Auch das Rathaus soll nachts erst einmal dunkel bleiben.

Den Verbrauch von Strom und Gas will die Stadtverwaltung kurzfristig kräftig reduzieren, vor allem durch Verhaltensänderungen der eigenen Mitarbeiter:innen, aber auch in den Schulen. Dabei steht die Stadt unter hohem Druck: die Preise laufen davon, und sie selbst hat noch immer keine regulären Lieferanten gefunden.

Der Energienotstand hat die Stadt Bergisch Gladbach gleich mehrfach ereilt. Als Betreiberin vieler maroder Gebäude wie Schulen, Stadthäuser oder Stadtbücherei laufen ihr die Ausgaben davon – bereits jetzt rechnet sie für 2022 mit Mehrkosten von knapp zehn Millionen Euro.

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Hinzu kommt, dass die Stadt keine regulären Lieferanten hat, weder für Strom noch Gas. Bei der vorletzten Ausschreibung hatten Unternehmen gewonnen, die bereits bei den ersten Preissprüngen vor einem Jahr pleite gegangen waren. Seither befindet sich die Verwaltung in der sogenannten Grundversorgung: die Belkaw ist eingesprungen und liefert Strom und Gas zum relativ hohen Grundversorger-Tarif.

Ausschreibungen bleiben ohne Angebote

Im Frühjahr wurden die Lieferungen neu ausgeschrieben, berichtet die Stadt jetzt in einer Vorlage für die nächste Ratssitzung. Aber ohne Erfolg, es gingen keine Angebote ein.

Seither verhandele die Stadt über Lieferungen und hoffe, auf diesem Weg ab dem 1. September wieder über reguläre Verträge zu verfügen. Diese Verhandlungen, heißt es in der Vorlage, seien jedoch „schwierig“.

Grundsätzlich strebe die Stadt eine „deutliche Reduzierung“ des eigenen Energieverbrauchs an, stellt sie klar. Neben mittel- und langfristigen Investitionen gelte es jetzt, rasch Sofortmaßnahmen umzusetzen.

Wo und wie die Stadt Energie sparen will

Dazu zählt die Stadt auch „Abschaltungen“ und „Verbrauchseingrenzungen“. Unter anderem sollen die Temperaturen in den Büros „unter Beachtung der gesetzlichen Mindestgrenzen“ abgesenkt werden. Immer vorausgesetzt, dass der Personalrat zustimmt.

Kurzfristig setzt die Stadt vor allem auf organisatorische Maßnahmen: Durch Änderungen des Verhaltens der Nutzer:innen könnten zehn bis 25 Prozent eingespart werden. Angesprochen werden sollen dabei nicht nur die eigenen Mitarbeiter:innen, sondern auch die Nutzer:innen und Bewohner:innen städtischer Gebäude. Also zum Beispiel von Schulen oder Flüchtlingsunterkünften.

Was das konkret beinhaltet, das listet die Stadt in der Ratsvorlage kleinteilig auf. Die Liste reicht vom „Lichtausschalten beim Verlassen des Büros“ und der Reduzierung der Helligkeit der Monitore bis hin zum sparsamen Kaffeekochen. Heizlüfter und Kühlschränke sollen aus den Büros verschwinden.

Darüber hinaus sollen Einsparungen durch geringfügige Investitionen erreicht werden. Etwa durch die Steuerung der Beleuchtung durch Bewegungsmelder oder der Wartung von Heizungsanlagen.

Mittelfristig sollen Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden installiert, Gebäude gedämmt und Heizungsanlagen modernisiert werden.

Mitarbeiter:innen rücken zusammen – oder bleiben zuhause

Als weitere Option nennt die Stadt die Überlegung, die Straßenbeleuchtung zu reduzieren oder zu dimmen. Öffentlicher Gebäude wie das Rathaus sollen nachts nicht mehr beleuchtet werden; dazu gibt es bereits eine Anordnung.

