Ob literarische deutsche Familiengeschichte, spannender Pageturner über Identitätentausch oder vielschichtiges Portrait schwarzer Frauen: Diese Bücher haben es in sich.

Alena Schröder:
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid. 
dtv Verlag 2021, € 22,00.

In ihrem Debütroman verarbeitet die Autorin ihre eigene Familiengeschichte in einer fiktiven Erzählung, die vier Generationen umspannt. Herausgekommen ist ein literarischer Schmöker, gespickt mit historischen Fakten und einer spannenden Krimihandlung.

Hannah lebt in Berlin und schreibt ihre Doktorarbeit in Germanistik. Nach dem kürzlichen Tod ihrer Mutter ist sie in einer Art Schockstarre verharrt und lebt etwas ziellos vor sich hin. Einzig die wöchentlichen Besuche bei ihrer betagten Großmutter Evelyn reißen sie aus ihrer täglichen Routine. Bei einem dieser Besuche entdeckt sie einen Brief aus Israel, adressiert an Evelyn.

Der Brief spricht von Bildern, während der Nazizeit verschollen, deren Erbin angeblich ihre Großmutter sein soll. Nachdem sie kein Wort der Erklärung aus ihr herausbekommen hat, beginnt Hannah nun auf eigene Faust zu recherchieren und deckt nach und nach ihre eigene Familiengeschichte auf, die ihr vorher vollkommen fremd war.

Ihre Zeitreise führt sie zurück bis zum Beginn der Zwanzigerjahre. Nach einer gescheiterten Ehe hat ihre Urgroßmutter Senta Mann und Tochter Evelyn verlassen und versucht nun in Berlin ihr Glück. Sie taucht ein in die Roaring Twenties, findet einen Job als Sekretärin und arbeitet sich als Journalistin hoch.

Sie geht eine zweite Ehe ein mit dem Sohn eines jüdischen Kunsthändlers. Beide können gerade noch rechtzeitig vor den Nazis ins Ausland fliehen. Die Familie ihres Mannes bleibt zurück, weil sie die Tragweite der Entwicklungen nicht wahrhaben wollen.

Dies ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Geschehnisse, die vier Generationen von Frauen bewusst oder unbewusst nachhaltig prägen. Es geht um Mutterschaft und um Mutter sein oder nicht sein wollen, um Verantwortungsgefühl oder um Selbstverwirklichung. Weiterhin sind die Ereignisse während der Nazizeit ein großes Thema. Und nicht zuletzt steht Raubkunst im Fokus der Geschichte.

Dies alles vermischt die Autorin kunstvoll zu einem Potpourri aus prallem Leben. Literarisch ambitioniert blättert sie eine Familiengeschichte auf, die mit allem aufwartet, was Spannung ausmacht, Familiengeheimnisse, verschwundene Kunst, Krieg und Verfolgung, Schuld, Glück und Unglück, ein Jahrhundert deutscher Geschichte. Überzeugend und lesenswert!

(Sylvia Jongebloed)

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Julie Clark: Der Tausch
Heyne, 12,99 €

Claire ist die Gattin des bekannten, ehrgeizigen, charismatischen und sehr reichen Politikers Rory Cook. Doch der Schein trügt. Die Ehe ist die reinste Hölle, Claire wird kontrolliert und ihr Mann wird oft gewalttätig. Während sie nach außen Rory im Wahlkampf unterstützt, lebt sie in ständiger Angst und Isolation.

Nachdem sie monatelang einen Plan schmiedet um ihn während einer Reise nach Puerto Rico zu verlassen, fliegt ihr Vorhaben auf und sie weiß, dass er alles herausfinden wird.

Als sie dann in einer Bar am Flughafen Eva trifft, die ihrem krebskranken Mann Sterbehilfe geleistet hat und nun, wegen des Ärgers mit den Behörden, am liebsten verschwinden möchte, ist die Lösung für beide offensichtlich.

