Die Musikschule kooperiert auch mit dem Waldkindergarten - und bringt die Musik mit in den Wald.

Früher waren die Kinder zum Mittagessen zu Hause und hatten am Nachmittag Zeit für ihre Hobbys. Heute bleiben viele Kinder bis zum späten Nachmittag in den Kindertagesstätten und Schulen. Also kommt die Max-Bruch-Musikschule zu ihnen. Zum Beispiel in den Waldkindergarten – und 28 andere Einrichtungen.

Barbara Ruthmann hält eine Kastanie hoch: „Seht mal, die sind dieses Jahr aber schrumpelig.“ Prompt kommt die Antwort eines Kindes aus dem Waldkindergarten: „Das ist bestimmt eine Oma-Kastanie.“

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Diese Kreativität und Phantasie der Kinder begeistert die Musikschullehrerin auch noch nach 30 Berufsjahren an der städtischen Max-Bruch-Musikschule. Sie unterrichtet dort vor allem Kinder zwischen einem und sechs Jahren. Seit über 15 Jahren setzt sie sich dafür ein, dass die Musikschule in die Kindertagesstätten und Schulen der Stadt kommt.  

Die erste Kooperation entstand nach einer musikalischen Fortbildung für Kita-Mitarbeitende. Erzieherinnen kamen auf Barbara Ruthmann zu und fragten, ob es möglich sei, dass die Musikschule in den Kindergarten komme.

„Der Wille war sofort da“, berichtet Barbara Ruthmann, „und so setzten sich alle an einen Tisch, und wir besprachen, wie es denn funktionieren könnte.“ Ziel war von Anfang an, dass alle Kinder einer Kita von diesem Angebot profitieren und die Mädchen und Jungen auch außerhalb der einen Musikstunde einen Nutzen daraus ziehen, weshalb die Erzieherinnen am Unterricht teilnehmen.

„Vor allem die Kinder, die zu Hause vielleicht nicht so mit Musik konfrontiert werden, saugen alles förmlich auf und machen begeistert mit. Es ist auch immer wieder schön zu sehen, wie die Kinder gegenseitig voneinander profitieren,“ erzählt die zweifache Mutter. 

15 Kooperationen mit Kitas und Schulen

Aus dieser ersten Zusammenarbeit sind mittlerweile insgesamt 15 Kooperationen geworden, die von kleinen Elterninitiativen wie den „Maulwürfen“ in Refrath bis hin zu großen Kitas wie etwa Kradepohl in Gronau reichen.

Mira Bormann, Leiterin der Kindertagesstätte Kradepohl, empfindet das Projekt als echte Bereicherung: „Kinder erleben die Musikstunden mit viel Spaß und Freude und tragen das dort Gelernte in die ganze Einrichtung. Durch das Singen der Lieder und Erlernen der Texte erlangen die Kinder neues Selbstvertrauen im Bereich der Sprachförderung.“

Daten und Fakten  

15 Kooperationen mit Kindertagesstätten
7 Kooperationen mit Grundschulen
7 Kooperationen mit weiterführenden Schulen  

Insgesamt besuchen deutlich über 500 Kinder in Bergisch Gladbach Kooperationskurse der Musikschule im Elementar- und Primarbereich. 

Jede Kooperation ist anders – so wie auch jeder Kindergarten anders ist. Mal sind es die Kitas, die auf die Musikschule zukommen, mal fragen die Eltern nach. „Zu Beginn einer jeden Zusammenarbeit steht aber zunächst einmal ein langes Gespräch, in dem geklärt wird, was gewünscht ist und was die Musikschule bieten kann“, sagt Barbara Ruthmann, die mittlerweile die Koordinatorin für Kooperationen der Musikschule ist.

Möglich wird das alles durch Sponsoren wie etwa die Brigitte u. Prof. Dr. Reiner Müller-Peddinghaus Stiftung, den Lions Club Bergisch Gladbach und verschiedene Fördervereine. 

Damit auch ältere Kinder von dem Musikangebot profitieren, gibt es zahlreiche Kooperationen mit Schulen. „Uns ist es wichtig, dass wir als Musikschule so viele Kinder wie möglich erreichen“, sagt Agnes Pohl-Gratkowski, kommissarische Leiterin der Musikschule.