Weniger Büros oder auch Gebäude müssten beheizt werden, wenn „bürgerintensive Bereiche“ (wie etwas die Bürgerbüros) zusammen geführt werden und die Mitarbeiter:innen ihre Arbeitsplätze stärker teilen würden. Donnerstags und freitags könnten alle ins Homeoffice geschickt werden, grundsätzlich wieder mehr Konferenzen per Video abgehalten werden.

Mitfahrzentrale und Lastenräder

Im Bereich der Mobilität will die Stadt eine verwaltungsinterne Mitfahrzentrale einrichten und mehr Dienst- und Lastenräder anschaffen.

Um alle Beteiligten – und auch die Bürger:innen für konsequente Energiesparmaßnahmen zu gewinnen will die Stadt eine interne und externe Werbekampagne auflegen. Dabei soll auch die städtische Infoseite „Energieeinsparung & -Effizienz“ in mehrer Sprachen übersetzt werden.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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11 Kommentare

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  1. Reduzierung der Helligkeit am Monitor, Kühlschränke aus den Büros entfernen, Bürgerbüros zusammenfassen, Homeoffice…. nun, ich Hoffe das dies nur die ersten Denkansätze sind. Prinzipiell finde ich Maßnahmen zur Reduktion von Energie super jedoch mancher Vorschlag ist wirklich nicht akzeptabel. Es gibt Städte, die Energie einsparen in dem die Ampelanlagen in der Nacht abgeschaltet werden. Es herrscht wenig Verkehr und bei der Menge an Ampeln kann einiges eingespart werden. Dies ist nur eine IDEE, welche vllt. eine Möglichkeit wäre.

  2. Die Stadt Bergisch Gladbach besitzt doch Anteile an der Belkaw 49% und hat keinen Energielieferanten?

    1. Mein Kommentar beschränkt sich auf den Strom. Hier ist es neuerdings so, dass zumindest für Privathaushalte (zumindest für Bestandskunden) die Grundversorgung des Regionalanbieters günstiger ist als der billigste Billiganbieter. Die Regionalversorger haben offenbar langfristigere Lieferverträge, wohingegen sich Billiganbieter wahrscheinlich viel auf dem Spotmarkt eingedeckt haben und sich nun reihenweise vom Markt zurückziehen müssen. Insofern muss man bei den derzeitigen Verwerfungen fast davon ausgehen, dass es nichts Besseres als die Grundversorgung geben wird. Man kann der Stadt keinen Vorwurf machen, wenn die Ausschreibungspflichten diesen Mechanismus quasi vorgeben. Die Zuverlässigkeit des Versorgers müsste gerade für öffentliche Einrichtungen viel stärker ins Gewicht fallen.

  3. ganz grundsätzlich finde ich das unser Land und die Bürger auf großem Fuß leben, weil wir die Energie als unerschöpfliches Medium ansehen. Es kommt ja immer was nach. Das sehe ich aktuell immer noch an all den Rasengießern. Ein unsinniges Unterfangen.
    Der Gedanke, beim Energiesparen bei Licht, bzw. der Beleuchtung anzufangen, ist ebenso unsinnig, weil die meisten Leuchten auf LED-Basis laufen und nur minimal Strom brauchen im Vergleich zu Duschen und Kaffee-Zubereitung. Natürlich alle zu ähnlichen Zeiten. Wenn die Bevölkerung zur Hälfte abends statt morgens duschen würde, wäre uns weit mehr geholfen, um die Peak-Zeiten abzubauen. Diese kosten den Stromlieferanten viel Geld.
    Und , genau, wie Daniela schreibt, die Homeoffice-Idee verlagert nur den energiebedarf in die Mitarbeitertasche. Für eine Person eine Wohnung zu heizen und beleuchten bedarf wesentlich mehr Energie, als allen Mitarbeitern das Büro zu klimatisieren.
    Dies ist einer der Gründe, warum wir die letzten Jahre so viel Energie gebraucht haben: für die Home-Office-Beheizung während der Lockdown-Zeiten in den Städten.
    Thema Grundversorgung: es nicht teuer aktuell in der Grundversorgung! es ist z.T. der günstigste Tarif, der zu finden ist.
    Und als Stadt bei der Belkaw zu sein, da bleibt das Geld ja in der Stadt. :-)

  4. Es ist völlig inakzeptabel, dass die Ausschreibungspflichten für öffentliche Auftraggeber bei der Energieversorgung in diesen Zeiten nicht ausgesetzt werden. Statt über Einsparungen zu schwadronieren, sollten Sie, lieber Herr Habeck, hier Druck auf die EU-Kommission ausüben.

