1.700 Kunstwerke angewachsenen Bestand an die Spitze der knapp 130 in Deutschland beheimateten Artotheken. 

Künstlerischer Sachverstand begründet Erfolg

Die Erfolgsgeschichte der Artothek wäre ohne Altmanns Engagement, aber auch ohne seinen künstlerischen Sachverstand nicht denkbar. Wie jede Kunstsammlung ist auch eine Artothek auf Zuwächse angewiesen, um lebendig, aktuell und auch für die Stammkundschaft auf Dauer attraktiv zu bleiben.

Klaus Altmann gelang es, durch seine Kennerschaft, die genaue Beobachtung des Marktes und frühzeitige Initiative sehr hochwertige Arbeiten zu einem noch günstigen Zeitpunkt zu erwerben. Seine hervorragende Vernetzung mit Künstlerinnen und Künstlern, die immer auch einen hohen zeitlichen Aufwand erfordert, kam ihm dabei zustatten.

Das gute Renommee der Artothek führte nicht nur zu wachsendem Interesse von Seiten der Nutzer, sondern auch von Künstlerseite, hier vertreten zu sein. 

Ein Team von Ehrenamtlern

Die Artothek steht unter der Trägerschaft des Fördervereins des Museums, dem Galerie+Schloss e.V. und hat ihren Sitz im Kunstmuseum Villa Zanders. Wie alle anderen Bereiche des Vereins wird auch die Artothek rein ehrenamtlich abgewickelt. Nicht nur Klaus Altmann als Leiter, auch das Team von etwa einem Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeitet ehrenamtlich.

Klaus Altmann hat es verstanden, sich diese Unterstützung zu holen und über Jahre zu halten, indem er auch bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein echtes Interesse an Kunst wecken und lebendig halten konnte.

Im allwöchentlichen Umgang mit den Nutzern, in den vielen Beratungsgesprächen zur Auswahl der Werke und zur Platzierung in den eigenen vier Wänden, den Gesprächen und Debatten über die einzelnen Werke, wurde dieses Interesse gepflegt und weitergegeben. Dazu gehört auch der Aufbau einer kleinen Bestandsbibliothek mit Katalogen zu den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern, deren Werke in der Artothek vertreten sind. 

Ein Vermögen und eine stetige Einnahmequelle

Mit dem Artothekbestand verfügt der Galerie+Schloss e.V. über ein beachtliches, in Kunstwerken gebundenes Vermögen. Gleichzeitig konnte über die Ausleihgebühren alljährlich ein beträchtlicher Gewinn erzielt werden, der über den Verein wiederum dem Kunstmuseum Villa Zanders und seiner Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit zugutekommt.

Das gesamte Workshopprogramm und ein großer Teil der ausstellungsbegleitenden Veranstaltungen werden über den Galerie+Schloss e.V. finanziert. Auf diese Weise ist die Arbeit der Artothek nicht nur für ihre unmittelbaren Nutzer, sondern mittelbar für die kulturelle Bildung der gesamten Region ein Segen, der ohne das große Engagement Klaus Altmanns nicht denkbar wäre. 

Klaus Altmann hinterlässt eine große Lücke

Klaus Altmann verstarb am 9. Januar 2021 nach einer lang andauernden Krankheit. 

Er hinterlässt eine große Lücke – als Mensch, als Leiter der Artothek, als kritischer Gesprächspartner, streitbarer Geist und großer Freund der Bildenden Kunst. 

Er hat nicht nur viele Impulse gegeben, sondern über 27 Jahre die Artothek betrieben und ausgebaut sowie zahlreiche Ausstellungen organisiert. 

Der Galerie+Schloss e.V., ganz besonders das ehrenamtliche Team der Artothek sowie das Team des Kunstmuseum Villa Zanders werden das Andenken an Klaus Altmann stets hoch halten. Sein Vermächtnis wird uns weiterhin begleiten. 

Unser Mitgefühl gilt seiner lieben Frau. 

Dr. Wilhelm Krieger
1. Vorsitzender Galerie+Schloss e.V.

Dr. Petra Oelschlägel 
Kunstmuseum Villa Zanders 
stellv. Vorsitzende Galerie+Schloss e.V. 

Kunstmuseum Villa Zanders

Das städtische Museum wurde 1992 in der Gründerzeitvilla der Fabrikantenfamilie Zanders eröffnet und feiert 2017 sein 25jähriges Bestehen. Mit seiner einzigartigen Sammlung von „Kunst aus Papier“, der Kommunalen Galerie mit Malerei der Düsseldorfer Schule aus dem 19. Jhdt. sowie einem ambitionierten...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

6 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Eine sehr traurige Nachricht … Ich bin Jahrgang 1971 und hatte Herrn Altmann ebenfalls als Kunstlehrer am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. Er hat mir den Blick für die Kunst in beispielloser Breite und Freude beigebracht. Bei der Kunst bin ich geblieben.

    In stillem Gedenken und mit Dankbarkeit an ihn, Silke Alfter

  2. Ich bin Jahrgang 1961 und hatte Ihn jahrelang auch als hochgeschätzten Kunstlehrer am NCG. In tiefer und froher Erinnerung an diese
    Zeit und Anteilnahme. Dankbar.
    Mit herzlichen Grüßen aus München
    Michael Kirchner

  3. Ich bin Jahrgang 1961, 1972 zum NCG gekommen und habe ihn nahezu bis zum Abitur durchgehend als Kunstlehrer gehabt. Er war für mich einzigartig, und in der Retrospektive ein wahrer Künstler.

  4. Das ist eine sehr traurige Nachricht. Ich hatte die Ehre und Freude bei Herrn Altmann in Kunst unterrichtet zu werden. Als durchaus streitbarer Geist hat er mir den Weg in die Kunst gezeigt. Durch tolle Projekte insb. in den Jahren vor meinem Abitur 1994 hat er mein Kunstverständnis bis heute beeinflusst. Auch wenn ich schon lange nicht mehr in GL lebe, nutze ich bis heute eine Artothek. Auch dies habe ich Herrn Altmann zu verdanken.

  5. Wir trauern um Herrn Altmann, er war ein großartiger Kunstlehrer. Er hatte nicht die besten Voraussetzungen am NCG, das das Fach Kunst stiefmütterlich behandelte. Später entwickelte er sich wohl zum besten Leiter einer Artothek der Welt! Nachdem ich die Artotheken in München und Köln genutzt habe, wurde ich in Bergisch Gladbach überrascht: Die Besuche in der Artothek mit der ganzen Familie wurden jedes Mal zum Highlight. Herr Altmann verstand es auch den schlimmsten Banausen dort abzuholen, wo er stand. Er öffnete dem Besucher die Augen für ein Kunstwerk, eine neue Technik, eine Strömung oder den geschichtlichen Hintergrund. In seiner ruhigen, charmanten und offenen Art interessierte er sich gleichzeitig für jeden Besucher und dessen Belange. Schade dass der „Kunstunterricht light“ in der Artothek sooo nicht mehr stattfinden wird. Die Qualität der dortigen Kunstwerke — wird sie in Zukunft nachlassen? Seit 30 Jahren bestücke ich mein Zuhause mit Kunstwerken, die ich mir sonst nicht hätte leisten können. Jedoch muss sich der Aufwand, Bilder von den Wänden zu nehmen und zu transportieren, auch in Zukunft lohnen.

  6. Das ist wirklich eine traurige Nachricht. Wir sind Klaus Altmann zu großem Dank verpflichtet. Die Artothek hat er ganz zu seiner Sache gemacht und maßgeblich geprägt – auch noch, als seine Krankheit ihn schon stark einschränkte.
    Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.