Manfred Schmitz, Manfred Sistig und Klaus Broich überreichten den Bürgerantrag im Rathaus. Foto: Martin Büchel

Im Namen von 50 Gewerbetreibenden hat die Interessengemeinschaft Schildgen e.V. ihre Kritik an der geplanten Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße in Form eines Bürgerantrags eingereicht. Dabei geht die IG davon aus, dass entlang der Durchfahrtsstraße alle Haltemöglichkeiten für Autos entfallen sollen. Das werde die Umwelt- und Aufenthaltsqualität in Schildgen nicht verbessern, bedrohe aber die Existenz der Geschäfte im Ort.

Vertreter der Interessengemeinschaft Schildgen haben heute Herrn Bürgermeister Frank Stein bzw. dem Bürgermeisterbüro der Stadt Bergisch Gladbach einen Bürgerantrag gemäß § 24 GO NRW überreicht und per Mail an die Fraktionen im Stadtrat übersendet.

Mit diesem Bürgerantrag bekunden u.a. über 50 Gewerbetreibende in Schildgen ihren Unmut und ihre große Sorge im Hinblick auf die geplante Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße.

Derzeit werden außerdem in Schildgen Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt, die das Anliegen der Interessengemeinschaft Schildgen unterstützen. Diese Unterschriftenlisten werden am kommenden Dienstag an den Vorsitzenden des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsflächen vor dem Rathaus in Bensberg überreicht.

Dokumentation: Antrag der IG Schildgen im Wortlaut

Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße in 51467 Bergisch Gladbach
Bürgerantrag gem. § 24 GO NW

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stein,
sehr geehrte Damen und Herren,

der Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität hat in seiner Sitzung am 23.11.2021 beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, die zur Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße entwickelte Planung des Büros MWM weiter zu verfolgen. Diese Planung sieht u.a. Folgendes vor:

  • Keine Haltemöglichkeit für den motorisierten Individualverkehr entlang der 
    Altenberger-Dom-Straße
  • Entfall aller Kurzzeitparkplätze entlang der Altenberger-Dom-Straße
  • Entfernung der Zufahrtsmöglichkeit zum Parkplatz vor dem Haus 
    Altenberger-Dom-Straße 113
  • Entfernung der Zufahrt zum Parkplatz Altenberger-Dom-Str. 139 durch Bau einer 
    Bushaltebucht
  • Entfall des Fußgängerüberweges Kempener Straße
  • Führung des Fußwegs im Bereich der kath. Kirche über den dortigen Parkplatz

Wir haben bei unseren Kundinnen und Kunden in der Zeit vom 28.03.2022 bis 09.04.2022 eine Mobilitätsumfrage durchgeführt. 

Von 11.391 befragten Kundinnen und Kunden erreichten uns mit dem ÖPNV 1,55%, mit dem Fahrrad 6,06%, zu Fuß 25,56% und mit dem KFZ 66,82%.

Dieses Ergebnis zeigt, dass 

  • unsere Kundinnen und Kunden uns mehrheitlich zu Fuß oder mit dem KFZ erreichen und
  • von dem in der Vergangenheit für die Altenberger-Dom-Straße festgestellten täglichen Verkehrsaufkommen vom etwas mehr als 15.000 Kraftfahrzeugen nur ein geringer und unwesentlicher Teil – nämlich durchschnittlich 635 Kraftfahrzeuge – durch unsere Kunden verursacht wurde.

Die derzeitige Planung schränkt die fußläufige Erreichbarkeit des Ortskerns durch den Wegfall eines Fußgängerüberwegs über die Kempener Straße und die Führung des Fußweges über den Parkplatz vor der Kirche ein. 

Die Erreichbarkeit des Ortskerns für den motorisierten Individualverkehr wird durch den Entfall allerKurzzeitparkplätze sowie den Wegfall aller Haltemöglichkeiten entlang der Altenberger-Dom-Straße ebenfalls drastisch eingeschränkt. 

Ein Ausweichen in Nebenstraßen ist zu erwarten, jedoch in Wohngebieten unerwünscht und wegen des dort bereits vorhandenen Parkdrucks ohnehin keine Alternative.

Eine Verbesserung der Umwelt- und Aufenthaltsqualität im Ortskern wird durch die geplanten Maßnahmen nicht erreicht. Denn das Kernproblem des übermäßigen Durchgangsverkehrs wird nicht gelöst.