    Die Stadt Bergisch Gladbach als Folge des EU-Hangs zum Billigsten, freier diskriminierungsfreier Wettbewerb genannt, in der Grundversorgung wiederzufinden, weil der billigste Energieversorger gleich pleite gemacht hat, ist ein Witz. Auch hier bedarf es gesetzlicher Änderungen.

    Anstatt die Gesamtbevölkerung mit staatskapitalistischen Umlagen zu traktieren, wäre es angezeigt, die Energieversorger, deren Systemrelevanz die Politiker nicht müde werden zu betonen, stärker an die Kandarre zu nehmen. Milliardengewinne wie bei der RWE belegen doch, wie viel sich in diesem Wirtschaftszweig verdienen lässt. Aber solange öffentliche Körperschaften als Anteilseigner von Dividenden profitieren, werden die nicht meckern.

  5. Immer wieder erschreckend, wie negativ sich die Vorschriften zu Ausschreibungen auswirken, so dass sich die Stadt nun in der teuren Grundversorgung der Belkaw befindet. Die Kosten dafür trägt letztendlich der Bürger. Ich vermisse in den Überlegungen zum Energiesparen nur noch kaltes Wasser in Turnhallen und öffentlichen Gebäuden anzubieten. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Schüler nach dem Schulsport geduscht hat. Zum Händewaschen genügt auch kaltes Wasser. In den städtischen Unterkünften sollten ebenfalls, wie auch in Privathaushalten erbeten, die Raumtemperaturen gesenkt werden. Werbekampagnen (Maskottchen usw.) halte ich für völlig unnötige Geldausgaben.

    1. Zumindest im Rathaus Bensberg hat es noch nie Warmwasser für die Beschäftigten gegeben! So viel zum Thema attraktiver Arbeitgeber „Stadt“.

    2. In den Turnhallen findet neben Schul- auch Vereinssport statt, und vor allem die erwachsenen Teilnehmenden duschen gerne nach dem Training. Dabei wird von manchen beklagt, dass die Wassertemperatur zu hoch ist und sich nicht regulieren lässt.

      Im Gustav-Lübbe-Haus in Heidkamp gibt es – seit dem Einzug der Stadtverwaltung – auf den Toiletten für Besuchende und Beschäftigte nur kaltes Wasser, und das scheint vollkommen ausreichend.

  6. Im Falle einer verpflichtenden HomeofficePflicht darf der Angestellte dann die Kosten für die anfallende Energie (Heizung, Strom, Laden des Laptops,..) aus eigener Tasche zahlen – hier sehe ich die Öffentliche Verwaltung in der Pflicht sich an diesen Kosten ihrer Angestellten zu beteiligen. Bisher habe ich diese Kosten selber getragen – aber nun im Hinblick auf explodierende Energiepreise bin ich dazu nicht mehr bereit!

    1. Dafür müsste der arbeitsbezogene Energieverbrauch ermittelt oder zumindest überschlagen werden. Beim Stromverbrauch ließe sich das sicherlich machen. Aber bei der Heizung halte ich das für nur sehr schwer bestimmbar. Geht es um die ganze Wohnung oder nur um den Arbeitsbereich? Wie berücksichtigt man dabei, dass die Wohnung im Winter ja ohnehin ständig beheizt werden muss. Wie will man ausrechnen wie viel Mehrverbrauch entsteht, wenn man nicht 8 Stunden außer Haus ist und die Heizung auch tagsüber laufen müsste.

    2. Da rechne ich anders. Mein Weg zur Arbeit beträgt 10 KM. Ich fahre zwar häufig Fahrrad, aber vergleichen Sie doch einfach die Fahrtkosten mit den von Ihnen genannten Positionen.

      Ich arbeite da sehr gerne zuhause.