Der Meditationsraum am DBG

Veronika Schoop unterrichtet am Dietrich Bonhoeffer Gymnasium Philosophie, Latein – und Meditation. Eine trubelige Klasse brachte sie auf die Idee, mit den Schüler:innen zu meditieren. Mittlerweile wird die Technik auch im Kunstunterricht ausprobiert, ein Meditationsführerschein öffnet die Tür zu einem eigens eingerichteten Meditationsraum. Im Herbst werden mehr Lehrer:innen in Schul-Meditation ausgebildet.

Der Start erfolgte vor einigen Jahren in einem sehr unruhigen Kurs, schildert Veronika Schoop. „Die Schüler:innen waren unausgeglichen, schnell abgelenkt und untereinander oft gereizt. Da ich durch die praktische Philosophie weiß, was Meditation bewirken kann, habe ich es einfach ausprobiert.“

Die Schüler:innen hätten erzählen können, was gerade in ihren Köpfen herumschwirrt. „Daraufhin habe ich eine Klangschale angeschlagen. Nachdem die Klasse auf den Ton gehört hat, beschrieben die Schüler:innen, dass das Gedankenchaos sich gelegt hatte.“ Dann habe man dies bei Klassenarbeiten ausprobiert – mit Erfolg.

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Veronika Schoop: „Meditation kann den Menschen widerstandsfähiger machen“

Meditation stärkt Selbstfürsorge

Seither wird am DBG meditiert, „im Unterricht meist nur fünf Minuten“, meint Schoop. Kinder würden sich in einer ständigen Entwicklungsphase befinden und gleichzeitig unter enormem Druck stehen, den eigenen Erwartungen und denen anderer gerecht zu werden. Wen man dem Druck nicht gewachsen sei, entstünden rasch Probleme mit der mentalen Gesundheit.

„Meditation ist ein Weg, um nach innen zu schauen und im Sinne einer Selbstfürsorge den Geist zu stärken.“ Dies könne den Menschen widerstandsfähiger machen, erzählt die Philosophie-Lehrerin. Man werde dadurch ruhiger, konzentrierter, empathischer, die Stressreaktionen des Körpers nähmen ab.

Erst zum Meditations-Führerschein

Die Schule hat mitgezogen und einen speziellen Meditationsraum eingerichtet. Der ist aber nicht zum „chillen“ gedacht. „Die Schüler:innen müssen erst eine Zugangsberechtigung für den Raum erwerben: Den Meditations-Führerschein.“ Vier Stunden hat Veronika Schoop dafür angesetzt. Die Schüler:innen würden dabei theoretische und vor allem praktische Grundlagen lernen und meditieren üben.

Anschließend könne der Raum genutzt werden, aber eben nur für die Meditation. Als Ort der Stille – abseits der wuseligen Klassenzimmer und des Lärms auf dem Schulhof.

Weitere Informationen: Ein längeres Interview mit Veronika Schoop finden Sie unter diesem Link. Sie sprach zum gleichen Thema auch im WDR-Radio sowie dem Deutschlandradio.

Die Resonanz an der Schule bei Kolleg:innen und Eltern sei positiv, berichtet Schoop. „Da die Anfrage so groß ist, ist im Spätsommer bzw. Herbst ein Pilotprojekt geplant, um wissenschaftlich begleitet eine Ausbildung für Lehrer:innen durchzuführen.“ Zudem sei aufgrund der Nachfrage eine Meditationsgruppe für Eltern geplant.

Kunst und Meditation

Piet Beuys, Kunstlehrer am DBG, setzt die Meditation neuerdings auch im Kunstunterricht ein. Zusammen mit der Praxissemesterstudentin Zekolli, die auch ihre Masterarbeit über Kunstunterricht und Meditation schreiben wird, erprobt er das Verfahren in einer fünften Klasse.

Dabei geht es um Reflexion der eigenen Arbeiten, die Analyse unterschiedlicher Ausdrucksformen für gleiche Inhalte, aber auch um die Auseinandersetzung mit abstrakten Künstlern wie Jackson Pollock. Die Meditation zum Unterrichtsbeginn soll u.a. zur Fokussierung auf den Unterricht eingesetzt werden.

Ausgleich zum Digitalen

„Gerade in der Zeit der Digitalisierung brauchen wir einen Ausgleich, ein Angebot“, meint Schulleiter Frank Bäcker zur Frage, ob Meditation überhaupt in die Schule des 21. Jahrhunderts passt. Die ja zunehmend von Effizienz, Leistung und dem Internet als Lernort geprägt ist. Nicht zuletzt durch die Pandemie.

„Genau die geforderte Effizienz und der Leistungsdruck sind das, was von außen kommt: Wir versuchen dem Außen gerecht zu werden und schauen nicht auf unser Inneres“, erklärt Veronika Schoop.

Bei den Meditationsübungen lerne man auf einer praktischen Ebene, auf Emotionen, Drucksituationen o.ä. zu schauen und so eine Distanz zu dem aufzubauen, was äußere Umstände an Emotionen und Gedanken in einem selbst hervorrufen. „Dadurch sind die SchülerInnen sehr viel besser den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen.“

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Schon ca. 1990 hat unsere Mathe- und Physiklehrerin am AMG mit uns autogenes Trainig gemacht, wenn wir als Klasse zu unruhig waren. Das half damals super und auch heute (30 Jahre später) wende ich es selbst alleine noch an in stressigen Situationen.
    Eine tolle Sache sicherlich für alle Schulen, es geht übeigens auch ohne eigenen Raum.