Unsere Ferien-Lesetipps: Ein rasanter Krimi mit Überraschungen, ein literarischer Roman über kulturelle Abgründe und ein spannender Roman über Zeitgeschichte.

Kimberly McCreight: Eine perfekte Ehe.
Droemer 2021, € 14,99.

Die amerikanische Krimiautorin hat nach ihrem Jurastudium in New York als Anwältin gearbeitet. Mit ihrem aktuellen Thriller beweist sie einmal mehr, dass sie weiß wovon sie schreibt. Was auf den ersten Blick scheinbar als Beziehungsgeschichte beginnt, entpuppt sich sehr schnell als Krimidrama der besonderen Art.

Die auf Wirtschaftsrecht spezialisierte New Yorker Anwältin Lizzie ist gerade dabei, ihre immer massiver werdenden Eheprobleme zu lösen, als sie ein Hilferuf ihres ehemaligen Studienfreundes Zach ereilt. Er wird beschuldigt, seine Frau Amanda nach einer Party umgebracht zu haben, und sitzt bereits in Untersuchungshaft.

Nach anfänglichem Zögern, weil es sich nicht um ihr Fachgebiet handelt, lässt sie sich dazu überreden, das Mandat anzunehmen.  Lizzie glaubt zwar seinen Unschuldsbeteuerungen, stößt aber im Laufe ihrer Nachforschungen zunehmend auf Widersprüche und ist davon überzeugt, dass er mehr als einmal lügt.

Wie war die Ehe der beiden wirklich und welche Rolle spielen Zachs elitären Freunde dabei. Nach und nach beginnen die Fassaden der feinen High Society zu bröckeln und kaum einer steht noch mit weißer Weste da. Nichts ist so, wie es auf dem ersten Blick scheint. Jeder der Beteiligten spielt sein Spiel und verfolgt seine nicht immer hehren Ziele.

Die Geschichte wird auf mehreren Ebenen erzählt. In der Gegenwart verfolgen wir die Geschehnisse aus der Sicht der Protagonistin, der Anwältin Lizzie. In Rückblenden werden die Vorkommnisse vor der Party aus Amandas Sicht wiedergegeben. Verhörprotokolle und Auszüge aus Firmenakten vervollständigen die Fakten und lassen nach und nach aus vielen kleinen Puzzleteilen ein ganzes Bild entstehen.

Durch diesen Kunstgriff sowie viele falsche Fährten wird der Spannungsbogen bis zum überraschenden Ende kontinuierlich hochgehalten. Kurze schnelle Kapitel tun ein Übriges dazu und verführen den Leser zum zügigen Durchlesen. Eine punktierte Charakterzeichnung lässt die Figuren bildhaft werden.

Entstanden ist ein rasanter Thriller, der an der Oberflächlichkeit einer „Mehr Schein als Sein-Gesellschaft“ empfindlich kratzt und dadurch viel mehr ist als ein normaler Krimi, sondern sich immer mehr zu einem Gesellschaftsdrama entwickelt.

(Sylvia Jongebloed)

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Leïla Slimani: Das Land der Anderen.
Luchterhand 2021, € 22,00.

Die französische Bestsellerautorin mit marokkanischen Wurzeln verarbeitet in ihrem aktuellen Roman anhand der Lebensgeschichte ihrer Großeltern die Kluft zwischen zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein können. Hier prallen Orient und Okzident mit voller Wucht aufeinander und hinterlassen selbst noch in der dritten Generation ihre Spuren.

Die Französin Mathilde verliebt sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in den Marokkaner Amine, der während des Krieges als Offizier in der französischen Armee gekämpft hat. Blauäugig stürzt sie sich in diese Beziehung und eine Heirat lässt nicht lange auf sich warten. Nach Kriegsende kehrt Amine mit seiner frischgebackenen Ehefrau nach Marokko zurück. Sie leben zunächst im Haus seiner Familie in Meknes am Fuße des Atlasgebirges.

Bereits jetzt beginnt sich das Blatt für Mathilde zu wenden. Abenteuerlust und romantische Vorstellungen verfliegen schnell und Ernüchterung macht sich mehr und mehr breit. Trotzdem will sie diesen Kulturschock erst nicht wahrhaben und tröstet sich mit der Vorstellung, bald mit Amine auf dessen eigenem Land und Gut zu leben. Doch spätestens dort kann sie der Realität nicht mehr entfliehen.

