Im Straßendreieck zwischen Technologiepark (oben rechts), Miltenyi Biotec (oben links) und der Autobahn soll der Mobilhof entstehen. Foto: Stadt GL, Ratsinformationssystem

Der Anspruch ist groß: die Regionale 2025 soll das „Bergische Rheinland“ auf die Themen der Zukunft ausrichten und das Lebensumfeld der Menschen in den drei beteiligten Kreisen spürbar besser machen. Zur Halbzeitbilanz weisen die Macher:innen einige Erfolge vor. Unter anderem den Grünen Mobilhof GL, der jetzt den A-Status bekommt und für vieles steht, was diese Regionale auszeichnet. Zum Beispiel, dass es nicht um einzelne Projekte geht, sondern um die Vernetzung.

In der Öffentlichkeit wird die Regionale 2025 – wenn überhaupt – immer noch als Förderprogramm für einzelne Projekte wahrgenommen. Sie entpuppt sich aber immer mehr als Modernisierungsmotor, der um einige Leuchtturmprojekte herum die ganze Region vernetzt und strukturell verändert. Ging es 2010 noch um die Versiegelung der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone, so stehen jetzt Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Fokus.

Diesen Anspruch verkündet Reimar Molitor, Geschäftsführer der Regionale 2025 Agentur, wie ein Mantra seit dem Start 2018 immer wieder: „Die Regionale ist mehr als die Summe der Projekte.“ Zur Halbzeitbilanz, die er jetzt mit Landrat Stephan Santelmann und der Kreis-Umweltdezernentin Elke Reichert in einem Pressegespräch zog, wird deutlich, was er damit meint.

Beispielhaft steht dafür der geplante Grüne Mobilhof in Moitzfeld, der in der Sitzung des Lenkungsausschusses am Donnerstag den begehrten A-Stempel erhalten soll und damit in die Umsetzung gehen kann.

Sachstand: 61 Projekte werden derzeit von der Regionale Agentur aktiv bearbeitet. Davon haben 12 den A-Stempel erreicht und können damit in die Umsetzung gehen. Dazu gehören unter anderem die Mobilisationen, die Schnellbusse, der Innovations Hub und die Bergische Ressourcenschmiede. Weitere 13 besitzen den B-Stempel und müssen weiter qualifiziert werden, dazu gehört u.a. die Konversion des Zanders-Areals. Alle Projekte finden Sie auf der Website der Regionale.

„Uns ist wichtig, dass drin ist, was draufsteht“, betont Landrat Santelmann. Schnellbusse (ein weiteres Vorzeigeprojekt) müssten wirklich schnell sein, und der Grüne Mobilhof tatsächlich einen großen Beitrag für den Klimaschutz leisten.

Das tut er auch, denn das Projekt des Regionalverkehr Rheinlands (RVK) besteht nicht nur aus einem Park- und Wartungsplatz für Busse mit Elektro- und Wasserstoffantrieb. Sondern soll mit seiner Wasserstofftankstelle und der eigenen Produktionsanlage für Wasserstoff als Treiber für den Einsatz dieses Energieträgers in der ganzen Region dienen.

Dafür hat die Regionale 2025 einigen Aufwand betrieben, Studien zum Thema erarbeitet und eine „Wasserstoffwerkstatt“ einberufen. Der Grüne Mobilhof strahle bereits jetzt über das „Rheinische Bergland“ mit den Kreisen Rhein-Berg, Oberberg und Teilen des Rhein-Sieg-Kreises hinaus, berichtet Molitor.

Auch Santelmann betont die große Bedeutung der gründlichen Vorarbeit. Er sei „unendlich froh“, das zunächst viel Zeit für Strategien und Prozesse aufgewendet wurde, was jetzt zu einer Vielzahl guter Projekte führe – für die sich selbst Delegationen aus China interessieren.

Die zweite Stufe

Nun soll das Thema Wasserstoff in der zweiten Hälfte der Regionale-Laufzeit, in der ganzen Region verwurzelt werden. „Aktivierung“ nennt die Regionale diese Strategie, die darauf setzt, dass sich rund um die Leuchtturmprojekte ein Netz von möglichst vielen großen und kleinen Projekten oder auch nur Maßnahmen bildet. Unter Beteiligung der lokalen Unternehmen wie zum Beispiel Anlagenbauer.

Hintergrund: Zwei Kernprinzipien hat die Regionale vorab definiert, an denen sich die Projekte ausrichten sollen. Das ist zum einen die bessere Nutzung heimischer natürlicher Ressourcen, und zum anderen die Konversion alter Infrastruktur. Zwei „Leitplanken“, die den Verkehr in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit lenken.

Dabei verlassen sich die Macher – neben der Regionale-Agentur v.a. die Fachdezernent:innen der beteiligten Kreise – nicht auf die Eigeninitiative potenzieller Projektträger. Sie haben drei Schwerpunkt-Felder definiert (natürliche Ressourcen, Konversion brachliegender Infrastruktur, bürgerschaftlichen Engagement), Steuerungsgruppen eingesetzt, mögliche Akteure identifiziert und zu Einstiegsgesprächen eingeladen.

Aus dieser Initialzündung, das berichtet Reichert mit Begeisterung, entstehe gerade eine große Dynamik, mit einer Vernetzung auf unterschiedlichsten Ebenen. Das Thema „grüner Wasserstoff“ stoße dabei auf großes Interesse. „Wir bringen viele Menschen zusammen, die sich bislang nicht kannten, aber ganz ähnliche Ideen verfolgen und erst jetzt die Querbezüge erkennen“, sagt Reichert.

Zudem habe sich auch zwischen den beteiligten Kreisverwaltungen eine enge Zusammenarbeit und Arbeitsteilung ergeben. „Nur so können wir so viele Themen so gründlich bearbeiten, wovon alle profitieren“, sagt Reichert.

Mehr Öffentlichkeit: Inzwischen traut sich die Regionale 2025 verstärkt in die Öffentlichkeit und will in den kommenden Monaten ihre Arbeit vorstellen. Geplant sind zwei Fachkongresse, eine große PR-Kampagne mit Broschüre, Videos und Plakaten sowie einem „Tag der offenen Projekte“. Details folgen.

Darüber hinaus gebe es aber auch noch die „schwervermittelbaren Fälle“, sagt Molitor: verlassene Landgaststätten an einer Talsperrenmauer, aufgelassene Kirchen oder Pershing-II-Raketenrampen. Hier wolle die Regionale Konzepte entwicklen und einen „Heiratsmarkt“ für potenziellen Betreiber und Kooperationspartner organisieren.

„Das ist wie bei der Akupunktur“, beschreibt der Regionale-Geschäftsführer die Arbeit seiner Agentur: „Wir setzen viele kleine (und ein paar ganz schön große) Nadeln – und wenn wir die richtigen Nerven treffen, fühlt sich der ganz Körper besser.“ Die größte Nadel sei die Konversion des Zanders-Areals, und der Körper das ganze Bergische Rheinland.

Das Ende im Blick: 2025 läuft die Regionale aus und verschwindet wieder von der Bildfläche, warnt Molitor. Er geht aber davon aus, dass dann viele Projekte von alleine weiter laufen. Noch bis Ende 2024 werden Projektvorschläge angenommen, mit insgesamt 100 rechnet die Agentur. Davon komme vielleicht die Hälfte bis 2025 ins Ziel, viele andere in den Folgejahren.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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