Foto: Gerhard Richter

Der Kölner Jazz-Trompeter Peter Protschka hat über die Jahre hinweg ein illustres Quintett aufgebaut. Mit „Hearts and Minds“ legt die Band nun ein bemerkenswertes Studio-Album vor. Mit acht feinen Jazz-Highlights aus der Feder Protschkas und des Tenorsaxophonisten Rick Margitza.

Protschka und seine Sidemen touren regelmäßig durch Europa. 2015 entstand dabei die CD „Twilight Jamboree“. Ein Live-Mitschnitt aus dem Birds Eye in Basel. Auch im vergangenen Sommer nutzte das Quintett die gemeinsame Tour, um eine neue CD einzuspielen. Sie erscheint Ende März 2022 unter dem Titel „Hearts and Minds“ bei Challenge Records International.

Top Five des Jazz

Diese neue CD ist ein quicklebendiges, vor Spielfreude nur so strotzendes Studio-Album mit acht Eigenkompositionen von Protschka sowie Rick Margitza. Der Tenorsaxophonist Margitza ist seit 2013 regelmäßig mit Peter Protschka in Europa zu hören. Margitza weist trotz seiner jungen Jahre eine Reihe von Top-Referenzen auf: Chick Corea, Miles Davis und McCoy Tyner, um nur einige zu nennen.

Cover der CD (C) Challenge Records

Zum Quintett gehört zudem Martin Sasse, einer der großen europäischen Jazz-Pianisten seiner Zeit. Er tourt mit eigenem Trio, spielt u.a. im Duo mit Philipe Catherine.

Paul Kuhn und Charlie Mariano sind nur zwei von vielen Referenzen, mit denen Bassist Martin Gjakonovski auf den Bühnen unterwegs war. Auch er einer der Top-Namen in Europa. So wie Drummer Tobias Backhaus, der mit Größen wie Till Brönner und Ack van Royen spielte.

Zur Person: Peter Protschka, Gründer und Namensgeber des Quintetts studierte in Mannheim und Köln. Erwarb ein Jazzdiplom mit Auszeichnung, ein Konzertexamen in Jazz sowie einen Master of Music für Alte Musik. Protschka hatte kurz die Leitung der Max-Bruch-Musikschule in Bergisch Gladbach inne.

Der Trompeter spielt einen US-Jazz der frühen 60er Jahre, dem er ein zeitgemäßes und lässiges Outfit verpasst. Hoch virtous und ungemein musikalisch, mit Energie und Soul, lotet er das Genre aus. Mit exzellentem Gespür für die Kombination aus klassischen und aktuellen Strömungen des Jazz. Mehr zu Peter Protschka im Web

Das Peter Protschka Quintett ist damit – nach den Anfängen in anderer Besetzung – selbst eine Referenz im Jazz geworden. Eines der seltenen Beispiele, wo es Bandleadern im hektischen Konzertbetrieb gelingt, ein Ensemble über Jahre zu formen und vor allem zu halten.

„A bunch of friends, on the road every year“, merkt Protschka dazu im Booklet der aktuellen CD selbst an.

Mainstream im besten Sinne

Das über Jahre geformte Zusammenspiel, die Erfahrung, die Freude an der Musik, all dies hört man der CD an. Die fünf Vollblutmusiker um Peter Protschka müssen nichts mehr beweisen. Sie bieten auf „Hearts and Minds“ Mainstream-Jazz im besten Sinne. Und das ist nur positiv gemeint.

Da wird weder nach der neuen Form gesucht, noch der Klang hinterfragt oder neue Wege der Improvisation gesucht. Protschkas Quintett, das ist solide gemachter Jazz, ohne avantgardistische Ambitionen.

Warm und lyrisch

Peter Protschka Quintett, Foto: Helmut Kempe

Und genau das macht „Hearts and Minds“ so bemerkenswert. Fast wähnt man eine CD von Columbia Records oder Atlantic Records im Abspielgerät, aus den frühen Blütezeiten eines Miles Davis oder John Coltrane.