Das Land erweist sich als karg, steinig und nur schwer zu bearbeiten. Die nächste Enttäuschung ist das Haus, denn es entpuppt sich als nicht mehr als eine bessere Hütte. Die französischen Siedler und Kolonialbeamten in ihrem Umfeld reagieren nicht nur mit Unverständnis sondern auch mit Spott und Häme auf dieses ungleiche Paar.

Wie ein Lauffeuer macht sich Rassismus breit, den auch ihre Kinder später noch zu spüren bekommen. Von den Marokkanern verachtet und misstrauisch beäugt und von den Franzosen als Menschen zweiter Klasse abgetan. Der Traum von Tausendundeiner Nacht entwickelt sich immer mehr zum Albtraum. Das Buch endet 1955 auf dem Zenit der Unruhen gegen die Kolonialherrschaft und kurz vor Erlangung der Unabhängigkeit Marokkos.

Der Autorin ist ein starker Beitrag gegen Rassismus und Unterdrückung von Frauen und Minderheiten gelungen. Die nüchterne und beherrschte Sprache macht die Ungeheuerlichkeiten noch plastischer. Man leidet mit den beiden Protagonisten mit, wenn man auch nicht alle ihre Handlungen versteht.

Die Parallelen zur Gegenwart sind auch nach Jahrzehnten noch augenfällig. Dieser hochaktuelle sowie literarisch und inhaltlich anspruchsvolle Roman ist in Frankreich längst zum Bestseller avanciert. Zwei weitere Bände ihrer Familiengeschichte werden folgen. Grandios!  

(Sylvia Jongebloed)

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Daniel Speck: Jaffa Road.
Fischer 2021 € 16,99.

Der Drehbuch- und Romanautor Speck wurde für seinen aktuellen Roman inspiriert durch eine wahre Geschichte. Er verknüpft auf geniale Weise eine verschachtelte Familiengeschichte mit historischen Ereignissen zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gegenwart.

Wir beginnen den Parcoursritt durch ein halbes Jahrhundert Weltgeschichte in der Gegenwart. Die Archäologin Nina reist von Berlin nach Palermo zur Testamentseröffnung ihres verstorbenen Großvaters Moritz/Maurice. Dieser galt seit dem Zweiten Weltkrieg, seit dem Afrikafeldzug, als verschollen. Sie kennt ihn nur von Fotos aus seiner Jugendzeit. Ihre jüdische Tante Joëlle, mit der sie noch nicht lange in Verbindung steht, ist bereits vor Ort. Sie hat ihren Vater seit Jahrzehnten nicht gesehen, auch diese Familie hat Moritz verlassen.

Beide Frauen wussten nicht, dass Moritz/Maurice auf Sizilien ein offenbar gutsituiertes Leben führte und eine Villa am Meer besaß. Aber es gibt noch eine Überraschung. Der Notar macht sie mit einem Mann Ende Vierzig bekannt, der offensichtlich auch ein Verwandter ist. Nur in welcher Beziehung steht er zu dem Verstorbenen? Und es wird noch mysteriöser. Bei der Testamentseröffnung erfahren sie, dass alle Drei zu gleichen Teilen erbberechtigt sind.  

Wie und warum wurde aus dem Deutschen Moritz der italienisch stämmige Jude Maurice? Warum hat er zwei scheinbar glückliche Familien verlassen und wohin hat ihn sein weiteres Leben geführt?  Und welche Rolle spielt ein Koffer voller Fotos? Diese Fragen führen uns zurück zu dem Anfang der Geschichte, der Gründung Israels 1948 und dem bis heute schwelenden Nahostkonflikt.

Meisterhaft verwebt der Autor drei Generationen, Kulturen und Glaubensrichtungen zu einem stimmigen Ganzen und erteilt ganz nebenbei noch eine Geschichtsstunde par excellence. Man verschlingt das fast 700 Seiten starke Buch wie einen Krimi. Dem Autor gelingt es, uns die komplexe und schwere Thematik sehr unterhaltsam nahezubringen. Man saugt die Geschichte förmlich auf und gibt nicht eher Ruhe, bis man sie zu Ende gelesen hat. Unterhaltungsliteratur auf hohem Niveau.

(Sylvia Jongebloed)

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Viel Spaß beim Lesen.

Ihre Birgit Lingmann und Pia Patt

Pia Patt und Birgit Lingmann führen die Buchhandlung Funk

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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