Fotos: Constanze Danikas und Annette Voigt

Naturliebhabende versammeln sich regelmäßig im Nature Journal Club Bergisch Gladbach, um Flora und Fauna zu erkunden. Sie halten in Zeichnungen, Aquarellen und Texten fest, was sie beobachten. Auf dem Zanders-Gelände hat die Gruppe erforscht, was auf dieser brachliegenden Industriefläche gedeiht.

„Die Natur bewusst wahrzunehmen und mit Stift, Pinsel und Papier in Skizzenbüchern zu dokumentieren, das ist Ziel des Nature Journal Club“, sagt Constanze Danikas. Sie hat die regionale Gruppe des Clubs im vergangenen Jahr gegründet, um diese weltweite Gemeinschaft naturbegeisterter Zeichner:innen auch hier bekannt zu machen. „Die Lebensräume in der freien Natur sind perfekte Orte, um möglichst viele für die Vielfalt der Natur zu sensibilisieren, sagt Danikas.

„Das Malen mit Beobachtungen in der Natur zu kombinieren, das gefällt mir“, erzählt Ulrike, die erst seit Kurzem teilnimmt. Die Gruppe ist sich darin einig, dass Zeichnen und der Blick ins Grüne entspannt: „Zeichnen gehört bei uns zum Alltag, ob zu Hause oder unterwegs im Urlaub, gemalt wird fast immer“. Sie sind dafür bestens ausgestattet. Ein kleiner Aquarell- oder Buntstiftkasten und Wasser in einer Sprühflasche sowie der liebevoll gestaltete Skizzenblock passen in jeden Rucksack.

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Der Club ist eine Interessengemeinschaft und jede:r kann kostenlos mitmachen. Es geht nicht um perfekte Kunstwerke, sondern darum, das kreativ auszudrücken, das gesehen und erlebt wird. „Das Malen und Zeichnen im Nature Journal Club geht über das bloße Abbilden einer Pflanze weit hinaus. Hier wird stattdessen beobachtet, recherchiert und dokumentiert. Persönliche Draußenerlebnisse, große und kleine Momente der Entdeckungen werden im Skizzenbuch in Worten, Bildern und Zahlen festgehalten“, erklärt Danikas.  

Die Pflanzenvielfalt bei Zanders entdecken

Nach einer kurzen Begrüßung verteilen sich die 27köpfige Gruppe an diesem heißen Sommertag auf dem Fabrikgelände, um ein Motiv zum Zeichnen zu finden, auf das sie in der nächsten Stunde ihre Aufmerksamkeit richten. Pflanzen an schattigen Plätzen sind an diesem Vormittag sehr begehrt.

Vorbeigehende und -fahrende blicken interessiert auf diejenigen, die auf dem Boden hocken und konzentriert Grünes betrachten. Pflanzen verstecken sich in Mauerritzen, die erst auf den zweiten Blick auffallen. Die, die im Club zeichnen, haben einen Blick fürs Detail entwickelt.

Die Pflanzen sind ihnen dabei meist unbekannt, doch dank „Flora Incognita“, eine App zur Pflanzenbestimmung, wissen sie schnell Bescheid. Die Zeichentour entwickelt sich zum botanischen Lehrpfad. „Hier auf dem Zanders Gelände wachsen so unglaublich viele Arten robuster Wildpflanzen“, begeistern sich die Clubteilnehmer:innen. 

Heute haben einige Disteln als Motiv auserkoren, beispielsweise die Ackerkratzdistel und die Lanzett-Kratzdistel, deren Stängel, Blätter und Blüten Regina und Barbara mit viel Liebe zum Detail in ihrem Skizzenbuch abbilden. Beide mögen Disteln, weil diese insektenfreundlich sind und zunehmend seltener werden.

Regina sieht wie ein winziges Insekt auf einem Distelblatt krabbelt. „Den muss ich jetzt mit meinem Handy bestimmen“. Ob es sich auch um den Blatthornkäfer „Kleiner Julikäfer“ handelt, den die Gruppe vorher im Rinnstein fand?  

Treffen einmal im Monat je nach Wetter indoor/outdoor. Nächstes Treffen: Samstag 15. August, Park Haus Lerbach

Anmeldung: c.danikas@web.de (Betreff: #NJC-BGL)                                                       

Weitere Infos, Termine und Treffpunkte auf Instagram @naturejournalclub_berggladbach und @conys.skizzenatelier

Andrea macht auf die gezackten Blattränder einer Pflanze aufmerksam, die sich an der Wand einer Industriehalle emporschlängelt. „Es ist der Kompasslattich bzw. Stachellattich, der wie ein Kompass seine Blätter nach Norden und Süden ausrichtet“, klärt sie auf.

Manche inspiriert das filigrane Grün zwischen den Fugen einer Fassade und sie lassen beim Malen ihrer Phantasie freien Lauf. Eine üppige Pflanze in gemischten Grüntönen mit gelben Blüten ist das Ergebnis. Eine zierliche gelbe Blume welkt bei dieser Hitze bereits nach wenigen Minuten in den Händen der Zeichnerin, erstrahlt aber später umso leuchtender auf dem Papier. 

Zusammen draußen kreativ sein  

„Ich bin immer wieder überwältigt, wie viele sich für die Natur und das draußen Zeichnen begeistern“, so Danikas. „Nature Journaling“, d.h. sich in der Natur aufzuhalten und dabei bewusst Gedanken und Gefühle zu notieren, ist grundsätzlich auch alleine möglich. Es mache aber viel mehr Spaß und sei inspirierender, mit anderen eigene Naturerlebnisse zu teilen, stimmt die Gruppe überein. 

Zeichnen und Malen ermöglicht es sich gegenüber der Natur zu öffnen. Folgende Einstiegsfrage erleichtern, besonders Neuen, diesen Zugang, u.a. Was siehst Du? Wie fühlt es sich an? Was weckt Dein Interesse? Worüber möchtest Du mehr erfahren? Was möchtest Du zeichnerisch oder mit Worten festhalten?, erläutert die Clubleiterin.

Die Ergebnisse im Skizzenbuch machen alle stolz. Es ist längst ein liebgewordenes Ritual, anschließend in der Runde die eigenen Skizzen zu erläutern. Kaffee, Kuchen und ein Gruppenfoto sind dabei obligatorisch. Einige feilen selbst noch im Café weiter an ihren Skizzen.                                                                                                  

Mit den Treffpunkten, die Danikas auswählt und sich vorher anschaut, ist die Gruppe immer einverstanden. Es sind attraktive Natur-Orte in der Region wie u.a. die Saaler Mühle, das Forsthaus Steinhaus, der Wald im Bergischen und auch in Kürze der Park Haus Lerbach.  

„Die Natur muss gefühlt werden“, wusste bereits Alexander von Humboldt. Wer sich auf diese Art und Weise der Natur annähert, lernt ihr achtsam zu begegnen und jedes Fleckchen Grün wertzuschätzen. 

„Der Nature Journal Club bietet eine perfekte Möglichkeit, Menschen für die Natur und deren Schutz zu sensibilisieren. Sobald sich die Zeichnenden mit der Natur auseinandersetzen, respektieren sie diese und werden sich demzufolge für den Erhalt grüner Oasen in der Stadt einsetzen“, resümiert Danikas. 


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