Foto: Thomas Merkenich

Mit einer Million Euro will die RheinEnergie einen Fonds ausstatten, um den Kund:innen zu helfen, die durch den stark steigenden Gaspreis in Not geraten. Die Belkaw geht in Bergisch Gladbach einen anderen Weg: Sie intensiviert ihre Energieberatung.

Ein Hilfefonds sei bei der Belkaw nicht geplant, sagt Geschäftsführer Manfred Habrunner auf Anfrage. Statt dessen wolle das Bergisch Gladbacher Unternehmen seine Kund:innen intensiv informieren und beraten, wie sie Gas und auch Strom einsparen können. „Das halte ich für den nachhaltigeren Weg“, erläutert Habrunner.

Die Details würden noch diskutiert, auch mit Kooperationspartnern. Klar sei jedoch, dass es eine Informationskampagne und einen Ausbau der Kapazitäten für individuelle Beratungen geben soll, berichtet der Geschäftsführer weiter. Die Belkaw befindet sich als lokaler Grundversorger je zur Hälfte im Besitz der RheinEnergie und der Stadt Bergisch Gladbach.

Die Belkaw hatte – ebenso wie die RheinEnergie – am Montag angekündigt den Gaspreis zum 1. Oktober mehr als zu verdoppeln. Durch die extrem hohen Beschaffungspreise für das Gas seien die Versorger gezwungen, einen Teil davon an die Kund:innen weiter zu geben.

Je nach Größe von Wohnung oder Haus kommen da pro Monat schnell dreistellige Zusatzausgaben auf die Haushalte zu. Auch Vermieter geraten unter Druck, weil sie die höheren Energiekosten zunächst vorfinanzieren müssen, bevor sie sich von den Mieter:innen erstatten lassen.

Darauf will die RheinEnergie mit einem Hilfefonds reagieren, die Details werden zur Zeit mit der Stadt Köln besprochen. Dabei geht es auch darum, wer Anspruch auf die Leistungen bekommt.

„Wir werden das erste Mal eine Situation haben, in der wir Bevölkerungsgruppen mit Problemen konfrontieren, die bislang davon noch nie betroffen waren. Ich rede insbesondere vom Rückgrat des Mittelstandes, also Krankenschwestern, Erziehern, Verkäufern,“ erläuterte RheinEnergie-Manager Achim Südmeier im Gespräch mit dem KSTA. Angesichts steigender Preis auch für Strom und Lebensmittel habe das „eine neue Qualität. Nicht jeder steckt beispielsweise 200 Euro mehr im Monat einfach so weg.“

Vertreter von Linken und SPD haben die Kölner Stadtverwaltung aufgefordert, rasch für eine unbürokratische Einsetzung des Hilfefonds zu sorgen. Bei Bedarf müsse er durch die Stadt aufgestockt werden. Ähnliche Vorschläge aus der Bergisch Gladbacher Politik sind bislang nicht bekannt.

Weitere Beiträge zum Thema

image_pdfPDFimage_printDrucken

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Herr Südmeier spricht hier einen wichtigen Punkt an: Es wird eine nenneswert große Bevölkerungsgruppe geben, die von den steigenden Energiepreisen
    a) besonders hart getroffen wird und
    b) nach den bisherigen Überlegungen der Bundesregierung keinerlei Entlastung erfahren wird.

    Nämlich all diejenigen, deren Einkommen bislang zwar für ein relativ sorgenfreies Leben ausgereicht hat, aber nicht für die Bildung großer Rücklagen oder den Konsum beachtenswerter Luxusgüter.
    Familien, die durch 3.000 – 4.000 Euro höhere Energiekosten zwar nicht „in Hartz IV abrutschen“, sich aber in den nächsten Jahren z.B. keinen Urlaub mehr leisten können, Freizeitaktivitäten streichen oder auf anderem Wege schmerzhaft sparen werden müssen.

    Eine weitere hochbetroffene Gruppe sind die Menschen, deren Einkommen bislang gerade so zum Leben reichte und die jetzt gezwungen sein werden, Sozialleistungen zu beantragen. Da die Grundsicherungsträger die vollen Kosten garantiert übernehmen, ist dies weniger ein finanzielles Problem. Gravierender ist die emotionale Seite, seine Scham überwinden und sich in die Abhängigkeit einer Sozialbehörde begeben zu müssen.

    Es ehrt die RheinEnergie, dass sie dieses Problem erkannt haben und mit einem kleinen Fonds Linderung schaffen wollen, aber:
    Es ist kein Problem der Energieanbieter, sondern eines der Bundesregierung. Auf politischer Ebene muss ein Weg gefunden werden, die finanziellen Folgen für Gering- und Normalverdiener erheblich abzufedern. Das kann weder mit einem 9-Euro-Ticket noch mit einem einmaligen Zuschuss von 300 Euro Brutto gelingen; hier ist ein Vielfaches erforderlich.

    Ein Blick in die Quartalszahlen von Shell, BP, Repsol, Total, OMV und Co., aber auch RWE drängt sich auf, wenn man die Frage nach der Finanzierung stellt. Die FDP als kleinste Regierungspartei erstickt jede Forderung nach einer Übergewinnsteuer für die Energiekonzerne im Keim. Wenn sich diese Haltung langfristig durchsetzt, muss die Allgemeinheit bezahlen. Und zwar doppelt: Einmal für den eigenen Energieverbrauch und ein zweites Mal für die höheren Steuerausgaben, die durch die sprunghaft steigende Inanspruchnahme von Arbeitslosengeld II oder Wohngeld entstehen.

  2. An der Aussage des Managers ist bemerkenswert, dass auch Strompreise und Lebensmittelpreise genannt werden. Es geht doch laut Einleitung eigentlich um Gaspreise.
    Es ist weiter bemerkenswert, dass die Gewährung von Hilfen (auch) auf kommunaler Ebene läuft und sich hier unterscheidet. Allerdings scheint die Größe des Rheinenergie-Fonds sehr klein. Es wird trotzdem für mich im Artikel nicht deutlich, woher die Mittel dazu kommen. Ich verstehe auch nicht, wie man die Bedüftigkeit genau ermitteln will.
    Grundsätzlich finde ich Investitionen in Einsparmaßnahmen besser als Subventionen von Energieverbrauch.

    1. Die eine Million Euro will die RheinEnergie aus eigenen Mitteln zahlen. Würde wahrscheinlich die Gewinnabführung an die Eigentümerin (Stadt Köln) schmälern. Die Frage nach der Bedürftigkeitsprüfung ist offen.

  3. Der Rückgrat des Mittelstandes sind alle, die einer Arbeit nachgehen und für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen. Da sollte man doch nicht einzelne Berufsgruppen aufzählen.