Die dieses Schreiben unterzeichnenden Anlieger der Altenberger-Dom-Straße stellen gemäß § 24 GO NW den Antrag,

  1. den Beschluss des Ausschusses für strategische Stadtentwicklung und Mobilität vom 23.11.2021 zur weiteren Verfolgung der von dem Büro MWM entwickelten Planung zur Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße zurückzunehmen;
  2. bei weiterer Planung der Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße sicherzustellen, dass

    die fußläufige Erreichbarkeit des Ortskerns nicht durch Wegfall von Fußgängerüberwegen und Fußwegen beeinträchtigt wird,

    öffentlich zugängliche Kurzzeitparkplätze in bisherigem Umfang und in unmittelbarer Nähe zum Bereich der Altenberger-Dom-Straße zwischen Leverkusener Str. und Kempener Str. zur Verfügung stehen und

    Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt- und Aufenthaltsqualität, insbesondere zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs im Ort, in der Planung berücksichtigt werden.

Begründung:

Die drastische Einschränkung der Erreichbarkeit des Ortskerns für den motorisierten Individualverkehr hat keine merklichen Auswirkungen auf das eigentliche und vordringlich zu lösende Problem der übermäßigen Nutzung der Altenberger-Dom-Straße durch den Durchgangsverkehr und die durch diesen Verkehr verursachten schädlichen Emissionen und nachteiligen Wirkungen für Sicherheit und Aufenthaltsqualität.

Andererseits bedeutet die Einschränkung der Erreichbarkeit des Ortskerns für Fußgänger und den motorisierten Individualverkehr eine geschäftsschädigende Entwicklung für uns als ortsansässigen Gewerbetreibende und Dienstleister, deren Geschäfte mehrheitlich zu Fuß oder mit einem KFZ aufgesucht werden.

Der Standort Schildgen wird für Kundinnen und Kunden an Attraktivität verlieren. Mehr und mehr Kundinnen und Kunden werden die Geschäfte im Ortskern nicht mehr aufsuchen und stattdessen mit dem Fahrzeug in umliegende Orte fahren, um dort ihre Einkäufe zu tätigen oder Dienstleitungen in Anspruch zu nehmen.

Der Wegfall von Kundinnen und Kunden wird zur Folge haben, dass eine wirtschaftliche Fortführung unserer Geschäfte entlang der Altenberger-Dom-Straße bedroht wird. Die derzeitige Planung gefährdet die Existenz unserer Geschäfte und damit auch die Funktion des Ortskerns von Schildgen als Nahversorgungszentrum.

Die Bürgerinnen und Bürger werden dann weitere Wege in Kauf nehmen müssen, um sich für ihr alltägliches Leben zu versorgen. Diese Wege werden tendenziell mit Kraftfahrzeugen zurückgelegt.

Die derzeitige Planung ist daher weder geeignet, die Verkehrsprobleme im Ortskern von Schildgen zu lösen, noch ist sie nachhaltig oder gar in der Lage, einen Beitrag zu künftigen Klimaschutzzielen zu leisten. Ist die Nahversorgung für die Menschen im Ort nicht mehr gewährleistet, führt dies zu mehr Verkehr und ist klimaschädlich.

Es mag sein, dass der motorisierte Individualverkehr langfristig an Bedeutung verlieren kann. Bis dahin ist es jedoch erforderlich, den Ortskern von Schildgen als Nahversorgungszentrum für alle Verkehrsteilnehmer erreichbar zu halten. 

Zudem ist zum Erhalt oder zur Steigerung der Attraktivität des Ortskerns erforderlich, bei den Planungen Maßnahmen zum Gewinn von Umwelt- und Aufenthaltsqualität umzusetzen. Menschen wollen sich im Ort aufhalten und miteinander kommunizieren.

Daher muss eine künftige Planung zur Umgestaltung der Altenberger-Dom-Straße vor allem auch Maßnahmen zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs oder zur Verringerung seiner schädlichen Folgen beinhalten. 

Der schlichte Bau von Radwegen entlang der Altenberger-Dom-Straße und der Versuch, den Verkehr dort durchgängiger zu machen, führt weder zu mehr Aufenthaltsqualität noch zu einer Steigerung der Attraktivität des Ortskerns.

Eine solche Planung wird vielmehr zur Folge haben, dass der Ortskern an Attraktivität verliert und zu einer reinen Durchgangsstraße verkommt. 

Weder für die Bewohnerinnen und Bewohner des Ortsteils Schildgen, noch für die ortsansässigen Gewerbetreibenden wird damit in der Gesamtschau etwas Positives erreicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Klaus Broich, Andrea Dinter, Manfred Schmitz, Friedhelm Schlaghecken

PS: Die Unterschriftenlisten mit den Namen der Antragsunterstützer werden wir am Dienstag, den 31.05.2022 um 16.45 Uhr an den Vorsitzenden des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsflächen vor dem Rathaus in Bensberg übergeben.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.