Blick auf die Bäckerei und Konditorei Gerold Eilers (2005). Stadtarchiv L1/1730, Peter Mattes

In Refrath ist das „Alte Backhaus“ vor allem mit Petra und Gerold Eilers verbunden, die im Wickenpfädchen 28 Jahre lang eine Spitzenbäckerei und Konditorei führten. Ihre Nachfolger mussten das Geschäft aufgeben, weil das Haus saniert werden soll. Im Denkmalpflegeplan ist das 100-jährige Gebäude zwar nur als „Erhaltenswert“ eingestuft, hat aber baulich und geschichtlich eine große Bedeutung für den Stadtteil.

Das sogenannte „Alte Backhaus“ in Refrath ist momentan kein Baudenkmal und im Denkmalpflegeplan der Stadt Bergisch Gladbach ist es lediglich als „Erhaltenswert“ eingestuft. Dies bedeutet allerdings, dass es durch seine Kubatur das Orts- oder Stadtbild in positiver Weise prägt. Über die bauliche Relevanz hinaus gibt es eine geschichtliche Bedeutung, die nachfolgend kurz in den Blick genommen werden soll.

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„Altes Backhaus“ in Refrath hat geschlossen

2018 folgte das Alte Backhaus in Refrath auf die beliebte Traditionsbäckerei Eilers, nun ist Schluss, zumindest vorerst: Am Sonntag war der letzte Öffnungstag des Geschäfts, die bisherigen Inhaber:innen verabschiedeten sich. Das Gebäude soll saniert werden. Was danach passiert, bleibt ungewiss.

Als Bauherr des Gebäudes mit der Adresse Wickenpfädchen 7 trat vor 100 Jahren der Kaufmann Lambert Breidenbach (1877-1953) aus Refrath auf den Plan. Er versprach sich mit diesem Wohnhaus einschließlich einem integrierten Ladenlokal für Tabakwaren an Ort und Stelle das Potenzial für einen florierenden Umsatz. Die Standortwahl an der Haltestelle Refrath, der neuen Straßenbahnverbindung, die seit 1913 von Brück nach Bensberg hinaufführte, war vielversprechend.

Das „Alte Backhaus“ heute und 1930 mit der Familie Breidenbach. Fotos: Michael Werling, Sammlung H. P. Müller

Dort hatte man in der Nachbarschaft schon 1919 zuerst eine Trinkhalle errichtet, die ab 1921 zur Restauration von Anton Quadt und spätere Gaststätte „Ewige Lampe“ ausgebaut wurde. Ecke Wickenpfädchen/Vürfelser Kaule“ entstand 1927 das „Café-Restaurant Wollwert“ (Heute: Gelateria La Luna), sodass mit dem Neubau „Wickenpfädchen 7“ ein zumindest kleiner dorfbaulicher Schwerpunkt entstand.

Gaststätte von Anton Quadt, später „Ewige Lampe“ und Café-Restaurant „Haus Wollwert (1930er Jahre), heute Gelateria La Luna. FotosammlungH. P. Müller

Als Baugelände stand ein Eckgrundstück zur Verfügung, das von dem Architekten Wilhelm A. E. Davidts bebaut werden durfte, zumal dieser schon ein entsprechendes städtebauliches Konzept für dieses Areal entwickelt hatte.

Lageplan für den Neubau des Anwesens „Wickenpfädchen 7“ (Quelle: StAGL, F2/1019) und Amtlicher Lageplan zum Bauvorhaben (Quelle: StAGL, F2/1019)

Der zweigeschossige, traufständige Hauptbaukörper ist mit einem hohen Walmdach abgedeckt. Als Akzentuierung springt das eingeschossig konzipierte Ladenlokal auf beiden Fluchten des Hauptbaukörpers vor. Auch hier wurde über ein Walmdach aufgesetzt, an dessen Traufseiten mit weit ausladenden Aufschieblingen ein besonderer Charme erzeugt wird.

Vorder-, Seiten und Rückansicht. Quelle: Stadtarchiv GL

Typischer Zeitgenosse der 1920er Jahre

Die Grundrissausbildung ist schlicht und enthielt im Erdgeschoss neben einem Vorflur mit angegliederter Toilette den Wohnraum und die Wohnküche, während im Obergeschoss die Schlafräume einschließlich eines Sanitärbereiches untergebracht wurden. Konstruktiv ist das Gebäude dem damaligen Standard entsprechend, mit Hilfe massiver Baumaterialien errichtet worden. 

Grundriss Erdgeschoss. (Quelle: StAGL, F2/1019)

Stilistisch ist der Baukörper als ein typischer Zeitgenosse der 1920er Jahre einzuordnen. In dieser Zeit war der Expressionismus quasi als Antipode zum Neuen Bauen und als Reaktion auf die historistische Fassadenarchitektur der Gründerzeit stilbildend.

Nun sind bei dem hier zu erörternden Gebäude keine gezackten, kristallinen Formen oder gar eine reiche Klinkerornamentik zu lokalisieren, aber anhand des schlanken hochrechteckigen Treppenhausfensters und den Fenstersprossen, die durchweg einmal horizontal gestaltet waren (sog. liegende Rechtecke), ließen sich typische Details einer expressionistischen Architektur erkennen.

Im Jahre 1939 erfolge auf Veranlassung von Lambert Breidenbach eine erste Erweiterung des Ladenlokals, um in der nun vergrößerten Räumlichkeit die erste Filiale der Kreissparkasse Köln unterbringen zu können. Architekt war Walter Dietz aus Bensberg.

