Wenn nicht noch ein Wunder geschieht sind die Stunden der Papierfabrik offenbar gezählt. Nach Medienberichten hat Insolvenzverwalter Mark Boddenberg die Zanders-Beschäftigten bereits auf die Stilllegung des Betriebs vorbereitet. Es wird weiter verhandelt, doch es gibt zwei harte Fristen, die unmittelbar bevorstehen. Und kein Geld.

Bürgermeister Frank Stein hatte zuletzt noch einmal bekräftigt, dass die Stadt Bergisch Gladbach als Vermieterin keine Räumung der Papierfabrik beabsichtigt, sondern abwartet, was die Verhandlungen des Insolvenzverwalters Mark Boddenberg ergeben. Bisher leider noch keine Lösung, hatte Boddenberg zuletzt vor einer Woche dem Bürgerportal mitgeteilt.

Nun läuft die Zeit aus. Bis einschließlich zum 1. Mai – und das ist Samstag – muss Boddenberg dem Amtsgericht Köln mit einem betriebswirtschaftlichem Konzept nachweisen, dass Zanders eine wirtschaftliche Überlebenschance hat und ein ordentliches Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.

Gleichzeitig läuft eine andere, ebenso harte Frist ab: Zanders müsse spätestens am 30. April – das ist Freitag – neue CO2-Zertifikate kaufen. Sonst drohe ein Bußgeld von drei Millionen Euro, schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger.

Von Anfang an war klar, dass Zanders die zweite Insolvenz nur überleben kann, wenn Boddenberg einen Investor mit frischem Kapital findet. Das war offenbar nicht der Fall, und die Rolle des bisherigen Eigentümers, der Jool-Gruppe von Tom Olander, bleibt undurchsichtig. Öffentliche Aussagen zu den Plänen von Jool gibt es nicht.

Das DGB Netzwerk Rhein-Berg warnt, die Entlassung der 380 Beschäftigten hätte „für deren Familie, die Stadt Bergisch Gladbach und die regionale Wirtschaft fatale Folgen“. Der DGB sieht vor allem die Stadt in der Pflicht, einen langfristigen Mietvertrag für potenzielle Investoren anzubieten.

Die Stadt Bergisch Gladbach kann das Unternehmen jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht unterstützen, sie duldet den Betrieb ohnehin schon seit Monaten ohne einen Pachtvertrag. Die Pacht wird vom Verwalter aus der 1. Insolvenz, Marc d’Avoine gezahlt. Er verwaltet auch das Eigentum an den Maschinen, muss aber im Fall einer endgültigen Schließung auch für die Räumung der Hallen und des Geländes sorgen.

Für die noch angeblich rund 380 Mitarbeiter und ihre Angehörigen eine unerträgliche Situation. Laut Radio-Berg haben sie bereits einen Brief von Boddenberg erhalten: Sie sollten sich auch auf eine mögliche Stilllegung des Werks vorbereiten. Nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers wurden Mitarbeitern mitgeteilt, sie sollten am Montag nicht mehr in den Betrieb kommen. Es sei denn, ihnen werde bis dahin etwas anderes mitgeteilt.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Nach den vergeblichen Bemühungen früherer Investoren meinte man, mit der Jool-Gruppe mehr Geld ins Unternehmen zu bekommen. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass das Geld, was Herr Olander der Firma überließ, nur dazu dienen sollte, die Braut schön zu machen, die er dann, so steht zu vermuten, bestens anderweitig verheiraten wollte – gegen entsprechende Prämie natürlich. Dabei scheint der Begriff CHROMOLUX ein entscheidender gewesen zu sein, ist dieses Papier doch bis heute unerreicht und lässt sogar annehmen, dass der Fokus darauf ein Fortleben von ZANDERS ermöglicht hätte, wenn diese Schiene schon vor einigen Jahren konsequent verfolgt worden wäre.

    Typisch für ihre Blauäugigkeit ist die Reaktion des DGB. Von der Stadt einen langfristigen Mietvertrag zu verlangen und damit auf Herrn Olander zu setzen kommt vielen anderen Aufforderungen der Gewerkschaften in allen Bereichen der Wirtschaft gleich, gegen betriebswirtschaftliche Grundsätze, auf Kosten der Steuerzahler und gegen geltendes Recht alleine auf Arbeitsplatzerhaltung zu setzen. Dass das in vielen Fällen in die Hose geht, scheint man dort noch immer nicht gelernt zu haben.

    Allerdings sind die ZANDERS -Mitarbeiter besonders geschlagen. Wie lange schon hoffen sie auf ernsthafte Investoren, auf wie viel Geld haben sie schon verzichtet, und wurden doch immer hereingelegt. Das ist unmenschlich, darf aber nicht der Stadt angelastet werden, die für alle Bürger#Innen Verantwortung trägt und um so mehr beschimpft worden wäre, hätte sie dem Verlangen und Werben des letzten Investors nachgegeben, um dann doch zu erleben, wie ZANDERS verramscht worden wäre.

    Alles Spekulationen, die ich nicht mehr anstellen soll, wie man mir riet. Aber auch hier gebe ich nur meinen Vermutungen Ausdruck, die, wie ich weiß, auch einigen anderen Bergisch Gladbachern nahe sind.