Vielfältiges Angebot in den Schulen

Die Zusammenarbeit reicht vom Instrumentalunterricht vor Ort direkt nach der Schule über Angebote in der Nachmittagsbetreuung bis hin zu Unterrichtsstunden während der Schulzeit. Ein Beispiel für letzteres ist JeKits – ein durch das Land Nordrhein-Westfalen finanziertes kulturelles Bildungsprogramm, das aktuell an den Grundschulen in Moitzfeld und Kippekausen stattfindet. 

Derzeit bekommen die Kinder dieser Schulen in der zweiten Klasse eine Stunde Musikunterricht mehr und können dann in der dritten Klasse ein Instrument wählen, das sie erlernen möchten. Ab Herbst 2022 ändern sich die Rahmenbedingungen etwas, dann beginnt das Programm bereits in der ersten Klasse und ab dem zweiten bis einschließlich vierten Schuljahr können die Kinder dann ihr Instrument wählen.

Leihinstrument für zu Hause

Cello, Gitarre, Klavier oder Keyboard – egal was sie wählen, die Kinder erhalten ein Leihinstrument für zu Hause. Und neben dem Instrumentalunterricht musizieren sie jede Woche im großen JeKits-Orchester der jeweiligen Schule. 

Die Direktorin der GGS Kippekausen Sonja Frohleiks sagt zu JeKits: „Es ist gut, wenn in der Schule auch etwas Anderes als Schule stattfindet – eine echte Bereicherung.“ Sie berichtet, dass die Kinder sich immer besonders auf das Orchester freuen.

„Am längsten läuft die Kooperation mit der Grundschule in Moitzfeld“, berichtet Agnes Pohl-Gratkowski. „Von den 23 Drittklässlern, die sich im vergangenen Jahr im Rahmen von JeKits entschieden hatten, ein Instrument zu erlernen, setzen 18 den Instrumentalunterricht auch nach dem Ende des Projekts in der vierten Klasse fort. Wir bemühen uns, ihnen das vor Ort in der Schule zu ermöglichen.“

JetKits-Orchester vermittelt Spaß an der Musik

Für den kommenden Herbst haben sich trotz der Corona-Pandemie insgesamt 49 Kinder für die Instrumentalphase im JeKits angemeldet. Sie führt diesen Erfolg auch auf den neuen Ansatz zurück, der bei JeKits gelebt wird. „Früher musste man erst vier oder fünf Jahre lang ein Instrument lernen, bevor man in ein Orchester durfte“, erinnert sie sich.

„Heute steht vor allem im Mittelpunkt, dass die Kinder mit Freude zusammen Musik machen. Wenn sie dadurch motiviert sind, haben sie irgendwann auch Lust, sich schwerere Spieltechniken anzueignen.“ 

„Das Pandemie-Jahr war nicht immer einfach für uns“, sagt Barbara Ruthmann. „Einige Kooperationen mussten phasenweise pausieren, andere konnten sehr kreativ durch verschiedene Online-Formate in Form von Liveschaltungen und Mitmachvideos fortgesetzt werden. Leider haben manche Kooperationen dieses turbulente Jahr nicht überstanden. Dafür sind neue hinzugekommen.“ 

Die jüngste Kooperation besteht mit dem Gymnasium Herkenrath. Seit diesem Schuljahr bietet die Musikschule Unterricht für Fünftklässler vor Ort an, der von der Schule finanziell gefördert wird. Die Schule erhofft sich dadurch Nachwuchs für ihre hauseigenen Ensembles wie die Big Band und das Orchester.

Von den zahlreichen Kooperationen profitieren somit sowohl die Kinder als auch die Schulen und die Musikschule. Ist auch Ihr Interesse an einer Kooperation geweckt? Dann kontaktieren Sie gerne Barbara Ruthmann unter der 02204 – 984894. 

Weiterführende Informationen:  

Max-Bruch-Musikschule

ist die Musikschule der Stadt Bergisch Gladbach, beheimatet im Haus der Musik, Langemarckweg 14. Kontakt: musikschule@stadt-gl.de. Hompage: musikschule-gl.de

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