Nachdem die Politik für Klarheit sorgte, können die Kirchen Ostern planen – und entscheiden sich uneinheitlich. Von Feiern im Freien über Abendmahl zum Mitnehmen bis zur Gottesdienstpause: Die Bandbreite an Ostern – den höchsten Feiertagen der Christen – ist in Bergisch Gladbach sehr groß.

Von Beginn an gegen reines Online-Ostern war das Kreisdechanat der Katholischen Kirche, das zum Erzbistum Köln gehört. Man folge der Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Bätzing, hieß es schon Mitte der vergangenen Woche: „Ostern ist das wichtigste Fest für uns. Gottesdienste sind deshalb kein Beiwerk. Bereits zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie mit Umsicht und Vorsicht Gottesdienste gefeiert werden können.“ Darauf wolle das Kreisdechanat auch Ostern nicht verzichten.

Mit der Kehrtwende der Regierung sieht sich die Katholische Kirche in ihrer Haltung bestätigt. „Aus Sicht der katholischen Kirche im Kreis haben sich die Hygienekonzepte in den letzten Monaten bewährt“, erklärt Uwe Daher, Referent des Kreisdechanten.

+ Anzeige +

Hier finden Sie eine Übersicht über kirchliche Veranstaltungen (vor Ort und im Netz) in der Karwoche und an den Ostertagen. Über die individuellen Regeln zur Einhaltung der AHA-Regeln informieren Sie sich bitte bei den jeweiligen Gemeinden.

Selbstverständlich würden alle Gottesdienste mit der gebotenen Sorgfalt und Achtsamkeit statt. Es wird, wie in den letzten Wochen geplant, an den Kar- und Ostertagen Präsenzangebote und Live-Streams geben.

Abendmahl zum Mitnehmen

Bei der Evangelischen Kirche hat man sich entschieden, je nach Bezirk zu entscheiden, so „wie die Begebenheiten und Bedürfnisse sind“, erklärt Pfarrerin Jennifer Scheier von der Kirche Zum Frieden Gottes.

Ihre Gemeinde wird vor allem vor der Kirche und im Kirchgarten feiern, also im Freien, wo die Ansteckungsgefahr geringer ist. Gründdonnerstag bietet die Pfarrerin zudem Gelegenheit zum Gespräch, das Abendmahl gibt es zum Mitnehmen für Zuhause.

Jennifer Scheier, Pfarrerin an der Kirche zum Frieden Gottes, bietet zu Ostern u.a. ein Abendmahl zum Mitnehmen an

Zu Karfreitag nimmt der Kulturkurier des Bürgerportals zudem vor Ort die Johannes-Passion von Joachim von Burckauf. Das Werk wird aufgeführt von der Evangelischen Kantorei in Bergisch Gladbach und dem Gamben-Ensemble Faust-Peters unter der Leitung von Kantorin Susanne Rohland-Stahlke. Es steht danach online hier zum Abruf bereit.

Achim Dehmel, Pfarrer an der Kirche zum Heilsbrunnen, plant sowohl als auch: „Wo eine gesicherte Präsenz möglich ist, soll sie genutzt werden. Wo Ehrenamtler und Hardware zur Video-Übertragung bereit stehen, sollen wie bisher Onlineangebote erfolgen.“

Kirche digital nicht ersetzbar

Der Heilsbrunnen wolle soweit möglich gerne beides anbieten. Auch er verweist darauf, dass die genauen Formate und Möglichkeiten in den bezirklichen Gremien beraten werden.

„Uns ist kein Fall bekannt, dass sich in einer evangelischen Kirche jemand mit dem Virus angesteckt hat. Das ermutigt uns, verantwortungsvoll Gottesdienst zu feiern“, macht Achim Dehmel klar. Er führt zahlreiche Argumente für Osterfeierlichkeiten vor Ort auf:

So verlange Ostern nach Präsenz in gemeinschaftlicher Feier. Glaube sei wichtiger als Furcht, und wichtiger als der samstäglich erlaubte Einkauf im Supermarkt. Kirche sei zudem digital nicht zu ersetzen, man wolle die Grabesruhe von Karfreitag nicht über die Ostertage verlängern. Und schließlich habe man ein Hygienekonzept, erklärt Pfarrer Dehmel.

Präsenzgottesdienste sind falsches Signal

Im Bezirk der Gnadenkirche von Pfarrer Thomas Werner hat man sich indes dagegen entschieden. Es wird keine Präsenzveranstaltungen geben, lediglich Online-Ostern per Hörpredigt. Das Format hatte Pfarrer Werner schon früh in der Pandemie entwickelt und regelmäßig an eine wachsende Zuhörerschar versandt.

Der Bezirksausschuss des 1. Pfarrbezirks hatte bereits vergangenen Mittwoch entschieden, die Präsenzgottesdienste in der Karwoche und an Ostern im Kirchgarten auszusetzen. Gründe seien u.a. deutliche höhere Inzidenzwerte als vor einem Jahr sowie aggressivere Virus-Varianten. Zudem seien Hin- und Rückweg zu Gottesdiensten gefährlich, die Durchführung von Gottesdiensten wäre ein falsches Signal.

Wenn Konzerte und Museen schließen, sollten dem Kirchen und Gottesdienste als Teil der Kultur folgen: Pfarrer Thomas Werner von der Gnadenkirche

Mut zur Absage, nicht zur Durchführung

Es gehöre viel Mut dazu, die Gottesdienste nun abzusagen, zumal in Nachbarbezirken Präsenzgottesdienste durchgeführt würden, und die Menschen coronamüde seien, so Pfarrer Werner. Da Gottesdienste Bestandtteil der Kultur seien, gebe es keinen Grund diese durchzuführen, Museen oder Theater aber zu schließen. Für ihn gelte hier eine Gleichbehandlung

„Der Freiheit des Evangeliums muss auch die Freiheit der Vermittlung entsprechen“, erklärt Pfarrer Werner. Hörpredigten könnten Gottesdienste nicht ersetzen. Aber: „Es ist angesichts der aktuellen Situation zumutbar, darauf zu verzichten, bis die Inzidenzwerte dies wieder verantwortbar erscheinen lassen.“

Der Position schließt sich Rainer Fischer an. Er ist Krankenhaus-, Altenheim- und Hospizseelsorger am EVK. „Im Evangelischen Krankenhaus findet der Ostergottesdienst ohne Präsenz in der Kapelle mit Übertragung über den Hauskanal statt, in den Heimen jeweils in den einzelnen Wohngruppen auf Abstand und mit Maske ohne Singen.“ Und dies seien interne Veranstaltungen.

Auch die Neuapostolische Kirche Westdeutschland will bei den „weitgehenden“ Kontaktbeschränkungen unterstützen, „auch wenn die Gottesdienste der Neuapostolischen
Kirche keine direkten Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen haben dürften“, erklärt Wolfgang Dick von dieser Religionsgemeinschaft. Zwar habe man an Palmsonntag Präsenzgottesdienste gefeiert, bis zum 18. April würden diese jedoch durch Videogottesdienste ersetzt. Terminierte Trauerfeiern würden stattfinden, Seelsorgegespräche weiter per Telefon oder Video stattfinden.

Aufmacherbild von Jeyaratnam Caniceus auf Pixabay

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.