Wäre da nicht dieser zusätzliche Hauch an Lässigkeit, den Protschka mit seinem Quintett verbreitet. Mit der die fünf Jazzer das musikalische Material der CD sauber aber nie steril auf den Punkt bringt.

Das gilt auch für den Sound der CD: Warm und lyrisch im Gesamteindruck, weich und klar die Bläser, feinperlig das Piano, transparent die Drums, ehrlich, satt und charakteristisch der Bass. Auch klanglich legt Protschka mit der CD die Messlatte ziemlich hoch.

Kein Mittel zum Zweck

Acht Kompositionen vereint der Longplayer zu einer kappen Stunde Jazz, je vier Stücke von Protschka, vier von Margitza. Schnell fällt auf: Die Themen der einzelnen Kompositionen sind nie Mittel zum Zweck, was man im Jazz gelegentlich unterstellen darf.

Protschka und Margitza stellen die Themen gerne unisono (im Zusammenspiel) oder auch zweistimmig vor. Trompete und Tenorsaxophon verschmelzen zu einem charakteristischen Klang, der den Sound des Quintetts und natürlich der CD prägt. Es ist große Kunst, wie mühelos die Musiker den Opener „August in Paris“ zu einem Latin-Stück entwickeln. Da steckt viel Können dahinter, Musik und Grooves so einfach klingen zu lassen.

Rick Margitza, Foto: Gerhard Richter

Ein Anspieltipp ist sicher auch „Warm“, das einen narrativen Ton verbreitet. Bemerkenswert, wie Gjakonovski und Backhaus dem ruhig gehaltenen Song einen Groove verleihen, ohne den erzählerischen Duktus zu durchkreuzen. Das gilt auch für die Harmonisierung des Stücks, das dem Ohr immer eine Heimat bietet, den Musikern gleichwohl Gelegenheit verschafft sich in frischen Akkordwendungen auszutoben.

„Tom´s Groove“ aus der Feder von Peter Protschka ist das markanteste Stück, das die CD beschließt. Hier breitet Protschka vielleicht am ehesten seine Vision seiner Musik, seines Quintetts, seiner Arbeit als Solist und Bandleader aus. Da macht sich urbaner Schick breit, eine zeitlose Coolness weht herüber – Tradition und Moderne, unvergänglich!

Vermeintliche Klassiker

Die Zuhörer:innen können sich bei der CD auf hochmusikalische Werke freuen, die schnell das Potential zu Ohrwürmern entfalten – entsprechende Hörgewohnheit freilich vorausgesetzt. Nie banal, musikalisch „griffig“, haben die Songs gar das Potential, sich zum allgemeintgültigen Repertoire in der Szene zu entwickeln.

Und so ertappt man sich beim Durchhören hin und wieder dabei, einen vermeintlichen Standard aus dem Kanon der Jazzmusik zu hören. Nein, es sind allesamt Kompositionen neueren Datums. Und doch kommen sie im Gewand von Klassikern daher.

Peter Protschka Quintett: Hearts and Minds
Erscheint am 25. März 2022 bei Challenge Records International
Mit: Peter Protschka (Trompete, Flügelhorn, Komposition), Rick Margitza (Tenorsaxophon, Komposition), Martin Sasse (Piano), Martin Gjakonovski (Bass), Tobias Backhaus (Schlagzeug). Infos zur CD beim Plattenlabel auf der Webseite von Peter Protschka

Gewidmet ist die CD dem Bassisten und Manager des Frankfurter Jazzkellers, Eugen Hahn, der Ende 2020 starb. Die FAZ bezeichnete ihn und sein Wirken für den Jazz mal als „Hüter des Feuers“.

Hüter des Feuers, die Charakterisierung passt vielleicht auch auf das Peter Protschka Quintett. Mit der unaufgeregten, traditionellen Musik, der sie immer wieder auf meisterlichem Niveau neue Facetten verleiht.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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