Die Muslimische Gemeinde in der Yeni-Camii-Moschee am Refrather Weg feiert derzeit den Ramadan. Es ist bereits der zweite Fastenmonat in der Pandemie, mit etwas mehr Routine. Und jetzt auch mit Impfung. Geht das während des Ramadan? Und was nervt Gläubige während des Ramadan so richtig? Ein Besuch in der Moschee klärt auf.

Ramadan: Der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Er gilt als heiliger Monat, denn er steht in der Überlieferung für die Übermittlung des Koran. Muslime in aller Welt begehen die vier Wochen mit Gebet, Fasten, dem Rezitieren des Koran, sowie viel Gemeinschaft in der Moschee, mit Familie, Freunden und Verwandten.

Mit einer kleinen Mahlzeit in der Morgendämmerung, genannt Sahur (arabisch für Fastenbeginn). Und Iftar, dem täglichen Fastenbrechen am Abend. In diesem Jahr vom 13. April bis zum 13. Mai.

Zweiter Ramadan in Pandemie

Damit findet der Ramadan bereits zum zweiten Mal während der Corona-Pandemie statt. Die Gemeinde in der Yeni-Camii-Moschee in Bergisch Gladbach hat so etwas wie Routine darin entwickeln können, berichtet Lokman Aksu. Er ist in dem Trägerverein der Moschee aktiv, dem Bergischen Verein für Bildung und Integration e.V.

Lokman Aksu vom Trägerverein der Yeni-CamiiMoschee, dem Bergischen Verein für Bildung und Integration e.V., Foto: Holger Crump

„Üblicherweise, außerhalb von Corona, findet während des Ramadan in unserer Moschee ein tägliches Gruppengebet statt, Schulter an Schulter, in der Gemeinschaft, zusätzlich zum Freitagsgebet. Hinzu kommen tägliche Lesungen aus dem Koran, der im Ramadan einmal komplett rezitiert werden soll. Sowie ein gemeinsames Fastenbrechen am Abend und das Abendgebet“, berichtet Lokman Aksu.

In der Pandemie ist das in dieser Form nicht machbar: „Das Rezitieren aus dem Koran findet lediglich durch einen Vorbeter statt. Wir übertragen dies – wie die Predigten – via Zoom an die Mitglieder unserer Gemeinde.“ Und auch das gemeinsame Fastenbrechen am Abend mit einer gemeinsamen Mahlzeit habe man wieder gestrichen.

Im Ramadan wird einmal der gesamte Koran (Foto) rezitiert. (Anmerkung: Schrift ist aus theologischen Gründen unkenntlich), Foto: Holger Crump

Dabei würden zu viele Menschen aufeinandertreffen, das Infektionsrisiko sei zu hoch. Dies gelte auch für die rituelle Waschung Wudu vor dem Gebet. Statt in der Moschee wird dies zuhause durchgeführt. Die Gläubigen kommen gereinigt zur Moschee.

Moschee ist geöffnet

Dennoch: Die Moschee ist, anders als im letzten Jahr, während des Ramadan für das einfache Gebet geöffnet. „Die Gemeindemitglieder können zum täglichen Gebet hineinkommen, natürlich auf Abstand“, meint Aksu. Daher habe man in diesem Jahr nicht, wie im Ramadan 2020, den in der Öffentlichkeit hörbaren Ruf des Muezzin beantragt.

In der Tat verrichtet ein junger Moslem während unseres Gesprächs sein Gebet im Gebetsraum. Zum Abschluss klingt ein kurzer Gesang in arabischer Sprache durch das Gebäude.

Foto: Holger Crump

„Wir haben jedoch die Zahl der Teilnehmer in den Gottesdiensten drastisch reduziert. Wo sonst 150 bis 180 Muslime gemeinschaftlich beten, sind es beim Freitagsgebet nur circa 30.“ Markierungen auf dem Boden sorgen für Abstand. Zudem müsse jeder seinen eigenen Gebetsteppich mitbringen, um die Hygienestandards zu gewährleisten.

Auch das Fastenbrechen am Abend im privaten Kreis finde nicht statt, berichtet Lokman Aksu. Einladungen von Freunden und Verwandten gebe es wie im Vorjahr auch in 2021 nicht.

Impfungen sind möglich

„Ich habe Euch zu jedem Problem immer zwei Lösungen gegeben“, auf diese Stelle im Koran verweist Lokman Aksu bei der Frage nach Impfungen während des Ramadan. Der Vers ist auch im Gebetsraum an der Wand zu lesen.

Am Abend, zum Fastenbrechen, sei eine Impfung ohnehin kein Problem. Aber auch tagsüber gebe es für gläubige Moslems Möglichkeiten. Hier kommt das Prinzip „Niyet“ ins Spiel. Es bezeichnet die Haltung der Menschen im Ramadan, es steht auch für Absicht, Vorsatz, Wille.

So stehe die Mahlzeit am Morgen weniger für Nahrungsaufnahme, um den Tag zu überstehen. Es könne vielmehr als geistiges Innehalten verstanden werden, der Fastende nehme sich für den Tag das Fasten vor. Stehe nun eine Impfung an, entfalle dieser Vorsatz. Der Gläubige könne daraufhin Essen, Trinken und sich impfen lassen. Am nächsten Tag werde das Fasten fortgesetzt, der fehlende Tag später nachgeholt.

Wollen statt Müssen

Einen Gruppendruck, in der Gemeinde das Fasten unbedingt durchzuhalten verspüre Aksu nicht. Wer krank sei oder werde, dies nicht vertrage, der könne ohne Probleme unterbrechen oder erst gar nicht damit beginnen. Dies gelte ohnehin für Kranke, Reisende oder schwangere Frauen.

„Vielmehr gibt es einen Druck innerhalb der Familien, das Fasten im Ramadan nicht zu praktizieren. Besonders bei älteren Menschen“, so sein Einblick.

Foto: Holger Crump

Grundsätzlich falle das Fasten in der Pandemie etwas leichter. Etwa im Home Office. „Das Fasten ist nicht das Problem. Anstrengend sind vielmehr die gleichen Aussagen, die wir in jedem Jahr hören: Darfst Du wieder nicht essen und trinken?“, schildert Lokman Aksu. Dabei wolle er doch fasten, sagt er, und verweist wieder auf das Prinzip des Niyet.

Das sei eine völlig andere Herangehensweise, daher falle ihm das Fasten nicht schwer. Auch wenn seine Kollegen in der Mittagspause in die Kantine gingen oder einen Kaffee trinken würden. „Ich freue mich auf das Fastenbrechen am Abend, auf die Vielfalt der Speisen“, hält er entgegen.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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