Erste Filiale der Kreissparkasse Köln im Anwesen Breidenbach. Quelle: Fotosammlung H. P. Müller

Dieser musste damals auf Anweisung der Baubehörde im Kellergeschoss noch einen Luftschutzraum ausbauen. Der Kellerraum unmittelbar unter der Erweiterung wurde als Schusterwerkstatt genutzt. Eine nochmalige Erweiterung mit Kaminofen, um eine Backstube betreiben zu können, wurde wohl Anfang der 1960er Jahren realisiert.

Zum Bauherrn: Lambert Breidenbach

Bei dem Bauherrn handelte es sich um Lambert Breidenbach, der am 27. Mai 1877 in Refrath geboren wurde. Sein Vater war der Schuster und spätere Schuhhändler Heinrich Breidenbach, seine Mutter Katharina Breidenbach, geb. Bosbach.

Über seine Schulzeit und berufliche Ausbildung ist nichts überliefert. Er muss aber schon als junger Mann verbeamtet gewesen sein, da er infolge einer „schweren Dienstbeschädigung während seiner aktiven Dienstzeit“ 1905 eine Stelle als Polizeibetriebsassistent (heute vergleichbar mit einem Polizeimeister) in Weilerswist zugewiesen bekam.

Er gehörte damit zur Königlich Preußischen Gendarmerie, die als berittene oder fußläufige Landjäger für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zuständig waren. Vermutlich ist er wegen seines Dienstunfalls aber eher im Innendienst, also in der Vorgangsbearbeitung, Meldeangelegenheiten oder in der Betreuung der Polizeiwache eingesetzt worden.

Am 5. April 1923 hatte er in Weilerswist Elfriede Anna Kemmer geheiratet. Im Januar 1927 schrieb er an die Verwaltung, dass er den dringenden Wunsch hätte, in seinen Heimatort Refrath übersiedeln zu wollen, zumal dort noch seine Eltern und Geschwister wohnen würden. Die Gemeinde Bensberg ermöglichte ihm deshalb recht zügig den Kauf eines Baugrundstücks in Refrath, Wickenpfädchen 7. 

Finanzieren konnte er das Bauvorhaben durch vorhandene Eigenmittel, einen staatlichen Wohnungsfürsorgefond und durch einen Kredit der Kreissparkasse der Landkreise Köln und Mülheim in Köln. Da er eine Einzimmerwohnung und die Mansarde untervermietete, ließen sich die monatlich zu entrichtenden Zinsen etwas minimieren.

Allerdings kam Breidenbach bald in eine „äußerst ungünstige wirtschaftliche Lage“, sodass ab den 1930er Jahren Zinsermäßigungen bewilligt werden mussten, um eine Zwangsversteigerung des Objektes zu verhindern. 

Als Lambert Breidenbach am 9. Februar 1953 in seinem Haus in Refrath, Wickenpfädchen 7 verstarb, wohnte die Familie weiter in diesem Haus. Gemäß dem Adressbuch waren dies seine Ehefrau Elfriede, die Tochter Gertrud, mittlerweile verheiratete Schauff und der Sohn Hasso Breidenbach.

Interessant ist, dass, nach der Aufgabe des Tabakladens, die Kreissparkasse Köln ab 1939 bis 1950 ihre erste Zweigstelle für Refrath in dieser Räumlichkeit eingerichtet hatte.

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Tatsache ist, dass das Gebäude Ende der 1950er Jahre in die Hände der Familie Kreuzahler kam, die in dem Ladenanbau eine Bäckerei unterhielten. Axel Kreuzahler stand von 1960 bis 1990 in der Backstube, wobei hierfür eine umfassende Erweiterung notwendig wurde.

Von 1990 bis 2018 pachteten die Eheleute Petra und Gerold Eilers das Geschäft und konnten es als regionale Spitzenbäckerei und Konditorei etablieren. Und von 2018 bis Mitte Juli 2026 waren es die Geschwister Sibel Tuncer und Yilmaz Inan, die an dieser traditionellen Adresse weiterhin für leckere Backwaren sorgten. 

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Zum Architekten

Bürostempel mit Signatur von Wilhelm E. A. Davidts
(Fotosammlung M. Werling)

Nach den Bauunterlagen war Wilhelm Eugen Albert Davidts (1898-1970) der Architekt des Hauses.

Er war über lange Zeit hinweg in der Stadt Bergisch Gladbach und Umgebung tätig gewesen und hatte parallel zum Haus „Wickenpfädchen 7“ auch das circa 130 Meter entfernte Gebäude „Vürfelser Kaule 34-36“ (Gelateria La Luna) errichtet.

Baustelle „Vürfelser Kaule 34-36“. Quelle: Fotosammlung H. P. Müller

Sein Büro hatte Davidts, der mit Elisabeth, geborene Fischer aus Köln-Deutz verheiratet war, zunächst in Bensberg, später in Bergisch Gladbach, Hauptstraße 150. Interessant ist, dass er 1929 das vermutlich älteste Wohn- und Geschäftshaus, das Türmchenhaus „Burggraben 9-21“, indem vorübergehend auch das Bensberger Polizeigefängnis untergebracht war, zu einem Heimatmuseum (Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe) umbaute.

Türmchenhaus in Bensberg noch vor dem Umbau durch W. Davidts (vor 1927). Quelle: Fotosammlung Willi Fritzen

Bleibt abschließend zu hoffen, dass das Gebäude „Wickenpfädchen 7“ auch ohne Denkmalschutz erhalten bleibt, weil es sowohl architektonisch als auch Ortsgeschichtlich für Refrath von Bedeutung ist.

Prof. Dr. Michael Werling, geb. 1950 in Ludwigshafen am Rhein. Nach einer Lehre als Bauzeichner, Studium der Architektur an der Ingenieurschule Mainz sowie an der TH Karlsruhe. Assistent am Lehrstuhl für Industrialisiertes Bauen und Industriebau an der Technischen Universität in Kaiserslautern. Parallel...

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