Sie tauschen die Bordkarten und haben so die Chance auf einen Neuanfang. Doch als Claire in Kalifornien landet und Evas Wohnung betritt, merkt sie schnell, dass sie belogen wurde und ihre neue Identität ganz anders ist als erwartet.

Unsere Buchhandlung ist geöffnet, Sie können uns nach einer Terminvereinbarung besuchen; bestellte Bücher können auch ohne Termin abgeholt werden. Zudem liefern wir aus. Aktuelle Infos zu den Öffnungszeiten und Kontaktdaten finden Sie hier.

Mit dem Roman „Der Tausch“ ist Julie Clark ein spannendes Buch gelungen, dessen Handlung am Ende überraschend aufgeklärt wird. Obwohl parallel zwei Geschichtsstränge erzählt werden, macht das Lesen Spaß und ist durch die lebendige, klare Sprache überhaupt nicht verwirrend.

Ein toller Pageturner und eine unterhaltsame Lektüre, die mich so sehr in ihren Bann gezogen hat, dass ich sie leider viel zu schnell ausgelesen habe!

(Viviana Domokos)

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Bernardine Evaristo: Mädchen, Frau etc.
Tropen 2021, € 25,00.

Die Britin Evaristo hat mit ihrem aktuellen Roman als erste schwarze Frau den begehrten Booker Prize bekommen. Wie an einer bunten Perlenkette reihen sich die Geschichten von zwölf schwarzen Frauen aneinander, mehr oder weniger freundschaftlich oder verwandtschaftlich miteinander verbunden.

Die Rahmenhandlung bietet eine Londoner Theateraufführung. Die erste Protagonistin, Amma, erhofft sich mit ihrer neuen Inszenierung den Durchbruch in der Londoner Theaterwelt. Sie verarbeitet hier ihr Leben als schwarze, lesbische Frau in einer europäischen und von weißen Männern geprägten Welt.

Ihre 19jährige Tochter Yazz befürchtet, dass dieses provokante Theaterstück scheitert und für sie zugleich sehr peinlich werden könnte. Am Ende müsste sie wie schon häufiger das Selbstbewusstsein ihrer Mutter wiederaufbauen.

Amma’s beste Freundin, Shirley, hat früher oft auf Yazz aufgepasst. Die Lehrerin ist nach jahrzehntelanger Arbeit in Londoner Problemvierteln gesundheitlich angeschlagen und ausgepowert. Carole, eine ehemalige Schülerin von ihr, die sie immer sehr unterstützt hat, ist inzwischen zu einer erfolgreichen Investmentbankerin aufgestiegen.

Ihre Mutter Bummi ist in Nigeria in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und hat nach dem tragischen Tod ihres Mannes eine Reinigungsfirma hochgezogen. Dadurch konnte sie ihrer Tochter ein Studium ermöglichen. Auch LaTisha, Carole’s frühere Schulfreundin, ist nach einer aufmüpfigen Kindheit und entsetzlichen schulischen Leistungen jetzt Bereichsleiterin in einem Supermarkt.

Endend in der Premiere der Theateraufführung werden hier zwölf Frauen skizziert, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber eines eint: Die schwarze Hautfarbe. Allen Widrigkeiten zum Trotz erkämpfen sie sich ihren Platz in einer oft ungerechten Welt.

Der Autorin ist mit diesem Buch ein literarischer „Knaller“ gelungen. Es packt den Leser von der ersten Seite und lässt ihn von einem Kapitel zum nächsten eilen. Trotz durchaus auch tragischer Momente ist das Buch so amüsant und unterhaltsam geschrieben, dass man sofort gefesselt ist. Mit viel Empathie für ihre Figuren legt die Autorin einen komplexen, klugen und zutiefst menschlichen Roman vor. Schon jetzt eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr. Sehr empfehlenswert!

(Sylvia Jongebloed)

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Ihre Birgit Lingmann und Pia Patt

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Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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