Die Schulen befinden sich im Wechselunterricht, dabei sind die Lehrer:innen vielen Kontakten ausgesetzt. Foto: Anni Faust (Archiv)

Die Kritik der Lehrer:innen weiterführender Schulen, dass sie in Rhein-Berg keinen Zugang zu Impfterminen haben, ist in der kommunalen Politik angekommen: Landrat Santelmann und die Bürgermeister:innen aller acht Städte drängen Ministerpräsident Laschet in einem offnen Brief, die besondere Altersstruktur des Kreises zu berücksichtigen und mehr Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Dabei gehe es um mehr als nur die Lehrer:innen.

Zuletzt war die Kritik der Lehrer:innen der weiterführenden Schulen lauter geworden. Während die Kolleg:innen an Grund- und Förderschulen geimpft seien müssen die Kollegien an den höheren Schulformen den Schulalltag in Präsenz ohne Impfschutz bewältigen. Und das bei hohen Inzidenzwerten.

Für weitere Unruhe führte eine Information des Landes, Impfzentren könnten Lehrer:innen weiterführenden Schulen doch impfen, wenn Impfstoffe übrig sei – obwohl sie nicht zu den Prioritätsgruppen 1 oder 2 gehören. Das wird in Köln und Leverkusen praktiziert, in Rhein-Berg erhielten Lehrer:innen ein Absage.

Auf diese Ungleichgewichte gehen Landrat Stephan Santelmann und die acht Bürgermeister:innen jetzt in ihrem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet ein.

Die Zuordnung der Lehrer:innen zur Prio-Gruppe 3 sei „Gegenstand intensiver und kritischer Kontroversen” – und die Kritik „durchaus nachvollziehbar”. Denn es sei unbestreitbar, dass alle Lehrer:innen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt seien, schreiben die kommunalen Spitzenvertreter.

Köln und Leverkusen: jünger und Impf-skeptischer

Hinzu komme nun der Umstand, dass Köln und Leverkusen den dort wohnhaften Lehrer:innen ein Impfangebot machen, auf Basis überzähliger Impfdosen.

Das könnten sie machen, weil dort viele Impfdosen auf Halde lägen, aufgrund der relativ jungen Bevölkerungsstruktur und einer „nicht unerhebliche Zahl von Impfverweigerern”. Daher könnten dort Bevölkerungsgruppen geimpft werden, die eigentlich noch nicht dran sind.

Der Rheinisch-Bergische Kreis dagegen sei dazu nicht in der Lage, weil die Impfversorgung knapp ist.

Und was ist mit der Feuerwehr?

Genau das hatten einige Lehrer:innen in den vergangenen Tagen bezweifelt. Sie verwiesen darauf, dass der Rheinisch-Bergische Kreis in einer Sonderaktion 1100 ehrenamtliche Feuerwehrleute geimpft hatte, die (weitgehend) ebenfalls nicht zu den Prio-Gruppen 1 oder 2 gehören.

Zudem soll es auch in einzelnen weiterführenden Schulen Impfaktionen gegeben haben. Anfragen des Bürgerportals dazu, und auf welcher Basis und aus welchem Impfdosen-Kontingent diese Aktionen beliefert wurden, blieben bislang unbeantwortet.

Das Demographie-Argument

Mit dem Demographie-Argument meinen die Rhein-Berger folgendes: Der Anteil von Menschen über 70 ist hier deutlich höher als in den benachbarten Großstädten. Daher ist auch der Anteil der Menschen in den Prio-Gruppen 1 und 2 größer – und es dauert länger, bis der Kreis diese Personen versorgt hat. Für andere – wie die Lehrer:innen – bleibt nichts übrig.

„Nicht vermittelbar”

Es sei der Öffentlichkeit und den Betroffenen aber „nicht zu vermitteln, warum das, was in Köln und Leverkusen möglich ist, im Rheinisch-Bergischen Kreis nicht realisierbar ist.”

Deshalb halten es die Briefschreiber „für unabdingbar, dass das Land bei der Verteilung der Impfdosen auf die einzelnen kreisfreien Städte und Landkreise solche Unterschiede berücksichtigt und es auch den Regionen, in denen ein relativ hoher Altersdurchschnitt zu verzeichnen ist und auch kaum Impfverweigerer vorhanden sind, möglich macht, allen Lehrerinnen und Lehrern ein Impfangebot zu unterbreiten.”

Daraus leiten sie die Bitte ab, die Altersstruktur „bei der aktuellen Verteilung der Impfdosen” zu berücksichtigen und Rhein-Berg mehr Impfdosen zuzuteilen.

Dabei geht es Landrat und Bürgermeister:innen nicht nur um die Lehrer:innen. Sie machen sich „große Sorgen um die politische Vermittelbarkeit der aktuellen Impfkampagne”, heißt es in dem Brief.

Die Akzeptanz der staatlichen Corona-Maßnahmen sei „auch und gerade davon abhängig, dass solche Themen nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern nachhaltig und gerecht gelöst werden.”

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. @Bensberger:
    Könnten Sie dann vielleicht mal anregen, dass Bund und Land nicht mit den bereits viel beschriebenen „Phantominzidenzen“ arbeiten sondern die Nachmeldungen abwarten? Besser wäre natürlich, wenn es diese Nachmeldungen über mehrere Tage gar nicht gäbe. Vielleicht könnten Sie anregen, dass man sich um Unterstützung bemüht beim RBK. Danke !

  2. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Jetzt bin ich tatsächlich positiv überrascht! Vorgestern merkte ich in einem Kommentar uaf der “Kontakt-Seite” mittags an, dass die Altersstruktur ein Problem darstellt, das Bürgerportal berichtet und bestätigt das nachmittags und gestern schreibt der Kreis exakt das bei seiner Begründung dafür, dass bei uns weiterhin nur Prioritätsgruppen 1&2 geimpft werden. Gestern schlage ich in zwei Kommentaren vor, dass man vom Land zusätzlichen Dosen aufgrund der Altersstruktur erbeten soll und siehe da, heute schreiben Kreis und alle Bürgermeister einen entsprechenden offenen Brief an das Land.

    Ich drücke den Beteiligten die Daumen, dass diese Initiative zum Erfolg wird, damit auch bei uns die verwundbarsten Mitmenschen schnell geschützt werden können!